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. . . und tschüss!

Unfassbar: Werner und Martin stoppen Arbeit beim Hanf Journal! Dass da das Hanf Journal sehr traurig ist, ist ja wohl klar! Und damit es nicht so viel weinen muss, gönnten Werner und Martin ihm noch ein letztes Interview.
Publiziert am: 16.02.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 05februar artikel . . . und tschüss
Hallo das ist ein Interview Hanf Journal: Hallo Martin, hallo Werner.


Martin und Werner: Tach, du Stück!


Hanf Journal: Ihr hört ja jetzt beide auf für mich zu arbeiten. Seid ihr traurig?


Werner: Na, wenn man nach drei Jahren als Chefredakteur bei einer Zeitung ausscheidet, ist man immer traurig. Schließlich war das ja ein zentrales Element in meinem Leben. Ist ja auch extrem viel passiert und man hat viele nette und vor allem durchgeknallte Menschen kennen gelernt, die ich alle sehr vermissen werde. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass die Kreativ-Abteilung des Hanf Journals in ihrer Endphase unschlagbar war.


Martin: Ja, das war schon ein klasse Job, so viele Freiheiten findet man wahrscheinlich so schnell nicht wieder. Aber so richtig unglücklich bin ich nicht, kann ein bisschen mehr Zeit zum Studieren grad schon gut brauchen.


Hanf Journal: Hört ihr dann auch auf zu kiffen?


Martin: (blickt erschrocken drein) Du spinnst wohl!


Hanf Journal: Was war der Artikel, bei dem ihr am meisten Spaß hattet?


Werner: Also am meisten Spaß machen eigentlich immer auch die witzigen Artikel, und da vor allem die Produkttests, die wir hin und wieder durchgeführt haben. Und dabei ist mein absolutes Highlight der Grindertest, da es schon cool war, in weißen Kitteln Grinder gegen die Wand zu schmeißen. Ansonsten fand ich noch die ganzen Artikel über die Verfassungsklage und die Vorgänge aus Bernau sehr gut, da wir da meist die besten Informationen und den umfassendsten Überblick hatten. Aber das lief eher in der Rubrik Qualität als unter Spaß.


Martin: Ja, zur Zeit vom Grindertest war ich das erste Mal im Hanf Journal-Büro und schon ein bisschen schockiert ob soviel Gewaltbereitschaft . . . Die armen Grinder. Also mein Lieblingsartikel war ja die Reihe „Das Hanf Journal-Wörterbuch für Drogensprachen“, wo wir den Kiffern erklärt haben, wie andere drogenbasierte Subkulturen kommunizieren. Das hat schon Riesenspaß gemacht. Witzig war auch die Zeit, als Schwarzenegger in den USA Wahlkampf gemacht hat. Was da alles für ein Scheiß zu Tage kam. . .


Hanf Journal: Was war eure skurillste Geschichte die ihr mit dem Hanf Journal erlebt habt?


Werner: Also die skurrilsten Geschichten erlebt man wahrscheinlich immer auf Messen. Man muss einfach sagen, dass die Hanf-Branche definitiv einen Knall hat. Ich glaube, soviel sympathische und dennoch verrückte Menschen trifft man sonst nicht noch einmal so schnell. Alle mit einem Fuß im Knast und mit dem anderen auf der Plantage . . .


Martin: Also ich war ja immer krass erstaunt darüber, wie viele Freaks sich so regelmäßig bei uns melden, uns anschreiben oder sogar besuchen. Da gibt’s eine enorm hohe Quote von Menschen, die einfach nur Aufmerksamkeit suchen und einen dann stundenlang mit ihrer Lebensgeschichte zutexten. Herausragendes Beispiel ist da der Mensch, der mir stundenlang erzählt hat, an was die Familie Rothschild allem schuld ist. Und was da für Sachen dabei waren . . . Wusstet ihr, dass die Rothschilds das Hanf verboten haben? Und eh auch die ganze Welt regieren? Ne, der war mir echt zu strange.


Hanf Journal: Was habt ihr denn jetzt überhaupt vor?


Martin: Also ich werde erstmal der wahrscheinlich professionellste Arbeitslose, den Deutschland zu bieten hat. Eine wahre Zierde unseres Volkes. Ich werde so gegen Mittag aufstehen, den ganzen Tag meine Jogginghose und Badelatschen tragen, zur Frühstückszeit anfangen zu kiffen und enorm viel fernsehen. Danach mach’ ich erst mal Urlaub und dann werd ich mich mal drum kümmern, wie’s weitergeht. Ein paar Projekte sind da schon in unseren Köpfen am Reifen – ihr werdet noch von uns hören!


