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Götz Widmann im Interview mit dem Hanf Journal
Götz Widmann hatte viel „Zeit“ und brachte daher seine neue CD genau zu diesem Thema raus. Nachdem Werner ihm anständig zu seinem Geburtstag gratulierte und Götz dann doch Kondensmilch zum Kaffee nehmen musste, konnte das Interview starten.
Publiziert am: 02.12.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 04dez artikel „Ich schieß mich immer noch sehr gerne weg“ Götz Widmann im Interview mit dem Hanf Journal
Hanf Journal: Das ist nun dein drittes Album nach Kleinti und es ist schon ein bisschen melancholisch, mit einem trockenen Humor geworden. Entspricht das gerade deiner Zeit?

Götz Widmann: Man kann jetzt nicht sagen, dass es mir melancholischer geht als früher, im Gegenteil mir geht’s eigentlich besser. Ich fühl mich superwohl in meiner Haut. Aber trotzdem sind diese melancholischen Lieder aus mir rausgekommen. Und da ich die liebe, ist es ein Luxus, solche Lieder rauszubringen, weil ich das Gefühl hab, es gibt genügend Leute, die mir zuhören, die mir die Aufmerksamkeit schenken, sich diese Lieder vielleicht auch zwei- oder dreimal anzuhören, um ihren Wert zu erkennen. Mit so einer Platte kann man garantiert nicht anfangen als Musiker, weil dann will das keiner hören. Ich glaub die Leute wollen lieber unterhalten werden, zum Lachen gebracht werden. Aber da ich nun schon eine gewisse größere Aufmerksamkeit genieße, bin ich mal das Wagnis eingegangen, den Leuten ein melancholisches Album von mir zuzumuten und nicht immer nur lustig zu sein. Jetzt guck’ ich mal, was dabei rauskommt.

Hanf Journal: Muss man nicht gerade als Liedermacher sehr viel von sich selbst preisgeben?

Götz Widmann: Das muss man auf jeden Fall, wobei man als Außenstehender das meist überschätzt, es ist nicht alles wahr, was da gesungen wird. Bei mir ist es  um es mit Charles Bukowski auszudrücken  „Fiction“, das heißt, ich nehm’ die Wahrheit und erfind’ was dazu, damit’s ne gute Geschichte wird.

Hanf Journal: Wir müssen also nicht befürchten, dass du tagelang nüchtern warst.

Götz Widmann: Das hat’s schon gegeben (lacht) und ich genieß’ den Zustand auch. Man hat dann so eine kristalline Klarheit und kriegt so schrecklich viel geregelt. Ich krieg’ dann manchmal Angst vor mir selber. Irgendwann fang’ ich mich aber dann an zu langweilen, weil alles zu einfach ist, und dann steig ich wieder in den anderen Film ein.

Hanf Journal: Gibt es Polizeipräsenz auf deinen Konzerten?

Götz Widmann: Also ich bin mir ganz sicher, dass es schon Polizeipräsenz bei meinen Konzerten gegeben hat. Vor allem in südlichen Bundesländern sind es dann die Herren, die an irgendwelchen Tischen sitzen, Weizenbier trinken, selbst da wo’s wirklich lustig ist, nicht lachen und dann irgendwann bei den melancholischen Balladen einschlafen. Man erkennt die sofort. Es ist rausgeschmissenes Geld vom Steuerzahler, dass die kommen, weil es finden ja eh nur Kleinstdelikte statt. Die können dann vielleicht irgendjemanden, der einen Joint raucht, hochnehmen, aber das ist auch echt alles, was sie an diesem Abend bewirken können und ich ärger’ mich immer, wenn die kommen, weil an dem Abend wird dann für deren Einsatz mehr ausgegeben als ich mit meiner Veranstaltung überhaupt an Geld umsetze und das ist vollkommen nutzlos.

Hanf Journal: Wie erklärst du es dir, dass auf einen Hans Söllner eine viel stärkere Hetzjagd vollzogen wird als auf dich?

Götz Widmann: Das liegt an der Frisur, die der früher hatte. Der sieht einfach auch noch so aus, dass sie ihn zum Feindbild machen können. Und er hat in einem anderen Bundesland angefangen, wo man mit viel weniger Rebellion schon ein Rebell wird. Und früher angefangen. Mittlerweile haben die bestimmt schon aus dem Beispiel Söllner gelernt, dass man solche Menschen größer macht, wenn man ihnen solche Publicity-Möglichkeiten gibt.

Werner Graf: Im Lied „Grimms Märchen“ behauptest du, wegen den Märchen angefangen zu haben Drogen zu nehmen. Aber tatsächlich ist es so, dass immer jüngere . . .

