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"Keine Gnade für Hasch-Raucher"

Blinder Populismus in der “BILD“-Zeitung
Publiziert am: 27.01.05 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Martin Schwarzbeck
hanfjournal 05januar artikel Keine Gnade für Hasch-Raucher Blinder Populismus in der “BILD“-Zeitung
Markus Söder, Generalsekretär der CSU und Stoiber-Ziehsohn, veröffentlichte in der „BILD am Sonntag“ vom 5.12.2004 einen Kommentar mit dem Titel „Keine Gnade für Hasch-Raucher“.

Einmal abgesehen von dem mehr als populistischen Titel: Die „BILD“-Zeitung ist wahrlich nicht der Ort, an dem fachlich qualifizierte und differenzierte Meinungen in die Öffentlichkeit gebracht werden. Das weiß wahrscheinlich selbst Markus Söder. Dennoch hat er diesen Weg gewählt. Warum nur? Zum einen wohl, weil er auf diesem Weg seine Meinung (und nicht zu vergessen seinen Namen) in relativ viele Haushalte tragen kann. Zum anderen wohl sicher auch deshalb, weil kaum ein anderes Blatt einen solchen Schund drucken würde.

Harte Worte, aber wir stehen dazu. Denn dieser Kommentar ist nicht nur polemisch, unsachlich und undifferenziert, sondern sogar verfassungsfeindlich. Warum? Na, das wollen wir hier mal Punkt für Punkt klären.

„Entscheidend beigetragen zum massiven Anstieg der Zahl junger Drogenkonsumenten hat die Verharmlosung der Gefahren: Heutzutage dürfen Prominente locker über ihren Drogenkonsum in Talkshows plaudern.“ – Eine krasse Aussage, Herr Söder. Soll das etwa heißen, sie würden gerne die Meinungsfreiheit eingeschränkt sehen? Der Grund, warum solche Bekenntnisse heutzutage häufiger sind als noch vor 20 Jahren, ist das liberalere Klima. Die Dinge (und Taten) dürfen meist ohne großartige soziale und politische Ächtung beim Namen genannt werden. Dies ist die Basis für eine sinnvolle und offene Diskussion. Dies als moralisch verwerflich zu betrachten heißt, sich eine von Angst und Gewalt geprägte Atmosphäre zurück zu wünschen. Umso verwunderlicher ist diese Aussage, da doch die CSU es ist, die immer wieder wortgewaltig die Verherrlichung von Alkohol betreibt.

„Doch Experten warnen: Fast jeder Junkie hat mit Hasch oder Marihuana begonnen.“ Mutig, mutig, die seit 20 Jahren widerlegte Einstiegsdrogen-Theorie wieder aus ihrem Grab zu holen, obwohl sie 1994 selbst vom Bundesverfassungsgericht eindeutig verworfen wurde. Viel richtiger ist: Fast jeder Junkie hat mit Alkohol und Nikotin begonnen. Und beinahe 100 Prozent aller Heroin-Konsumenten haben in ihrer Jugendzeit Kaugummi gekaut. Verbietet doch den!

„Das Beispiel Holland hat gezeigt, dass die Legalisierung von Drogen der völlig falsche Weg ist.“ Wir vom Hanf Journal wüssten gern mal, auf welchem Weg es das gezeigt hat. Ganz sicher nicht anhand der Konsumentenzahlen oder der Summe der drogenbedingten Todesfälle. Beide liegen nämlich prozentual in den Niederlanden deutlich niedriger. (Zum Vergleich: 1995 gab es bei uns 22 Drogentote pro Million Einwohner. In Holland waren es drei (pro Million)).

„Sowohl beim Eigenkonsum als auch beim Handel mit Drogen muss wieder der Grundsatz „null Toleranz“ gelten. Das Betäubungsmittelgesetz muss schnellstens wieder verschärft und der Eigenverbrauch grundsätzlich verboten werden.“ Huiuiui, da fängt ja gleich jemand an zu weinen. Also, lieber Markus, beruhig’ dich erst mal wieder, dreimal tief durchatmen soll da helfen. Und jetzt gucken wir mal den Tatsachen ins Auge: Selbstschädigung (und das ist der Eigenverbrauch maximal) ist in unserem Rechtssystem nicht Gegenstand des Strafrechts. Der Konsum, egal welcher Substanz, ist grundsätzlich nicht strafbar! Und wird es auch niemals sein. Es ist quasi ein verfassungsmäßig verbrieftes Recht, sich selbst zu schädigen. Da können du und deine Freunde noch so sehr rumheulen.

Ganz herzallerliebst ist auch der Abschlusssatz: „Ausnahmen darf es nicht mehr geben  im Interesse unserer Kinder.“ Herr Söder, wenn Sie sich wirklich um das Wohl „unserer“ Kinder scheren, dann hören Sie auf zu hetzen und beginnen Sie, sich mit Argumenten auseinander zusetzen. Das kann nämlich Leben retten – von Kindern zum Beispiel.
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