Werner: Ich hab mir so gedacht, dass ich, da ich jetzt ja alle Argumente für eine Legalisierung kenne, ganz einfach zu „Bild“ gehen kann und von dort aus die Hanf-Szene niederschreiben werde. Die zahlen wenigstens gut – na zumindest hoff’ ich das! Na, um ehrlich zu sein, will ich versuchen weiterhin mit meinen journalistischen Fähigkeiten die Welt zu bereichern. Ich schreibe also gerne Texte, Artikel oder sonst was für euch, einfach an werner@cybergraf.de mailen – ich bin klasse, wirklich, jeder der mich nicht hat, hat was verpasst. Und alle, die mich zu sehr vermissen, können sich ja mal regelmäßig die Jungle World kaufen.



Hanf Journal: Muss die Legalisierungsbewegung jetzt völlig ohne euch auskommen?


Werner: Nee, natürlich net, ich werd ja auch erst mal für andere Zeitungen schreiben und um ehrlich zu sein, haben Martin und ich noch extrem Großes vor, über das wir aber leider, der Verträge wegen, noch nicht so laut reden dürfen. Wir retten euch, ihr könnt’ euch auf uns verlassen.


Martin: Ja, es gibt da schon Pläne. Und wenn das Hanf Journal will, dann gibt’s ja auch hin und wieder noch ’nen Artikel von uns. Aber um ehrlich zu sein, bin ich die Legalisierungs-Bewegung im Laufe der Zeit schon ein bisschen leid geworden. Ich stehe schon noch hinter der Sache. Aber leider gibt es in der Legalisierungs-Bewegung, wie auch im Rest der Welt, zuviel Engstirnigkeit.


Werner: Verräter!


Martin: Hey, ich hab doch Recht. Bestes Beispiel: Es kann doch echt nicht angehen, dass wir blöd angemacht werden, wenn wir unsere Legalisierungs-Forderung auch auf andere Drogen ausweiten und uns mit denen dann auch im Heft beschäftigen. Ne, ne, da gibt es so viele die sagen: „Gras ist super und unschädlich und was weiß ich noch alles, aber die andern Drogen, die sind böse, böse, böse.“ Das ist doch echt Unsinn. Wir brauchen halt ein generelles Umdenken und nicht nur eine weitere legale Droge. Was mich auch nervt, sind all die Klischees und wie gern denen die Leute entsprechen. Kiffer haben Dreadlocks und hören Reggae. Und wenn dann auf Veranstaltungen wie der Hanf Parade auch fleißig dieses Klischee erfüllt wird, dann wundert es mich nicht, dass die Menschen, die eben zufällig diese Musik nicht leiden können, da auch nicht hingehen. Kiffer-Deutschland ist doch viel abwechslungsreicher, als dieser Querschnitt zeigt . . . Wo stecken denn die?


Werner: Na, dass nicht alles perfekt ist, kann ich ja verstehen, dass man dem Endziel, der Legalisierung aller Drogen, leid wird, nicht! Aber macht euch keine Sorgen, dann rette ich euch eben alleine.


Hanf Journal: Was soll denn nun aus uns werden? Also vor allem mir?


Martin: Na, hoffentlich weiterhin ein genauso tolles Heft, wie du es bisher warst. Also ich wünsch dir alles Gute, das haut schon hin (solange du nicht tollkühn in Grund und Boden gewirtschaftet wirst, aber das wollen wir mal nicht hoffen).


Werner: Tja, ja. Komische Frage und ich kann da auch nicht wirklich darauf antworten, da ich ein ziemlich detailliertes Bild vor Augen habe, was eigentlich aus dir noch so werden sollte. Aber nach drei Jahren muss man auch einfach einmal akzeptieren, dass man nun seinen Stempel schon genug aufgedrückt hat und andere mal machen sollen. Ich hoffe nur sehr, dass das Hanf Journal weiterhin der politische Arm der Legalisierungs-Bewegung bleibt und nicht zu einem Buds-Porno-Heft oder zur reinen Musikecke verkommt.


Hanf Journal: Was wünscht ihr mir noch?


Martin: Ich wünsch mir, dass mich der Werner nicht immer falsch versteht. Ich hab doch gesagt, dass ich noch hinter der Sache stehe und dass mich eben diese Beschränkung auf Hanf nervt.


