Hanf Journal Logo Teil 1
Hanf Journal Logo Teil 2
*

  SITEMAP
 
  * Rubriken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

*
 
*
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-

*
 
*
-
-
-

growing
*
Versenden: Artikel drucken Bild Druckversion
Kessel, Tower oder Colleseum 
Vertical Growing
Publiziert am: 10.03.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 05maerz artikel pflanzen

Welcher Grower hat nicht schon einmal von der Halbierung der Stromkosten oder einem Ertrag von zwei Gramm pro Watt geträumt? Dank einer Technik, die ursprünglich in den USA entwickelt wurde, ist das seit neuestem möglich. Vertical Growing heißt das Zauberwort, womit die Anordnung der Lampen im Grow-Raum gemeint ist. Das heißt, die Lampen stehen senkrecht in der Mitte des Raumes und die Pflanzen sind kreisförmig um die Lampen angeordnet und wachsen vertikal auf sie zu, was zur Folge hat, dass fast kein Licht vergeudet wird. Aufgrund der nahezu 100 %igen Lichtausbeute ist die Fläche, die pro Lampe zur Verfügung steht, nahezu doppelt so groß wie bei herkömmlichen Systemen. Beispielsweise kann mit 2 x 400 Watt ND-Lampen durch die kreisförmige, übereinanderliegende Anordnung der Pflanzen eine Stellfläche von 3,25 m² erreicht werden, zwar mit etwas kleineren Erträgen pro Pflanze, jedoch im Vergleich zu herkömmlichen Systemen(1 g/Watt) ist es bei sachgemäßer Pflege ungefähr das Doppelte(2 g/Watt).

Das alles ist natürlich nur in Verbindung mit einer absaugbaren Glasröhre möglich, durch die die entstehende Hitze aus dem System abtransportiert wird, also einem Cooltube. Gefiltert wird die Abluft mit einem Aktivkohlefilter, der am Ende des Belüftungsschlauchs montiert wird. Als Medium können je nach Modell nahezu alle hydroponischen Medien verwendet werden, wobei die vom Fachhandel angebotenen Modelle im Normalfall speziell für ein Medium ausgelegt sind. So empfiehlt der Hersteller des Coliseums, seine Anlage mit einem 50:50 Coco-Perlite-Gemisch oder aeroponisch zu betreiben.. Andere Systeme, wie beispielsweise der Easygrower aus Rotterdam, haben spezielle Einschubfächer für Steinwollmatten.

Die Belüftung erfolgt durch Unterdruck, der durch den Absaugventilator entsteht, dieser saugt gleichzeitig die entstehende Hitze aus den Glasröhren ab, in denen die ND-Lampen montiert sind. Für die Bewässerung ist ein handelsübliches PE-Schlauchsystem integriert, sie erfolgt je nach System rezirkulierend mit Tropfern und Abwasser oder beim Coliseum wahlweise auch mit Sprühdüsen für die freihängenden Wurzeln. Die meisten Modelle stehen auf einem integrierten Tank, in dem die Nährstofflösung ständig durch eine (sehr leise) Pumpe mit Sauerstoff angereichert wird. Ein tägliches Kontrollieren von EC-Wert, pH-Wert und Temperatur der Nährstofflösung sind selbstverständlich.

Sehr wichtig ist es gutes Ausgangsmaterial, also Stecklinge zu haben. Diese sollten alle von einer (wenn möglich kleinwüchsigen) Sorte und sehr gut bewurzelt sein, damit erstens die Blütephase möglichst nach zwei bis drei Tagen Wachstum eingeleitet werden kann und zweitens die Mädels nicht so lang werden, dass sie mit dem Kopf an die Lampe stoßen. Bei den kleineren Modellen dieser Bauart ist es ratsam, die großen Blätter in der zweiten bis dritten Blütewoche ein wenig (!) zu beschneiden, um den Spitzen den direkten Zugang zur Sonne nicht zu nehmen. Alle auf dem Markt erhältlichen kleineren Modelle sind oben geschlossen, lassen sich bei Außenmaßen von ca. 1,30 x 1,40 Meter problemlos in fast jede Wohnung stellen und können, sollten es die Umstände erfordern, mit Sperrholz oder Rigipsplatten als Podest, Schrank oder ähnliches getarnt werden. Ein Tipp für erfahrene Bastler: Mittlerweile sind schon Heimwerkernachbauten aus Sperrholz und Abwasserrohren aufgetaucht, die ihren Zweck ohne weiteres erfüllen . . .

