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Aufhängen treibt THC in die Blüte!
Vom Hanf-Anbau und urbanen Grow-Legenden
Publiziert am: 10.03.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 05maerz artikel Aufhängen treibt THC in die Blüte! Vom Hanf-Anbau und urbanen Grow-Legenden

Nur ein auszumerzendes Gerücht ist die Sage vom THC, welches durch umgedrehtes Aufhängen einer reifen Hanf-Pflanze aus dem Stängel oder gar den Wurzeln in die Blüten laufen bzw. gedrückt werden soll. Über das Ernten, Trocknen, „Fermentieren“, Maniküren, Feinentlauben, die Ablagerung und eventuelle „Weiterbearbeitung“ von Hanf-Blütenspitzen wurde viel Ausführliches und mehr Unnötiges an die Menschheit getragen. Wenn ich in Hochglanz-Magazinen lese, dass Hanf-Blüten beim Trocken Obstschalen beigelegt werden sollen, um die Blütenspitzen zu „aromatisieren“, wünsche ich mir ein Reinheitsgebot, wie es die Braumeister bereits seit Jahrhunderten haben.

Die Ernte beginnt bereits während des Wuchses. Wer seine Pflanzen hier schon stark mit Mineralsalzen überdüngt, weiß schon jetzt, dass seine Pflanzen mit anzunehmender Sicherheit nicht sehr gut schmecken werden. Wer auf Erde oder Hydro-/Aeroponischen-Systemen mit mineralischen Salzen düngt bzw. düngen muss und nicht oder nur unzureichend absetzt und spült bevor geerntet wird, schmeckt dies später ebenfalls. Gärtner die hingegen organische Dünger verwenden und auf Erde anbauen, legen bereits den Grundstein für den guten Geschmack der Rauchware.

Der Erntetermin wird mit einem Taschenmikroskop festgelegt. Die Anzahl der abgestorbenen – rötlich/braunen – Stigmen/Narben sagt nicht direkt etwas über den Zustand der Harze aus, sondern lediglich über den Fortschritt der Blütenentwicklung. Mit dem Mikroskop werden die Harze auf den Buds betrachtet. Sind viele gestielte Drüsenköpfe zu erkennen, die nicht mehr ganz durchsichtig sind, sollte in den nächsten drei Tagen geerntet werden. Wird länger gewartet, bis die Harze bereits von milchig-trüb zu bernsteinfarben gewechselt haben, baut sich bereits wieder THC ab.

Die Pflanzen werden ca. drei cm über der Bodenlinie abgeschnitten. Darüber, wie es nun weitergeht, gibt es sehr viel Gesagtes. Die Pflanzen nun kopfüber auf „die Wäscheleine“ zu hängen, wäre insofern nicht falsch, als dass die großen herunterhängenden Blätter die Buds einhüllen. So werden die Harze vor mechanischen Abrieb geschützt und durch die große Blattmasse mit ihrem Wasseranteil eine langsame, sehr schonende Trocknung erreicht. Früher, als noch im Freien getrocknet wurde, hatte diese Methode den unschlagbaren Vorteil, dass die an der Pflanze herunter hängenden Blätter die Blüten auch noch etwas vor dem Sonnenlicht schützten, welches das THC zerstört. Einen riesigen Nachteil hat diese Methode jedoch: Die Blätter werden trocken, hart und brüchig. Bei der auf die Trocknung folgende Entlaubung bleibt sehr viel zerbröseltes Pflanzenmaterial an den klebrigen Harzen der Buds hängen. Außerdem ist es extrem mühsam, bereits getrocknete Blätter aus den klebenden Buds zu fummeln.
Heute wird die reife Pflanze in die einzelnen Triebe zerlegt, gänzlich entlaubt und manikürt. Nach der Entlaubung werden die Triebe mit den feuchten Buds auf Trockentrays  Netzböden  ausgelegt, sodass Luft rund um die Blüten zirkulieren kann. Die Blüten werden nun bei möglichst 20 bis 35 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit und 20 Grad Celcius langsam über mindestens fünf Tage hinweg bei absoluter Dunkelheit getrocknet. Dabei wird die Abluft mit einem Aktivkohlefilter gereinigt, um den massiven Gestank zu bewältigen. Durch das langsame Trocknen dehydrieren die Pflanzenteile, das heißt sie verlieren Wasser. Auf der reifen Pflanze liegt erstmal kaum THC vor. Noch ist das THC zäh und in Säure gelöst und wird als THCS bezeichnet. Erst durch den Entzug von Wasser wird aus THCS das kristalline THC. Darum gilt beim Trocknen immer die Regel: lieber zu trocken als zu feucht!

