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Die Grüne Fee aus der Schweiz

1769 brannte Madame Henriette Henriod im schweizerischen
Couvet aus Alkohol, Wermut, Anis, Fenchel, Melisse, Ysop und
anderen Kräutern ein Heilmittel gegen allerlei Beschwerden.
Publiziert am: 07.04.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 05april artikel Die Grüne Fee aus der Schweiz
Nicht ahnend, dass dieser grünliche Likör zu einem Kultgetränk werden würde, legte sie mit ihrer ersten Absinth-Brauerei den Grundsteinfür dessen Erfolg. Eigentlich ist die Grüne Fee aufgrund des Wermutgehalts ein sehr bitteres Gesöff. Doch ließen sich die Eidgenossen etwas einfallen. Sie ließen die Medizin über ein Stück Würfelzucker laufen und verdünnten das Ganze mit etwas Wasser. Das Getränk schmeckte ihnen so gut, dass es immer beliebter wurde. Auf den Siegeszug sprang 1797 Daniel-Henri Dubied, sein
Sohn Marcelin und sein Schwiegersohn Henri-Louis Pernod auf. Sie begannen den Likör in breitem Stil zu vermarkten. 1805 eröffnete Henri-Louis Pernod eine eigene Brennerei in Frankreich. Die Grüne Fee setzte ihren Erfolg fort, vor allem in Künstlerkreisen erfreute sie sich größter Beliebtheit. Es heißt, dass Van Gogh, Gaugin, Manet oder auch Oscar Wilde sich von dem Getränk inspirieren ließen.
Da liegt der Verdacht nahe, dass das nicht nur am Alkohol-Gehalt, sondern vor allem an der stark betäubenden und psychodelischen Wirkung des im Wermut (Artemisia absinthium) enthaltenen Thujon gelegen haben mag. Dieser Wirkstoff stimuliert dieselben Hirnrezeptoren wie Cannabis und wirkt nicht nur sexuell anregend. Auch das Farbempfinden wird intensiviert, selbst echte Halluzinationen sollen bei entsprechend hohen Dosen auftreten. Lachkrämpfe sind die positive Seite des Absinths, denn auch krampfartige
Zuckungen, Verwirrtheit und sogar Desorientierung können bei Überdosierungen auftreten. Bis 1910 konnten die Schweizer ihren Verkaufsschlager genießen. Am 07. Oktober 1910 war Schluss: Die Herstellung und der Vertrieb von Absinth wurde in der Schweiz verboten. Dem war ein brutaler Mord vorausgegangen: „Absinth-Mörder“ stand auf den Titelseiten europäischer Zeitungen. Ein Mann hatte im Vollrausch, den er mit zwei Gläsern Absinth krönte, seine Frau und Kinder erschossen. So wurde Absinth für alles Schlechte in der Welt verantwortlich gemacht. Es folgten Verbote in Frankreich, Amerika und schließlich auch in Deutschland.
Botanisch gesehen ist Artemisia absinthium (großes Wermutkraut) ein Verwandter des Beifuß und wächst liebend gern im schweizerischen Jura. Am besten ist der bis zu einem Meter hohe Wermut an den weiß-seidig behaarten Stängeln zu erkennen. In den Monaten Juli und August verströmen die hellgelben Blüten einen starken charakteristischen Geruch. Das ätherische Öl aus den silberartig schimmernden Blättern enthält zwischen 40 und
90 Prozent des psychoaktiven Wirkstoffes Thujon, während das
Küchengewürz Beifuß es gerade mal auf einen, der Feldbeifuß auf vier Prozent bringt. Nur in Verbindung mit Alkohol kommt dessen Wirkung zur Geltung, denn Thujon ist nicht wasserlöslich. Die smaragdgrüne Farbe des Absinths, welcher sich im Kontakt mit Wasser langsam in ein milchig-weißes Getränk verfärbt, kommt chemisch gesehen durch das Ausfällen der ätherischen Öle im Wasser zustande. Nach drei oder vier Gläsern allerdings mag der Genießer die Wandlungen der Grünen Fee erkennen. Eines der berühmtesten Opfer dürfte wohl van Gogh gewesen sein, der aufgrund von Überarbeitung, Entbehrungen und zu viel Absinth Paul Gauguin mit dem Messer bedroht hatte. Sich selbst dafür strafend, schnitt er sich sein Ohr ab und landete in der Nervenheilanstalt. Auf alle Fälle endete die Ächtung des Absinths erst in den 1980-ern. Europaweit ist seit 1991 die Verwendung Thujon-haltiger Pflanzen und Pflanzenteile (Wermutkraut, Beifuß) sowie von Aroma-Extrakten aus solchen Pflanzen wieder gestattet. Allerdings müssen die Grenzwerte für Thujon in der fertigen Spirituose eingehalten werden. Das sind fünf Milligramm pro Liter bei bis zu 25 Volumenprozent Alkohol, zehn Milligramm pro Liter bei darüber liegendem Alkohol-Gehalt und 35 Milligramm pro Liter in Bitterspirituosen. Denn es gilt natürlich zu verhindern, dass die Konsumenten größere Mengen Thujon aufnehmen können. Da ist es nicht verwunderlich, dass Absinth mittlerweile anders konsumiert wird: Ein Löffel mit Zucker wird in den Absinth getaucht und über dem Glas angezündet. Der Alkohol verbrennt und der Zucker tropft ins Glas. Wenn die Flamme verlischt, wird der restliche Zucker ins Glas gerührt und der Absinth schnell getrunken. Ob sich so die Thujon-Konzentration ändert, wird derzeit untersucht. Da durch das Verbrennen die Alkohol-Aufnahme gesenkt wird, wird vermutlich die halluzinatorische Wirkung des Thujons verstärkt. Und seit dem 1. März 2005 ist es also auch im Mutterland der Grünen Fee so weit: Er darf wieder produziert und verkauft werden.
Und für alle die es interessiert, hier ein Originalrezept von Major Dubied, der um 1806 die Güne Fee „eau de mère" (Wasser der Mutter) nannte: „Ins Destillat gehören 97- prozentiger reiner Alkohol, Anis, Fenchel, Großes Wermutkraut und Melisse, in den Aufgruss (Infusion) Kleines Wermutkraut und Ysop. Der gebrauchsfertige Absinth wird aus zwei Dritteln Destillat und einem Drittel Aufguss gemischt." Und Oscar Wilde beschrieb den Absinth-Genuss so: „Nach dem ersten Glas siehst du die Dinge wie du wünschst, dass sie wären. Nach dem zweiten siehst du die Dinge, wie sie nicht sind. Zum Schluss siehst du die Dinge, wie sie wirklich sind, und dies ist das Schrecklichste auf der Welt."
Na, dann Prost!

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