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Schweden - Land der tödlichen Drogenpolitik
Seit 1988 ist High-Sein in Schweden praktisch illegal. Und das war nur der Anfang. Nach 16 Jahren stetig verstärkter Repression ist die Atmosphäre im Nachtleben dieses nordischen Landes kalt, steif und angespannt. Seine Arme ein bisschen zuviel zu bewegen, kann für die Polizei schon Grund genug sein, dich mitzunehmen. Das totale Gegenteil des Propaganda-Spruchs „Schweden ist fantastisch“. Wobei es schon fantastisch ist, wie weit sich die Fangarme der Repression schon ausgebreitet haben . . . und dabei Selbstdarstellung und Freiheit einschnüren.
Publiziert am: 03.12.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 04dez artikel Repressives Schweden

Ich bin Kevin Zaar, ein schwedischer Dokumentarfilmer im Exil. Zur Zeit filmen wir Schweden, die genug hatten von moralischer Panikmache und Repression. Ja! Schweden im Exil . . . Flüchtlinge eines Krieges. Des Kriegs gegen die Drogen. Eine solche Flucht ist verbreiteter, als man vielleicht denken mag. Seit Göran Persson Premierminister wurde, haben 280.000 Schweden (entsprechend dem statistischen Zentralbüro) dieses erstaunlich schöne Land verlassen. Das sind so viele, wie Schwedens drittgrößte Stadt Malmö an Einwohnern hat. Und das muss auf etwas zurückzuführen sein!

Nicht nur, dass die armen Schweden zurzeit mit den dunklen, kalten Wintern zurechtkommen müssen . . . Sie stehen auch einem, ohne nachzudenken aus den USA importierten, Krieg gegen die Drogen gegenüber, genauso wie einer Null-Toleranz-Haltung, wenn es zu irgendeinem Vergehen  vom Kauf von Sex (potenziell sechs Monate Knast), über das Pissen in einen Busch, Straßenfeste bis zum „zu zweit auf einem Fahrrad fahren“  kommt.

Hier sind einige Punkte, die zeigen, wie Repression aussehen kann, wenn sie in ein ansonsten so neutrales Land wie Schweden importiert wird:

1. Es ist illegal high zu sein und irgendein Zeichen von Drogenkonsum reicht der Polizei oder den Wachleuten in einem Club, um dich über Nacht ins Gefängnis zu stecken.

2. DJs, die ihre eigene Musik spielen, wurden gezwungen kein Trance oder Techno mehr zu spielen, weil das als „Drogenmusik“ gilt.

3. 1996 wurde eine spezielle Polizeieinheit, genannt die Rave-Kommission, geformt, die speziell auf die Rave-Szene abgestellt war. Sie ist bekannt dafür Regeln zu brechen, wenn es gilt, einen Drogennutzer festzunehmen. Für sie ist es mehr ein moralischer Kreuzzug.

4. Ein Redakteur einer Zeitung fand einmal ein geheimes Notizheft der Rave-Kommission. Raver wurden darin Rave-Ratten und Nigger genannt. Das zeigt klar ihre Perspektive.

5. Und Raver, die an Berlins politischer Musikkundgebung der Love Parade teilnehmen, wurden dort ausspioniert. Ja! Du hast richtig gehört. Schwedische Jugendliche im Zug zur Love Parade wurden von der geheimen Anti-Rave-Anti-Drogen-Polizei, für gewöhnlich „Die Rave-Kommission“ genannt, überwacht und verfolgt.

6. Der Sozialminister stellte den Antrag, alle Bars/Clubs um ein Uhr zu schließen. Warum? Weil Leute, die später ausgehen, ein „verdächtiges Verhalten“ haben.

7. Der schwedische Drogenkoordinator Björn Fries beantragte kürzlich, jungen Leuten den Ausweis abzunehmen, wenn THC in ihrem Blut gefunden wird. Und nicht nur den Pass. Ebenso das Handy und den Roller, um ihnen eine extraharte Strafe zukommen zu lassen.

8. Zeitschriftenläden, die das „High Times Cannabis Magazin“ führen, wurden von der Polizei bedroht. Wenn sie nicht länger die „High Times“, dafür aber Zigarren, Wein und Waffenmagazine führen, ist es ok.

9. Eine Person, die eine NGO zur Aufklärung der Leute über die Rechte Drogen Gebrauchender gründete, wurde vor kurzem eingesperrt, weil sie vier Päckchen THC-freien Knasterhanf über ihren psychedelischen Bücherladen im Internet verkauft hat. Der Staat verweigerte einen THC-Test und verurteilte sie zu mehr als sechs Monaten Knast.

Und das ist nur die Spitze des Eisbergs der repressiven Details – die alle Schweden weniger farbenfroh und spontan machen als ihre europäischen Brüder und Schwestern.

Das schwedische Modell der drogenfreien Gesellschaft fällt in sich zusammen.