Wenig Feuchte bedeutet auch geringes Schimmelrisiko. Schimmel ist der größte Feind bereits geernteter Hanf-Blütenspitzen. Um Schimmel zu vermeiden ist auch gute Luftbewegung Pflicht. Schimmel liebt stehende, feuchte Luft. Die Dunkelheit schützt nicht nur das THC vor dem Licht, sondern zwingt das sich das in den Buds vorhandene Chlorophyll (Blattgrün) abbaut. Blattgrün verursacht den heuartigen, miesen Geschmack schlecht „verarbeiteter“ Gräser.

Dass THC nicht wasserlöslich ist, wisst ihr sicher alle, zumindest jeder der bereits einmal einen Bubble Bag benutzt oder Bubble-Hasch geraucht hat. THC ist in der Pflanze daher auch nicht transportabel. Es wird direkt auf der Pflanze produziert. Allein dies widerlegt die Sage vom THC, welches aus den Wurzeln und aus den Stielen in die Blüten fließen soll, wenn die Pflanze umgedreht aufgehängt wird.
Wasser ist der Schlüssel des Lebens. Enthält totes, organisches Material Wasser, so nutzen Mikroorganismen das Wasser und die Biomasse als Lebensgrundlage. Ohne Wasser stoppt dieser Prozess, was jeder von euch zum Beispiel von Trockenpflaumen kennt. Die schimmeln nicht, solange sie getrocknet worden sind. Eine frische (tote) Pflaume wird hingegen binnen Tagen von Mikroorganismen aufgefressen. Dieser Prozess wird umgangssprachlich Verrottung genannt, einige nennen ihn Fermentation und meinen, ein „kontrollierter Verrottungsprozess“ hätte gewisse Vorteile für Weed. Für mich gibt es nur einen theoretischen Vorteil. Der völlige oder gesteigerte Entzug von Chlorophyll aus den Blüten. Rauchen würde ich jedoch nichts, was in irgendeiner Form verrottet (fermentiert) ist. Fermentation in ihrer eigentlichen Bedeutung brauche ich nicht und sehe sie – gedankt sei euch allen – so gut wie nie.

Gut getrocknetes Weed wird weiter dunkel abgelagert. Dazu wird es in Kunststoffdosen oder Beutel gepackt und leicht angedrückt. Dann kann es dunkel und luftdicht verschlossen nahezu jahrelang stehen, wenn es ausreichend oft gewendet und gelüftet wird. Trockenes Weed eignet sich dicht verpackt auch zum Einfrieren. Beim Auftauen ist es wichtig, dass es erst einmal für 24 Stunden im verschlossenem Beutel oder Gefäß bei Raumtemperatur liegen bleibt. Würde der Beutel mit gefrorenen Blüten direkt geöffnet werden, so schlüge sich die Luftfeuchte sofort auf den eisigen Buds nieder, genau wie beim Duschen am kalten Fenster. Damit wären die Blütenspitzen glitschig, matschig und für mich unrauchbar. Wer elementare Fehler beim Anbau oder der Trocknung gemacht hat, dem sei verziehen, wenn er seine mühsam ergärtnerten Buds mit Orangen-, Apfel- oder Sonstwas-Schalen aufzupeppen versucht. Aufgeklärte Hanf-Bauern haben Panschen nicht nötig.

Kein kommerzieller Grower kann so auf die qualitätsbestimmenden Faktoren eingehen wie ein gut informierter Eigenbedarfsgärtner in einem Land, in dem der Heimanbau von Hanf legal ist. Der wahre Geschmack wird von der Natur vorgegeben, wir müssen ihn nur erhalten und zulassen!
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