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Vom Hanfanbau und urbanen Grow Legenden
Deutsche Hecke kannste vergessen
Publiziert am: 07.04.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 05april artikel Vom Hanfanbau und urbanen Grow Legenden Deutsche Hecke kannste vergessen

Die gute alte deutsche Hecke kannste echt vergessen, weil sie so, wie sie ihren Begriff geprägt hat – gedankt sei euch allen – fast nicht mehr existiert. Jeder hat den Begriff „deutsche Hecke“ wohl schon einmal gehört. Wahrscheinlich sollte ich anstatt Begriff lieber Schimpfwort schreiben, schließlich kennen die meisten von uns quasi nur unpotente, verlaubte und oft
ziemlich feuchte Hanf-Pflanzenteile unter dem Schlagwort „deutsche Hecke“.
Dass auch in unseren Breiten Hanf im Freiland erfolgreich angepflanzt werden kann, haben nicht erst die Niederländer gezeigt. Hanf wird als landwirtschaftliche Kulturpflanze seid Tausenden von Jahren auch in Nordeuropa angebaut. Die „deutsche Hecke“ entstand aus Unwissenheit. Irgendwann trauten sich einige Schwerverbrecher, gegen das deutsche
Betäubungsmittelgesetz zu verstoßen und die Samen, welche sie wahrscheinlich aus illegal erworbenen Hanf- Blütenspitzenmaterial entnommen haben, unerlaubt im Freiland anzupflanzen.
Dass es sich damals bei der Rauchware unter anderem auch um verbotenerweise aus Äquatornähe importiertes Outdoor-Weed gehandelt haben könnte, ist nicht wirklich von der Hand zu weisen. Samen aus solchem Gras brachten Ansprüche und Eigenschaften mit, wie sie im nördlichen Mitteleuropa kaum ungünstiger sein könnten. Außerdem wurden wohl mehr Seeds gebraucht, als im gekauften Gras enthalten waren. Das führte dazu, dass oft ein kleines Feld angelegt wurde, auf dem männliche und weibliche
Pflanzen gemeinsam bis in den Herbst stehen gelassen wurden, um an möglichst viele Seeds zu kommen. Diese Zufallsbestäubungen brachten viele völlig verschiedene Eigenschaften und Ansprüche hervor, die es nicht einfacher machten, ordentliches Gras im hiesigen Freiland zu kultivieren.
Hinzu kommt, dass illegale deutsche Outdoor-Farmer auf Bereichen anpflanzten, die oft ziemlich ungünstig waren, dafür aber sehr gut getarnt lagen. Wenig Licht, viele Nadelhölzer und dichter, feuchter Boden ergaben, gepaart mit Samen und deren Ansprüchen an die Boden-, Klima- und Lichtverhältnisse sowie der abweichenden Blütedauer, denkbar unangenehme
Ergebnisse – die so genannte „deutsche Hecke“. Heute bedienen sich Outdoor-Grower meist aus dem Angebot bester Genetik der Cannabis-Breeder, welches z. B. bei Händlern unter anderem in Spanien, der Schweiz oder Österreich angeboten wird. Viele Sorten haben viele Eigenschaften. Wichtig bei der Wahl einer Outdoor-Sorte ist für viele Freiland-Gärtner eine frühe, möglichst kurze Blüte und ein gedrungener Wuchs. Die Sämlinge werden heute meist indoor unter Kunstlicht
aufgezogen. Eine geschützte Vorzucht unter Kunstlicht, im Gewächshaus oder auch auf der Fensterbank bis zu einer stabilen Größe um die 20 Zentimeter ist überlebenswichtig. Kleinere, schwächere Pflanzen fallen Fraßfeinden wie Schnecken oder Karnickeln zu leicht zum Opfer. Häufig werden die Pflanzen indoor auch auf 30 Zentimeter und mehr vorgezogen
und dann z. B. in einem großen Topf in den Garten gestellt, wo sie bis in den Herbst gepflegt und ausgeblüht werden. Wenn dem Gärtner das Geschlecht der Pflanzen nicht bekannt ist, weil er nicht aus Klonen angepflanzt hat, sieht er ab Mitte August nach, ob männliche Pflanzen mit herausgepflanzt
wurden und eliminiert diese, bevor sie die weiblichen Hanfpflanzen bestäubt haben. Einige Gärtner stellen die Outdoor-Pflanzen am Ende der Indoor-Vorzucht auch zwölf Stunden unter Kunst- oder Tageslicht und zwölf Stunden in absolute Dunkelheit, um die Blüte einzuleiten und das
Geschlecht sicher festzustellen, sowie die nachfolgende Blütedauer draußen zu verkürzen. Abgesehen davon, so einige mehr oder weniger schwere Zwitter zu riskieren und damit recht unbrauchbare Seeds im Endprodukt zu haben, ergeben sich dadurch keine größeren Probleme.