Nach einem wissenschaftlichen Bericht der EMCDAA (Europäisches Beobachtungszentrum für Drogen und Drogenabhängigkeit) liegt die Zahl der mit Drogen in Beziehung stehenden Todesfälle pro 100.000 Bewohner

In Holland bei etwa 0,8 (1995)
In Deutschland bei etwa 1,6 (1997)
In Schweden bei etwa 3,6 (1996)

Der schwedische Fernsehsender SVT gibt an, dass die Zahl der Todesfälle durch Überdosen von 99 (1995) auf erschütternde 413 (2003) gestiegen ist. Die Stadt Gothenburg wurde besonders hart getroffen. Dort sprang die Zahl der Drogentoten von einem (1995) auf 53 (2003).

Wie kommt Schweden, ein neutrales Land in der Mitte vom Nirgendwo, dazu, amerikanische Null-Toleranz-Kriegsführung gegen seine eigenen Bürger zu übernehmen? Einen importierten US-Krieg gegen die Drogen . . . Einen Krieg, der ohne einen zweiten Gedanken zu verschwenden in ein so genanntes „neutrales Land“ importiert wurde und auf die eigenen Bürger ausgerichtet wurde. Wie kann das sein? Und wie kommt es, dass die Durchführung und die Jagd auf die User so verheerende Auswirkungen hat?

Ein weiterer Effekt dieser modernen Inquisition ist, dass die moralische Panik so weit fortgeschritten ist, dass niemand diesen staatlich-moralischen Kreuzzug gegen die Bösewichte in Frage zu stellen wagt.
Der sozialdemokratische Sprecher in Drogenfragen und kriminal- und drogenpolitische Berater des Premierministers, das Parlamentsmitglied Widar Andersson, kann, ohne irgendeine politische Kritik hinnehmen zu müssen, sagen: „Die Meinungsfreiheit sollte für diejenigen beschränkt werden, die offen oder heimlich Drogenpropaganda verbreiten.“

Individualität wurde in Schweden nie wirklich akzeptiert. Normal zu sein war immer das höchste Ziel der Menschen. Und die Angst vor dem unnormalen und andersartigen Menschen kreiert oft faschistisches Verhalten, das in politisch korrekter Verkleidung daherkommt.

Heutzutage werden Personen mit Dreads, Raver-Klamotten oder anarchistischem Aussehen ständig angehalten und drangsaliert. Menschen, die zu diesen Gruppen gehören, werden in Schweden wie Aussätzige behandelt. Jeder, der illegale Drogen benutzt, wird eventuell vom Staat gejagt. Vielleicht ist das der Grund, warum Schweden dreifach höhere Todesraten für Schwerstabhängige hat als Holland?

Die Polizei in Schweden hat sogar eine Liste illegaler Bewegungsabläufe. Wenn du deine Arme wie beim Trance-tanzen bewegst, nimmt die Polizei dich vielleicht mit und du endest im Knast. Genauso, wenn du Kaugummi kaust. Auch das kann ein Zeichen für die Polizei sein.

Die Zahl der Schweden bis 35, die sich psychologisch unausgeglichen fühlen, stieg laut der Zeitung „Aftonbladet“ in den letzten fünf Jahren um 751 Prozent.

Der schwedische Staat hat international Beachtung gefunden für seine Praxis, bis zum Jahr 1976 mehr als 60.000 Menschen, die als unnormal gebrandmarkt wurden, zu sterilisieren und lobotomisieren (ein Verfahren, bei dem durch ein Loch im Kopf Gehirnmasse zerstört wird). Der Staat weigert sich, Reparationszahlungen an die Opfer zu leisten und behauptet, nichts falsch gemacht zu haben.

Staaten, die ihre eigenen Bürger terrorisieren sind Terroristen! Immer mehr Menschen scheinen sich bewusst zu werden, dass das heutige Schweden nur ein Versuchsfeld für von Alabama inspirierte heilige Repressionen ist.

Es ist ein faschistischer Polizeistaat mit einer speziellen Anti-Rave-Anti-Drogen-Einheit die von einigen schwedischen Medien „die einzige kulturelle Polizei des Westens“ genannt wird. Ein Land, in dem Drogennutzer in einer Vielzahl von Fällen von der Polizei totgeprügelt wurden. Ein Land, das von Amnesty International für sein Fehlverhalten verwarnt wurde.

Ein berühmter Fall ist der von Osmo Vallo. Zeugen zufolge wurde er von der Polizei hart in den Rücken getreten. Der brach und er starb kurz darauf. Die Tageszeitung „Dagens Nyheter“ gab am 13.3.2000 an, dass mindestens 17 weitere Fälle plötzlichen Todes im Polizeigewahrsam von den Autoritäten verschleiert werden.

Also passt auf, wenn ihr nach Schweden kommt. Es sind nicht nur die Elche, vor denen man auf der Hut sein muss . . .
Kevin Zaar
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