Hanf Journal: Was du mir wünschst, wollte ich wissen.


Martin: Ach so, ups. Na, ich wünsche dir, dass du noch ganz viele tolle Artikel von Werner und mir veröffentlichst und dafür enorme Summen zahlen kannst.


Werner: Außerdem wünsche ich dir, dass du die Ehre haben magst, jeden Monat einen dieser genialen, witzigen und überhaupt stilistisch perfekt angelegten grossstadtsurvivor bringen zu dürfen. Ach ja und geregelte Arbeitszeiten für die neue Redaktion, auf dass eure Firmensitzungen um neun Uhr beginnen und jeder, der zu spät kommt, putzen muss. Ich finde auch, dass nun endlich einmal Schluss sein muss mit dieser ewigen lockeren Stimmung bei euch. Jetzt heißt’s Butterbrot statt Schnitzelsemmel . . . viel Spaß.


Martin: (lacht sich erst mal schlapp) Und ich wünsche dir ein generelles Rauchverbot in deinen Geschäftsräumen. Schluss mit der bekifften Albernheit!


Werner: Ja ja, die Jungen verlassen das Schiff, nun kehrt die nüchterne Ernsthaftigkeit ein, äh . . . wie war das, ja genau: viel Spaß!


Hanf Journal: Wenn ihr drei Wünsche frei hättet, was würdet ihr euch wünschen?


Martin: Wie, hä, ham wir nich eben erst gewünscht? Ach so, du meinst jetzt so – was wir uns selber wünschen?


Hanf Journal: Leg doch lieber mal den Joint zu Seite und hör mir einfach zu, ja! Einmal nur noch, wir haben es ja bald geschafft! Ja du dir, also was!


Martin: Ja ja, ganz locker bleiben. Also ich wünsch . . . mir eine Insel. Jahu! Mit meinem eigenen Staat drauf. Boahh das wird ein Spaß. Werner, du darfst da dann auch wohnen, kannst du dir den ersten Wunsch schon mal sparen.


Werner: Toll, vor allem, weil ich ja einsame Inseln so mag, ich wünsch mir als zweiten Wunsch dann einfach Berlin auf die Insel drauf!


Martin: Aber ist schon noch unser Staat, mit unseren Regeln.


Werner: Und unseren Menschen, natürlich alles mein mein mein. Ach ja und als drittes bin ich mal so dreist und würde den Springer Verlag übernehmen . . . dann brauch ich nicht mehr so lange bis zu meinem Weltimperium.


Martin: Mhhhh. . . Und ich . . . – Ich hab keine Ahnung. Wenn Berlin auf ’ner einsamen Insel wäre und unsere Gesetze gelten würden, dann wär’ ich glaub ich wunschlos glücklich.


Hanf Journal: Glaubt ihr denn, ihr habt tatsächlich was bewirkt in der Zeit, in der ihr in mir gearbeitet habt?


Werner: Na irgendwas bewirkt man ja immer! Aber ich denke, du spielst so ein bissi auf das Politische an. Nun, außer in Berlin ist ja wirklich nirgends was Positives passiert. Aber ich denke, wir haben vor allem in Berlin Politikern deutlich gezeigt, dass es eine große Masse an Menschen gibt, denen dieses Thema am Herzen liegt. Und je öfter ein Journalist zu einem Thema im Abgeordnetenbüro anruft, desto wichtiger ist auch das Thema. So ein bissi was haben wir sicher erreicht und seien es nur die aufgeklärten Eltern, die regelmäßig bei uns anrufen und die ihre Kinder ein bisschen besser verstehen.


Martin: Ich seh das so ähnlich. Wenn wir nur in ein paar Köpfe ein paar kluge Gedanken gesetzt haben, dann hat es sich schon gelohnt.


Werner: Ja genau, und vielleicht wird der einzige Typ, der einen klugen Gedanken durch uns bekommen hat, auch irgendwann einmal Bundeskanzler und die Arbeit war mehr als nur effektiv!


Hanf Journal: Was nervt euch am meisten in der Drogenpolitik?


