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Klüger werden mit dem Hanf Journal -
Dr. med. Franjo Grotenhermen klärt auf:
Ist essen effektiver als rauchen?
Publiziert am: 05.11.04 - Medienformen: Medienform Text

„Nimm ohne Furcht eine nussgroße Menge Haschisch ein – man stirbt nicht daran . . .“, empfahl der Schriftsteller Charles Baudelaire, Mitglied des 1843 gegründeten „Club des Haschischin“ in Paris seinen Kollegen. Er erzielte auf diese Weise einen Cannabis-Rausch, der vom Morgen bis zum Abend dauerte. Die Dauer des Rausches und viele andere Aspekte des Cannabis-Konsums sind von der Art der THC-Aufnahme abhängig. Die Frage, ob das Essen oder das Rauchen effektiver ist, berührt mehrere Fragen. Effektiv kann sich einerseits auf die relative Menge beziehen, die vom aufgenommenen THC zur Wirkung kommt, aber beispielsweise auch auf die Frage, wie intensiv der Rausch ist und wie lange er nach der einen oder der anderen Einnahmeform dauert.
Antworten auf diese Fragen liefert die so genannte Pharmakokinetik von THC. Als Pharmakokinetik einer Substanz bezeichnet man alles das, was mit dieser Substanz bei der Aufnahme in den Körper (über Magen, Mundschleimhaut, Lunge, Haut etc.), bei der Verteilung in den Körperorganen, bei der Verstoffwechselung in der Leber und anderen Geweben sowie bei der Ausscheidung (über Nieren, Darm, Haut etc.) geschieht. Davon ist beispielsweise abhängig, wie schnell THC wirkt, wie lange die Wirkung anhält und wie lange THC und seine Abbauprodukte (Stoffwechselprodukte) im Blut und Urin nachweisbar sind.
Die Pharmakokinetik von THC unterscheidet sich deutlich in Abhängigkeit von der Einnahme. Nach dem Rauchen ähnelt sie der Gabe von THC mit einer Spritze direkt in das Blut. Nach dem Essen beginnt die Wirkung wesentlich später, hält jedoch länger an. Diese Themen sollen im Folgenden etwas näher betrachtet werden. Dazu möchte ich zuvor noch einen Begriff einführen, die systemische Bioverfügbarkeit, der für die Frage der Effektivität eine große Rolle spielt. Die systemische Bioverfügbarkeit gibt an, wie viel Prozent des in der Cannabis-Zigarette oder dem Haschisch-Plätzchen enthaltenen THC in den Organen, wie zum Beispiel dem Gehirn, zur Wirkung gelangt.

Rauchen:
THC wird beim Rauchen rasch über die Lungenschleimhaut in das Blut aufgenommen. Bereits fünf bis zehn Minuten nach Beginn des Rauchens erreicht die THC-Konzentration im Blut ihr Maximum. Die stärkste Wirkung wird meistens nach 20 bis 30 Minuten beobachtet und fällt innerhalb von zwei bis drei Stunden wieder deutlich ab. Die systemische Bioverfügbarkeit von THC nach dem Rauchen einer Marijuana-Zigarette lag in verschiedenen Untersuchungen zwischen zwei und 56 Prozent. Sie beträgt im Allgemeinen zwischen zehn und 30 Prozent. Etwa 30 Prozent des THC wird verbrannt, während der größte Verlust bei normalem Rauchverhalten auf Seitenströme zurückzuführen ist. Wird der Cannabis in einem Zug geraucht, sodass Seitenströme vermieden werden, kann die systemische Bioverfügbarkeit über 50 Prozent liegen. Dies gelingt beispielsweise bei Verwendung einer Pfeife, in die nur wenig Cannabis gegeben wurde.

Essen und Trinken:
THC wird beim Essen und Trinken nahezu vollständig von Magen und Darm aufgenommen. Dennoch beträgt die systemische Bioverfügbarkeit im Durchschnitt nur etwa fünf bis zehn Prozent. Sie wird so stark reduziert, weil das Blut aus dem oberen Darm-Trakt zunächst durch die Leber fließt, bevor es andere Organe erreichen kann. Die Leber verstoffwechselt dabei den größten Teil des THC. Man nennt dies den so genannten First-pass-Effekt (englisch: first pass = erste Passage), der auch für andere Medikamente von Bedeutung ist. Die beiden wichtigsten Abbauprodukte sind 11-Hydroxy-THC (11-OH-THC) und Carboxy-THC (THC-COOH). Das 11-OH-THC verursacht die gleichen Wirkungen wie THC und wirkt etwa genauso stark. Das THC-COOH verursacht dagegen keine psychischen Wirkungen. 11-OH-THC und THC liegen nach dem Essen und Trinken ungefähr in gleicher Konzentration im Blut vor. Auf diese Weise wird die THC-Wirkung deutlich verstärkt und die im Vergleich zum Rauchen geringere systemische Bioverfügbarkeit etwas ausgeglichen. Da die Wirkung beim Essen länger anhält als beim Rauchen, wird auch dadurch die Effektivität weiter verbessert.

Wie ist nun die Frage nach der Effektivität zu beantworten? Mit einem Begriff aus dem Sport würde ich sagen, es steht unentschieden. Für das Rauchen spricht, dass die Bioverfügbarkeit des THC höher ist als beim Essen, und dass die Wirkung schneller einsetzt. Für das Essen spricht, dass ein pharmakologisch wirksames Abbauprodukt (11-OH-THC) in viel höherem Umfang als beim Rauchen entsteht, und dass die Wirkung länger anhält. Sowohl durch Essen als auch durch Rauchen kann ein starker Rausch durch die Aufnahme großer Mengen ausgelöst werden. Beim Rauchen kommt es dabei darauf an, dies in kurzer Zeit zu realisieren, während der Zeitfaktor beim Essen keine Rolle spielt, wie schon Baudelaire wusste.

Dr. med. Franjo Grotenhermen
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