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Magic Mushrooms demnächst illegal

Der Bundesrat hat es endlich geschafft, eine Lücke zu schließen. Demnächst sind auch Pilze als Betäubungsmittel anzusehen.
Publiziert am: 10.03.05 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Kerstin Koch
Die Anlage I der betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften wurde folgendermaßen ergänzt: „. . . Organismen und Teile von Organismen, im bearbeitetem oder unbearbeitetem Zustand mit in dieser oder einer anderen Anlage aufgeführten Stoffen, sowie die zur Reproduktion oder Gewinnung dieser Organismen geeigneten biologischen Materialien, wenn ein Missbrauch zu Rauschzwecken vorgesehen ist“. Alles klar? Die Begründung: Durch die Neufassung wird die bisherige Aufzählung durch die allgemeine Bezeichnung „Organismen" ersetzt. Nach der bisherigen Formulierung war nämlich unklar, ob Pilze als Betäubungsmittel anzusehen sind, da sie in der neuen botanischen Literatur nicht mehr zum Pflanzenreich gezählt werden, sondern eine eigene Gruppe bilden. „Pilze, wie z. B. Psilocybe-Arten und deren Mycelien werden häufig missbräuchlich verwendet. Durch die Neuformulierung wird klargestellt, dass Pilze, sofern sie Stoffe enthalten, die in einer der Anlagen genannt sind, Betäubungsmittel sind.“ Und bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, Einzeller genetisch so zu verändern, dass sie wie Drogen wirken, haben sie den Begriff Zellkulturen gleich mit dem Begriff „biologische Materialien" ersetzt. Damit werden auch künftig Bakterien erfasst, falls diese missbräuchlich verwendet werden.
Dabei ist in keinster Weise erwiesen, dass psilocybinhaltige Pilze (Psilos) gesundheitsschädlich sind. Eines der Hauptargumente für das Verbot ist die Behauptung, dass Konsumenten ein hohes Risiko eingehen, schizophren oder wahnsinnig zu werden. „Und das ist schlichtweg falsch!“, so die Meinung von Dr. Joachim Eul und Dr. habil. Jochen Gartz, die als Bio- Chemiker und Mykologen wissen wovon sie reden. „Diese Pilze sind ungiftig und für eine tödliche Überdosis Psilocybin müsste man 20 bis 40 Kilo frische Pilze essen.“, so Eul während der Demonstration am 02.02.2005 vor dem Bundesrat in Berlin. Organschädigungen kommen auch nach langjährigem wiederholten Konsum nicht vor. Da dürfte es einer alkoholmalträtierten Leber wohl um einiges schlechter gehen. Auch wirklich abhängig wird man von ihnen nicht, weder körperlich noch psychisch. Denn es werden bei der Einnahme keine Glücksgefühle durch den Botenstoff Dopamin im Gehirn freigesetzt. Hingegen machen Nikotin und Alkohol aus diesem Grund süchtig.
Auch die Gefahr aus dem Fenster zu springen ist relativ gering, denn auf Pilzen weiß man noch, was Realität und was Fiktion ist. Auch die wissenschaftliche niederländische Regierungskommission CAM (Coordination Centre of the Assessment and Monitoring of new drugs) schätzt das Gesundheitsrisiko von Pilzen als extrem gering ein. Deshalb sind seit 2003 frische Pilze in den Niederlanden im Handel erhältlich und werden von dort in andere EU-Staaten exportiert. Da die EU eine Zollunion ist, sollten eigentlich alle Bürger der EU Pilze konsumieren können. Aber Deutschland schießt mal wieder quer. Schon im vergangenen Jahr wurde das einem jungen Mann in Thüringen zum Verhängnis. Ganz legal meldete er ein Gewerbe an und verkaufte fortan fertig abgepackte Lebensmittel, eben jene Pilze aus Holland und landete deswegen in Untersuchungshaft. Ob Anklage erhoben wird, ist noch unklar.
Gönnen die Regierenden den 500.000 hiesigen Konsumenten keinen Spaß und bewusstseinserweiternde Maßnahmen? Müssen für deren Gegenargumente die zehn bis 30 Leute herhalten, denen die Pilze nicht bekommen sind? Wobei selbst in diesen Fällen nicht eindeutig erwiesen ist, dass deren „längerfristige geistige Störungen“ auf den Pilzkonsum zurückzuführen sind. Nichtsdestotrotz soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass der Verzehr in gewohnter Umgebung und nicht unter Stress stattfinden sollte. Sonst kann es zu einem schlechten Pilzerlebnis kommen.
Schon die alten Germanen verfeinerten ihr Met mit psychoaktiven Substanzen wie Bilsenkraut oder Psilos. Und in anderen alten Kulturen wie in Mexiko werden Pilze für Rituale benutzt. In asiatischen Ländern wie Bali stehen Pilzgerichte mit Wirkung auf der Speisekarte. Und hierzulande fallen sie unter die Strafvorschriften des Betäubungsmittelgesetzes.
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