Soll der, in Deutschland durch das Betäubungsmittelgesetz verbotene und damit illegale, Outdoor-Anbau von Hanf-Pflanzen möglichst unentdeckt bleiben, beschneiden einige Gärtner ihre Outdoorpflanzen bereits während der geschützten Aufzuchtphase. Die Regel ist im Freiland nicht mehr zu
beschneiden, weil die Schnittwunde so noch im geschützten Bereich der Aufzucht verheilen kann und die Pflanze nicht unnötig geschwächt wird. Beschnitten wird einmalig der Haupttrieb, wenn der sechste Knotenpunkt erreicht ist, oberhalb des vierten Knotens im Haupttrieb. Zugleich schneiden die Gärtner der Pflanze das unterste Triebpaar vom Haupttrieb, sodass nun nur noch das zweite, dritte und vierte Triebpaar stehen. Dies hat zur Folge, dass die Pflanzen sich kräftig verzweigen. Die untersten Triebe würden draußen kaum Ertrag liefern, dafür aber eventuell runterhängen und für Schädlinge „eine Brücke auf die Pflanze“ sein. Außerdem wird so der
kräftige Austrieb der beiden verbliebenen nun obersten Triebe gewährleistet.
Der Schnitt einer Outdoor-Pflanze bietet dem Gärtner den wesentlichen Vorteil, dass die Pflanzen kleiner bleiben, als wären sie nicht beschnitten worden. Selbiges gilt für das „Vorblühen unter Kunstlicht“. Beides bietet Vorteile beim Einflechten der Pflanzen in das umgebende Erscheinungsbild
des Pflanzortes/der Landschaft/des Gartens. Eine 70 Zentimeter hohe Pflanze wird von weitem nicht so deutlich wahrgenommen wie eine 150 Zentimeter hohe. Kleine Pflanzen lassen sich durch umliegende, etwas größere Pflanzen fast „unsichtbar“ machen. Im Idealfall verschwinden sie hinter der
Vorbepflanzung und verschwimmen mit der Hintergrundbepflanzung.
Der andere nicht abzuweisende Vorteil einerbeschnittenen Freiland-Hanf-Pflanze sind die luftiger wachsenden und weniger dichten wie kompakten, großenBuds. Liegen die Blütenbüschel sehr eng beieinander, steigt die Gefahr, dass sich in den kühlen September- und
Oktobernächten Kondenswasser/Tau in den Buds niederschlägt, wodurch Schimmel an den Blüten verursacht wird. Erfahrene Freiland-Bauern setzen lieber auf kleine, qualitativ gute, als auf große, matschige Buds!
Was die – in Deutschland kriminellen – Gärtner sonst noch so alles dafür tun, dass es ihren Pflanzen im Freiland möglichst gut geht, ob sie Töpfe in den Wald stellen oder Löcher graben, sackweise Erde ankarren und Wasserfässer in Bäume hängen, Langzeitdünger ausbringen oder auf biologische Prozesse setzen, erfahrt ihr in der Growing Sonderausgabe des Hanf Journals, die eigentlich auch schon in eurem Briefkasten liegen sollte
(weil ihr ja alle das Hanf Journal lesen möchtet und es daher – spendabel wie ihr alle seid – aus rein ideologischen Gründen, im absolut geheimdiensttauglich diskreten Umschlag, abonniert habt …;).
Kein kommerzieller Grower kann so auf die qualitätsbestimmenden
Faktoren eingehen wie ein gut informierter Eigenbedarfs-Gärtner in einem Land, in dem der Heimanbau von Hanf legal ist.
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