Martin: Diese Engstirnigkeit! Dass so wenige Menschen bereit sind, ihren Kopf mal für neue Argumente zu öffnen. Und dass es so viele gibt, die die alten Argumente einfach übernehmen ohne sie zu hinterfragen, bloß weil es die offiziellen sind. Etwas ist verboten, deshalb ist es böse, weil es böse ist, muss es verboten sein. Nur kritisches Denken befreit einen aus diesem ekelhaften Kreislauf. Und die Politiker nerven mal am allermeisten. Die meisten haben soviel Schiss um ihre Karriere, dass sie sich niemals trauen würden, wirklich innovative Politik zu machen. Und so zieht die alte Scheiße halt weiterhin ihre Bahnen.


Werner: In der Drogenpolitik nerven mich eigentlich zwei Punkte gleich stark. Der eine bezieht sich auf die Auswirkungen der aktuellen Drogenpolitik. Sei es, dass in Knästen keine Spritzen verteilt werden, sei es, dass es die Bundesregierung für toll findet, dass Ecstasy-Konsumenten nicht wissen können, ob in ihrer Pille Gift ist oder nicht oder sei es auch die Tatsache, dass HIV-positive Junkies von rund 80 Prozent der Ärzten nicht behandelt werden. Deutsche Politiker sehen bewusst zu, wie Abertausende von Menschen jährlich an den Folgen des Drogenverbotes sterben und reden dann scheinheilig von der Volksgesundheit. Das ist eigentlich Volksverhetzung, da im Prinzip ihre Gesetze die Menschen töten. Das muss man auch mal so deutlich sagen: Prohibitionisten sind Mörder!


Und der zweite Bereich, der mich auch noch sehr nervt, ist das Phänomen, dass jeder, der auch nur einmal an einem Joint gezogen hat, behauptet, er wäre ein Drogenexperte. Ich behaupte mal, es gibt nicht mehr als 30 Menschen in Deutschland, die sich umfassend mit der Drogenpolitik auskennen – und diese Zahl ist am Ende noch hochgeschätzt. Und gerade die Pseudoexperten schaden oft mehr als sie nutzen, denn auch falsche Risikowarnungen können gefährlich werden. Man sollte sich immer erst mal informieren, bevor man so tut, als ob man sich auskennen würde.


Hanf Journal: Wie sieht für euch die ideale Drogenpolitik aus?


Werner: Man kann alles, was man will, im Drogenfachgeschäft erwerben. Bekommt dazu noch eine kleine Aufklärung und Angaben, was in dem Produkt drin ist. Das ist schon fast alles. Dass Drogen konsumiert werden, kann der Staat nicht verhindern. Derzeit schafft er es nur, dass möglichst viele Menschen möglichst verschmutzten Stoff benutzen und das ist im Sinne der Volksgesundheit das schlimmste was passieren kann. Wenn ich grad so nachdenke, ich finde der „Kleine Joint“ aus unseren Bilderreihen wäre perfekt dazu geeignet, Aufklärungsarbeiten über Drogen zu präsentieren. Hallo Bundesministerium, hört ihr mich? Wollt ihr mich nicht doch einstellen?


Martin: Wegen mir könnte man das System auch noch nach Drogen differenzieren. Also für Heroin mehr Beratung einplanen als zum Beispiel für Kif.


Hanf Journal: Wollt ihr der Welt noch irgendetwas mit auf den Weg geben?


Martin: Ja, klar! Also ich grüße meine Mama, meinen Papa, meine Schwester, meine Freundin, meine Tante Hedwig aus Heilbronn, alle, die niemals Tanzkurs gemacht haben, alle Systemverweigerer, Steineschmeißer, Kiffer dieser Welt und alle, die mich lieb haben! Ach ja und ganz besonders herzhafte Grüße gehen an die Diddlmaus.


Hanf Journal: Echt, zum Glück seid ihr bald weg. Ich hab gefragt, ob ihr den Leuten noch was auf den Weg geben wollt, nicht ob ihr noch wen grüßen wollt.


Werner: Ja, ich würd’ noch gerne was mit auf den Weg geben: Kifft so viel wie ihr könnt, das macht euch klug und schlau! Außerdem danke ich noch allen, die mich so unterstützt haben, dass ich es bis hierher geschafft habe und sag zum Abschied nochmals leise Servus. Ach ja, hallo Mami, Papi, Oma, Onkel, Tante und alle Verwandten. Außerdem liebsten Dank an alle, die jemals was für das Hanf Journal geschrieben haben und besonders an Ines, Kathrin und Martin, die mich lange Zeit in der Redaktion unterstützt haben . . . heul . . . kreisch . . . wein . . .


Martin: Schluchz . . .

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