Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*
  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

- anderswo
*
Versenden: Artikel drucken Bild Druckversion
Palmen, Weed und Kokablätter
Auf Tour durch Argentinien
Publiziert am: 27.01.05 - Medienformen: Medienform Text


6 Uhr morgens. Flughafen Buenos Aires. Ich sitze völlig übernächtigt gegenüber der Geldwechselstube. Noch keine Spanischkenntnisse. Die kalte Atmosphäre der Flughafenhalle drängt mich nach draußen. Verwirrt packe ich meinen Rucksack und gehe aus dem Gebäude. Mir steigt ein Geruch von Sonne und Südamerika in die Nase und ein Wohlgefühl durchläuft meinen Körper. Die Luft ist wärmer und ich sehe die erste Palme. Mir kommt ein Mann entgegen, latino, schmuddelig, und drängt mich in sein Taxi. Mühevoll entreiße ich mich seinen Klauen. Unzählige Geschichten im Reiseführer über die hinterhältigen Taxifahrer am Flughafen nötigen mich dazu, den Bus ins Zentrum zu nehmen.  

Der Busfahrer lächelt mich freundlich an und will mir mein Gepäck abnehmen. Auf keinen Fall gebe ich meinen Rucksack ab. Ich nehme ihn zwischen die Füße. Nach 15 Minuten setzt sich der Bus mit noch vier weiteren Touristen in Bewegung. Die Busfahrt führt mich vorbei an den äußersten Randgebieten von Buenos Aires, Slums. Das also ist Buenos Aires.
Wir fahren auf einer dreispurigen Straße. Gelegentlich überholt uns ein Pick-Up mit vielen Kindern auf der Pritsche. Kilometer für Kilometer nehmen die Stockwerke der Häuser zu. Im Zentrum überschlagen sich meine Eindrücke. Ein riesiger gläserner Microsoft-Turm, pulsierendes Leben, Dieselbusse preschen an mir vorbei. 

Am Bus-Terminal angekommen, weiß ich nicht wohin. Mindestens 100 Plattformen. Jede Minute kommen und gehen Reisebusse in alle möglichen Richtungen des Landes. Menschenmengen und Stimmengewirr lassen mich klein und nichtig erscheinen. Diese Sprache soll ich lernen?

In zwölf Stunden geht mein Bus nach Cordoba. Ich kann also den ganzen Tag durch die Metropole schlendern.
Erstmal trinke ich einen Kaffee. Es ist warm, die Leute reden eine andere Sprache.Aber wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich auch in London sitzen.

Eine Vielzahl unterschiedlichster Hautfarben bahnt sich den Weg durch die Innenstadt. In der Fußgängerzone wundere ich mich über die Bankfilialen, die alle mit starken Eisenplatten gesichert sind. Ich höre Klopfgeräusche und Geschrei. Ein paar kauzige alte Männer und Frauen stehen davor und schreien „ladron“ (Dieb) und klopfen mit kleinen Hämmerchen die ganze Zeit gegen die Platten, die schon komplett verdellt sind. Demonstrationen gegen die Regierung, die Banken und die Resultate der Wirtschaftskrise.

Auf den Straßen bieten die Verkäufer Socken, Batterien, Parfüms und anderes Zeugs an. Mein Weg führt mich durch Häuserschluchten in Richtung „La Boca“. Hafenviertel. Dort erstrahlen die Häuser in bunten Farben. Künstler stellen ihre Bilder auf der Straße aus. Das Fußballstadion von Boca Juniors liegt auf meinem Weg, der Verein, in dem Maradona groß geworden ist. Musik ertönt. Ich folge den Klängen und treffe auf einen kleinen Platz, auf dem Pärchen Tango tanzen. Elegant und gleichzeitig melancholisch anzusehen.

Die zwölf Stunden sind fast um. Ich muss zurück zum Bus-Terminal. Der Bus nach Cordoba ist luxuriös. Mit Fernseher und sehr gemütlichen Sitzen. Ich lehne mich zurück, der Film beginnt und irgendwann schlafe ich ein.