Stößt man in Fachzeitschriften oder im Internet auf Werbung für einen „Kessel“ oder einen „Tower“, klingt natürlich alles immer einfacher, als es ist. Ein Grow hiermit ist sicher kein Kinderspiel, Anfängern und Geldgeiern ist vom Gebrauch auf jeden Fall abzuraten, denn hier gilt: Eventuelle Probleme wie Schädlinge, falsches Klima, Überdüngung oder ähnliches haben aufgrund der hohen Stelldichte viel verheerendere Auswirkungen als bei normalen Systemen. Der Betreiber braucht ein in hohem Maße wachsames Auge für Schädlinge und Pilze aller Art, auch alle anderen Faktoren wie Tages- und Nachttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Düngergabe etc. müssen ständig und genauestens kontrolliert werden. Auch ist darauf zu achten, dass der Raum, in dem das gute Stück steht, ein kippbares Fenster hat oder auf eine andere Art und Weise mit Frischluft versorgt werden kann.

Der Dünger sollte speziell auf rezirkulierende Systeme abgestimmt sein, das verringert das ständige Nachregeln des EC-Wertes auf ein erträgliches Maß. Anfänglich sollte der EC-Wert bei 1,4 liegen, dabei an die gute Bewurzelung denken. Gegen Ende der Blühphase sollte er den Wert von 1,82,0 nicht übersteigen, denn die Pflanzen werden nur maximal 55 cm hoch (breit) und können gar nicht so viel Nahrung aufnehmen. Der pH-Wert liegt durchgehend bei 5,5. Auf gar keinen Fall darf zuviel gewässert werden! Am besten ist es, mit kurzen Bewässerungszeiten anzufangen und diese bei Bedarf zu steigern, um ein zu starkes Durchnässen der Matten von vornherein zu verhindern. Auch die Pflege ist nichts für Unsportliche, da für viele Handgriffe eine Leiter notwendig ist, im Idealfall müssen die Pflanzen während der gesamten Blühphase nur einmal „bearbeitet“ werden.

Bedenken, die einseitig wirkende Schwerkraft könnte für Verwirrung bei den Liebsten führen, haben sich bis dato als gegenstandslos erwiesen, wachsen die Pflanzen doch zuerst einmal in Richtung Lichtquelle und werden nur ein klein wenig von der Schwerkraft beeinflusst. Auf diese Weise wachsen sie je nach Modell in einem Winkel von 1545 Grad. Natürlich ist bei der Stecklingswahl auch auf stabile Stängel zu achten, da diese später eine ganze Menge tragen sollten  und das quer.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass bei richtiger Handhabung bisher nicht für möglich gehaltene Ergebnisse bei geringem Stromverbrauch erzielt werden konnten, aufgrund der Komplexität ist ein Gebrauch jedoch nur erfahrenen Hydroponikern zu empfehlen. Vor allem bei Anschaffungskosten für ein betriebsfertiges Komplettsystem von 20004000 € sollte man genau überlegen, worauf man sich einlässt.


Kimo
Versenden: Artikel drucken Druckversion Versenden: Artikel bookmarken bei einem ServiceBookmark it!

Mehr zum Thema:

- Diskutiere das Thema im Hanf Journal Forum

 
*
 Aktuelles HanfJournal
-