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Indoor Growing
– Sortenzucht Teil 2
Publiziert am: 05.11.04 - Medienformen: Medienform Text


Unter einer Sorte versteht man Pflanzen, die sich in bestimmten Merkmalen gleichen und diese Merkmale bei Kreuzungen untereinander erhalten bleiben. Bei den so genannten Hybridsorten ist das nicht der Fall, weil sie aus zwei reinerbigen Sorten gekreuzt wurden und somit mischerbig sind. Ob eine Sorte reinerbig ist, lässt sich überprüfen, indem man eine Pflanze der F1-Generation mit einer der beiden Elternpflanzen kreuzt, wobei zwei Phänotypen im Verhältnis 1:1 entstehen müssen.

Neue Merkmale, die vorher nicht vorhanden waren, können durch Mutation entstehen. In der Natur kommt es immer wieder zu Mutationen, die es den Lebewesen ermöglichen, sich an Veränderungen der Umwelt bzw. des Lebensraumes anzupassen. Mit speziellen Chemikalien lassen sich auch künstliche Mutationen hervorrufen, allerdings rate ich davon ab. Wir haben keine Kontrolle über solche Mutationen und wissen nicht was passiert, wenn diese Gene in die Umwelt gelangen. Zudem sind die Chemikalien meistens sehr giftig. Die Problematik dürfte aus der Gen-Mais-Diskussion bekannt sein.

Einige wichtige Merkmale, die bei der Zucht von Hanf-Sorten eine Rolle spielen und positiv beeinflusst werden können, sind Größe und Ertrag, Vitalität, Resistenz gegenüber Krankheiten und Schädlingen, Verzweigung, Cannabinoid-Gehalt, Geschmack, Geruch, Harzmenge und -qualität.
Das Geschlecht der Hanf-Pflanze unterliegt ebenfalls den Vererbungsregeln. Damit lässt sich die Entstehung von zwittrigen und feminisierten Sorten nachvollziehen.
Um eine Sorte mit einem bestimmten Merkmal auszustatten, müssen die dafür verantwortlichen Gene reinerbig sein. Solange nur eine Elternpflanze dieses Merkmal zeigt, erweist sich dies beim Hanf jedoch oft als schwierig, besonders wenn es sich um ein rezessives Merkmal handelt. Wurde das Merkmal an einer zwittrigen Pflanze entdeckt, kann man sie einfach mit sich selbst bestäuben und aus den Nachkommen diejenigen ohne Zwitterbildung auswählen und weiter miteinander kreuzen. Handelt es sich jedoch um eine zweihäusige Pflanze, wird sie mit einer anderen Elternpflanze gekreuzt und die Nachkommen der 1. Generation durch Inzucht vermehrt, sodass in der 2. Generation Elternpflanzen mit diesem Merkmal ausgewählt werden können. Dies ist allerdings sehr schwierig, erfordert viel Zeit und das Aufziehen vieler Pflanzen  vor allem, wenn es sich um rezessiv vererbte Merkmale handelt.

Die Behandlung von Pflanzen im Vorblütenstadium mit Gibberellinsäure kann bei zweihäusigen Pflanzen zur Bildung von Staubgefäßen (Stamina) führen. Stecklinge einer weiblichen Pflanze beginnen darauf männliche Blüten auszutreiben. Sobald der Pollen reif ist, wird die Elternpflanze damit bestäubt. Ihre größtenteils weiblichen Nachkommen werden dann zur weiteren Samenproduktion eingesetzt. Es ist auch möglich, eine weibliche Pflanze durch starken Stress zur Bildung männlicher Blüten anzuregen. Lange Trockenperioden oder sehr kurze Lichtzyklen (maximal sechs Stunden Licht pro Tag) sind dazu ebenso geeignet wie starkes Beschneiden (auf 25 Prozent der Größe). Am besten, es werden zwei Methoden kombiniert.

Einfacher ist es, zwei Merkmale aus zwei reinerbigen Sorten zu kombinieren. Man kreuzt je eine Pflanze beider Sorten und dann die Nachkommen untereinander. In der 2. Generation tauchen Pflanzen auf, die in Bezug auf beide Merkmale reinerbig sind. Allerdings können andere Merkmale dabei verloren gehen. Um mehrere Merkmale beider Sorten zu erhalten, müssen in der F2-Generation sehr viele Pflanzen aufgezogen und dann diejenigen, die alle gewünschten Merkmale enthalten, ausgewählt werden, um sie weiter zu kreuzen.

In der Praxis stellte sich heraus, dass meist nur eine männliche Pflanze benötigt wird, um damit mehrere weibliche zu bestäuben. Wenn jedoch mehrere benötigt werden, da viele verschiedene Sorten auf einmal gekreuzt werden sollen, werden sie streng getrennt von den weiblichen aufgezogen, um unkontrollierte Bestäubungen zu vermeiden. Der Pollen ist so winzig, dass er selbst durch feinste Ritzen passt. Vielen genügt es aber dennoch, wenn die Pflanzen in zwei getrennten Räumen aufgezogen werden. Wird jedoch eine männliche Pflanze bei den weiblichen aufgezogen, müssen die reifen Blütentriebe abgeschnitten werden, solange die weiblichen Pflanzen noch nicht genügend Blütenkelche gebildet haben, sonst stellen sie das Wachstum ein. Viele Profis legen auch ein Züchterbuch an, in dem festgehalten wird, welche Sorten miteinander gekreuzt wurden. So behalten sie später die Übersicht über die verschiedenen Sorten und ihren Stammbaum.

Die Auswahl der Pflanzen sollte sorgfältig erfolgen. In der Regel wählt man Pflanzen, die zuerst blühen, die größte Verzweigung aufweisen und rundum gesund wirken. Zur Bestäubung genügt es, ein paar reife männliche Blüten über den weiblichen auszuschütteln. Wer es professionell angehen will, sammelt den Pollen und trägt ihn mit einem Pinsel auf. Die Blüten werden markiert, damit man später weiß, welche Pflanzen miteinander gekreuzt wurden.

Auch in der Marijuana-Produktion können jeweils ein oder zwei der unteren Triebe jeder Pflanze bestäubt werden. So erhält man neben der Ernte auch gleich ein paar Samen fürs nächste Mal und verhindert mögliche Zwitterbildung in der späten Blüte. Im Prinzip reicht es auch, lediglich eine männliche Pflanze zu ziehen und damit alle weiblichen zu bestäuben, wenn es von jeder Sorte eine weibliche Pflanze gibt.

Jedem, der sich tiefer mit dem Thema beschäftigen will empfehle ich das Buch „Hanf“ von Robert Connell Clarke. Darin wird der Anbau von Hanf anschaulich erklärt und speziell auf die Sortenzucht Rücksicht genommen.

Mit freundlichen Grüßen
Das Guerilla Growing-Team



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