Morgens um acht. Cordoba. Total verschlafen steige ich aus dem Bus. Erstmal in ein Hotel. Das billigste rausgesucht und hin. Hotel „Helvetia“. Eine weiße Fassade mit kleinen Balkonen. Es gibt einen großen Innenhof. Ich bin froh, als ich auf meinem Zimmer liege und mich endlich nach 48 Stunden entspannen kann. Der Ventilator an der Decke läuft.

Am ersten Tag mache ich die Bekanntschaft von Nicolas. Nicolas ist 25, Latino, sympathisch. Seine Freundin Valentina macht einen verrückten Eindruck. Im Radio laüft Musik. Wir unterhalten uns etwas auf englisch. Zur Sicherheit habe ich mir noch einen kleinen Krümel Haschisch von Frankfurt mitgebracht. Diesen rauche ich mit Nicolas und Valentina.

Die beiden werden meine Weggefährten für die nächste Zeit. Ich bleibe erstmal im Hotel wohnen. Nicolas erzählt mir von sich. Er ist Dieb. Klaut Sonnenbrillen und Johnny Walker-Flaschen und verkauft sie weiter. Kaufe mir natürlich auch eine. Nicolas kann auch Marihuana organisieren. Alles klar. Ich gebe ihm Geld. Er kommt eine Stunde später wieder mit einem zusammengepressten Würfel, der eher an Katzenscheiße erinnert als an gutes Hollandgras. Nach dem ersten Test sagen mir meine ausgeprägten Sinne, dass es rauchbar ist. Und billig. 

Nach weiteren Wochen in dieser Stadt begegne ich zum ersten Mal dem weißen Gold Südamerikas. Nicolas hält mir abends in der Bar einen Schlüssel hin, auf dem sich ein kleiner weißer Pulverberg befindet. Tomalo! Naja, warum nicht, bin ja schließlich in Südamerika. Auf dem Weg in meine Nase fällt die Hälfte auf den Boden. Niemand kümmert sich wirklich darum. Es gibt ja noch genug. Warum auch. Ein Briefchen kostet zehn Pesos, was so circa drei Euro sind für ein dreiviertel Gramm. Damit lässt es sich leben. Natürlich gibt es auch Qualitätsunterschiede, aber das ist eher von den richtigen Verbindungen als vom Preis abhängig. 

In Kontakt mit der Rohform dieses Gewächses komme ich auf einem kurzen Trip in die nordwestliche Region Argentiniens. In den Provinzen, die an Bolivien und Chile grenzen, ist der Genuss von Koka-Blättern erlaubt. In jedem kleinen Geschäft werden die Blätter angeboten.
Ich kaufe mir dort also einen Beutel voller Kokablätter, nehme davon eine Hand voll in den Mund und zerkaue sie zu einem Brei. Dazu mische ich noch ein bißchen Kalk, damit sich das Alkaloid löst. Der Klumpen fühlt sich nicht gerade angenehm an, aber nach einer Stunde stellt sich ein leichtes Taubheitsgefühl in meiner Backe ein. In den Höhenregionen von 4500 Meter strengt mich jede kleine Bewegung ungemein an. Nachdem ich die Blätter lange genug im Mund behalten habe, komme ich mit der dünnen Luft besser zurecht. Die Kopfschmerzen nehmen ab und die Anstrengung eines kleinen Fußmarsches stecke ich nun leichter weg. So wie die Postboten in der Inka-Zeit, die dank der leistungssteigernden Wirkung des Koka lange Strecken durch das Land überwinden konnten.

Da ich auf der Rückfahrt nach Cordoba nochmal durch Grenzgebiet komme, muss ich die Blätter leider rechtzeitig entfernen und mich von nun an wieder mit der synthetischen Form begnügen.
Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
 Aktuelles HanfJournal
-