Götz Widmann: Darin seh ich auch ein großes Problem. Dazu kommt, dass das auch wirklich stärker ist als früher. Also es macht einen breiter. Ich find’ irgendwie die psychedelische Wirkung hat nachgelassen. Man ist sofort irgendwie – das ist jetzt nur meine subjektive Wahrnehmung – weggeschossen. Und das find’ ich ein bisschen schade, weil beim Züchten in den letzten Jahren nur auf den THC-Wert geachtet worden ist und auf die ganzen anderen Sachen, die auch so einen Hanf-Rausch ausmachen, weniger. Um wirklich gut drauf zu sein, muss man jetzt schon einen Cocktail rauchen. Also Afghane und Gras oder so. Was war nochmals deine Frage?

Hanf Journal: Du warst ja auch mit Howard Marks on Tour, wie war das?

Götz Widmann: Ich war ja jetzt schon das dritte Mal mit Howard auf Tour und mittlerweile hat sich da, glaub ich, eine Freundschaft entwickelt. Wir mögen uns gegenseitig. Howard kann ein sehr anstrengender Mensch sein und mittlerweile haben wir einen Korridor gefunden, in dem wir beide einfach wunderbar nebeneinander existieren können. Jeder macht sein eigenes Ding und keiner stresst den anderen. Diese Idealisierung von Howard ist ja ziemlich bescheuert! Das sind ja auch so Leute, die ihn so was von eindimensional verehren. Howard bleibt zwar immer freundlich, aber in Wirklichkeit langweilt’s den auch, glaub ich zumindest. Es ist gut zu beobachten, wie der damit umgeht. Howard sieht sich ja mittlerweile mehr als Entertainer denn als Kiffer-Kult-Figur. Und das ist er auch. Er ist lockerer geworden in den letzten Jahren – er war dieses Jahr so gut wie nie zuvor.

Hanf Journal: Das mit dem Problem bei den Jugendlichen.

Götz Widmann: Ich seh’ das auch. Und es wird von der Gegenseite immer als Argument benutzt, die Maßnahmen immer restriktiver zu gestalten. Und meiner Meinung nach ist das genau der falsch Weg, darauf zu reagieren. Wir brauchen eine aufgeklärte, auch präventive, legale Art und Weise damit umzugehen, die natürlich den Jugendlichen einen gewissen Schutz gewährt. Ich glaube, ein Händler der Angst hat, seine Lizenz zu verlieren, hat viel mehr Probleme damit, einem 14-Jährigen Dope zu verkaufen als irgendein Dealer, dem’s sowieso scheißegal ist, weil wenn der erwischt wird, is’ er eh dran.

Hanf Journal: Wie schätzt du derzeit die Legalisierungsbewegung ein?

Götz Widmann: Für mich ist das immer ein bisschen mit der Qualität meines letzten Auftritts auf der Hanfparade verbunden und mein letzter Auftritt war ’ne Peinlichkeit. Aber insgesamt betrachtet muss ich sagen, dass es ermüdend sein muss, all die Jahre immer wieder die gleichen richtigen Argumente vor sich hinbeten zu müssen und trotzdem irgendwie kaum Erfolg zu haben. Ich bewundere die Leute, die da immer wieder weiter machen und ich hab’ Sekunden, in denen ich das Gefühl hab’, mich zu viel zu wiederholen. Da sucht man dann nach irgendwelchen neuen Ideen und merkt, die alten sind ja eigentlich richtig, wir können sie nur nicht durchsetzen, weil wir keine Mehrheit erreichen. In Wirklichkeit sind wir aber viele, da müsste nur, wie soll man sagen, Lobbyarbeit gemacht werden. Die müsste aber von der Basis kommen und ich weiß im Moment auch nicht genau, wie das geht. Die Hanfparade ist ein guter Ansatz – leider kommen da jedes Jahr ein paar weniger – is’ aber auch verständlich, weil’s jedes Jahr im Grunde das Gleiche ist. Richtig gute Reize kann man auch nicht bieten, weil die alten Argumente einfach in Ordnung sind und die stimmen einfach. Vielleicht muss man ein bisschen mehr auf die Tatsache, wie viel das kostet, dass Cannabis illegal ist, eingehen. Die Patentlösung, wie man Cannabis morgen legalisiert bekommt, hab’ ich auch nicht. Man darf halt nicht aufhören, zu nerven.

Werner Graf: Was ist so deine Botschaft an die Kiffer dieser Welt?

Götz Widmann: Das man nicht unbedingt jeden Tag stoned sein muss. Das es auch super gut is’, wenn man zwischendurch wieder zu klarem Verstand kommt, dass Wegschießen nicht die Lösung für die Probleme ist – obwohl es ab und zu geil ist, ich schieß mich immer noch sehr gerne weg. Aber man muss zwischendurch auch mal den eiskalten nüchternen Blick auf sich selbst entwickeln und gucken, ob einem das gefällt. Wenn man feststellt, es gefällt einem nicht, dann muss man, anstatt sich wieder in den glücklichen Zustand abzuschießen, versuchen was zu verändern.
Meine Botschaft, ich hab noch nie eine Botschaft gehabt, aber jetzt.

Das Interview führte Werner Graf
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