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Klüger werden mit dem Hanf Journal  Dr. med. Franjo Grotenhermen klärt auf
Kann es sein, dass mein Haschisch gestreckt ist?
Publiziert am: 02.12.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 04dez artikel Kann es sein, dass mein Haschisch gestreckt ist?
Cannabis-Produkte können wie andere pflanzliche Produkte auch durch potenziell gefährliche Substanzen verunreinigt sein. Diese Verunreinigungen können natürliche Verunreinigungen, wie zum Beispiel Schimmelpilze und Schwermetalle, oder künstliche Verunreinigungen, wie zum Beispiel Streckmittel, sein.

In diesem Beitrag soll es um künstliche Verunreinigungen gehen, da die natürlichen Verunreinigungen vom Konsumenten im Allgemeinen leichter kontrollierbar sind. Eine starke Verunreinigung mit Bakterien oder Schimmelpilzen kann meistens am Geruch oder Aussehen des Pflanzenproduktes erkannt werden. Eine natürliche Verunreinigung mit Schwermetallen spielt eine eher untergeordnete Rolle und kann auftreten, wenn Cannabis auf mit Schwermetallen vergifteten Böden gezogen wurde. So gibt es beispielsweise einen wissenschaftlichen Artikel aus dem Jahre 1988, der von einer Anhäufung von Quecksilber in Cannabis aus Hawaii berichtet.

Zu den künstlichen Verunreinigungen zählen neben Streckmitteln für Marijuana und Haschisch vor allem Reste von Chemikalien, die beim Anbau verwendet wurden. So wird Cannabis von professionellen Anbauern häufig gegen Befall von Schädlingen, zur Vorbeugung von Pflanzenerkrankungen und zur Wachstumsförderung mit unterschiedlichen, zum Teil giftigen, Substanzen gespritzt. Der biologische Anbau spielt bei einem auf kommerziellen Gewinn ausgerichteten Anbau nach meiner Kenntnis eine untergeordnete Rolle.

Nach Büchern für den Cannabis-Anbau wird eine breite Palette an Insektiziden und Fungiziden, darunter Acephat, Aldicarb, Carbaryl, Diazinon, Malathion, Maneb, Parathion und Zineb verwendet. So empfahl der bekannte Autor Ed Rosenthal in einem seiner Bücher, Cannabis-Pflanzen mit einem Baumpflegemittel zu besprühen, mit Wilt-Pruf®, das Spinnmilben erstickt. Wilt-Pruf® ist Polyvinylcholrid, kein wünschenswertes Produkt für den menschlichen Konsum.

Von eher historischem Interesse ist die Besprühung von Cannabis mit Herbiziden wie Paraquat und Glyphosat durch die amerikanische Polizei. Durch diese Maßnahme sollten die angebauten Pflanzen unbrauchbar gemacht werden, gelangten jedoch häufig dennoch auf den illegalen Markt. Dieses Problem erreichte 1978 seinen Höhepunkt, als 21 Prozent des Marijuana aus dem Südwesten der USA mit Paraquat verunreinigt war, wie es in einem wissenschaftlichen Beitrag in einer Zeitschrift für das öffentliche Gesundheitswesen aus den 80er-Jahren heißt.

Es wurde zudem berichtet, dass Drogendealer Cannabis mit Insektiziden wie Black Flag oder Raid behandeln, um die berauschende Wirkung zu steigern. Diese Berichte beschränken sich allerdings auf die Populärpresse und wurden nicht in wissenschaftlichen Zeitschriften dokumentiert. Es wurden allerdings vereinzelt Verunreinigungen mit Einbalsamierungsflüssigkeit (Formaldehyd in Methanol) beschrieben. Formaldehyd verstärkt angeblich die psychischen Wirkungen von Cannabis oder dient als Trägermittel zur Verfälschung von Marijuana mit anderen Substanzen wie Phencyclidin (PCP).

Drogendealer können absichtlich Cannabis mit psychotropen Substanzen versehen. Dieses Verhalten gehört jedoch weitgehend der Vergangenheit an. So wurde in einer medizinischen Zeitschrift aus dem Jahre 1857 von der Analyse einer Haschisch-Probe berichtet, die etwa 25 Prozent Opium und Kampfer enthielt. Historisch wurde Cannabis vor allem mit Tabak und Betelnuss, mit Blättern von Fingerhut, Bilsenkraut und Stechapfel (Datura) sowie mit pulverisierten Brechnuss-Samen (Nux vomica) gemischt. Im Jahre 1972 analysierten amerikanische Wissenschaftler nahezu 8.000 Marijuana-Proben. In absteigender Häufigkeit des Auftretens fanden sich Tabak, Phencyclidin, Heroin, Methamphetamine, Petersilie, LSD, Oregano, Tee, Opium, Alfalfa, Peyote, Meskalin, Belladonna, Schierling, Fingerkraut, wilde Rübe, Kamille, Thymian, Stramonium und Beifuß. Auf dem heutigen Schwarzmarkt kann Marijuana mit Streckmitteln wie Hopfen, Brennnesseln oder Oregano zur Erhöhung des Gewichts versetzt sein. Nach Robert Clarke (in seinem Buch „Haschisch“) umfassen heutige Streckmittel für Haschisch Kerzenwachs, Pflanzenfett, Butter, Hennapulver und pulvrigen Sand.

Da eine staatliche Qualitätskontrolle bisher nicht in Sicht ist, sind vertrauenswürdige Quellen und der Eigenanbau sichere Maßnahmen zur Vermeidung künstlicher Verunreinigungen. Abschließend sei angemerkt, dass einige Politiker die medizinische Verwendung von Marijuana mit dem Argument ablehnen, es könne von Dealern mit schädlichen Substanzen vermischt sein. Mit der Legalisierung der medizinischen Verwendung würde diese Gefahr für die Patienten allerdings sofort verschwinden, da allein das Verbot die Ursache für ihre Existenz ist.
Dr. med. Franjo Grotenhermen
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