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Das ist Die Firma
„... die letzte Zuflucht in besetzten Regionen“
Publiziert am: 07.04.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 05april artikel Das ist Die Firma „... die letzte Zuflucht in besetzten Regionen“
Nachdem es um die Kölner Formation „ADie Firma“ seit ihrem letzten Album „Das dritte Auge“ etwas ruhig geworden ist, melden sie sich nun zwei Jahre danach mit „Krieg und Frieden“ zurück. Weit über die HipHop-Grenzen hinaus stehen dabei inhaltlich Themen wie Probleme und Ängste sowie Träume und Hoffnungen im Mittelpunkt. Die 22 Tracks wirken alle sehr ansprechend und ausgereift. Die Soundteppiche, welche durchgehend von Fader Gladiator produziert wurden, sind unglaublich detailliert und fast schon theatralisch. Um herauszufinden, ob das Trio wirklich an die alten Zeiten anknüpfen und mit ihrem vierten Werk eine Platte von epischem Ausmaß erschaffen kann, machte ich mich auf zum Hotel „Charlottenburger Hof“, um dort Alex (Tatwaffe) und Daniel (Fader Gladiator) zu befragen.

In Las Vegas fand der Videodreh zur ersten Single-Auskopplung „Spiel des Lebens“ statt. Keine andere Stadt wäre hierfür prädestinierter gewesen, wenn man den Extremen im Text Gehör schenkt. Über einen elektronisch angehauchten Beat geben Tatwaffe und Def Benski Mut machende Zeilen von sich und werden dabei von einem wunderschönen Kinderchor unterstützt. Bemerkenswert finde ich nach wie vor, wie die Jungs es immer wieder schaffen, ihren Idealismus zu bewahren und woher ihr Hang zum Pathos kommt. Aber das ist schnell erklärt: Sie reflektieren nun mal mehr als andere und halten von einer gesunden Melancholie auch mehr als von der heutigen Gedankenlosigkeit. Geld und Erfolg sind nicht alles im Leben, und Werte wie Freundschaften und Mut sollten einen höheren Stellenwert finden. Ihre Inspiration zu solch aussagekräftigen Texten entnehmen sie Büchern und Filmen, ihrem Umfeld, dem Alltag - oder ganz einfach - dem Leben. Ich mag ja Storytelling sehr gerne und frage, wie sie zu anderen Formen von Rap stehen. Klar vertritt Die Firma mehrere Seiten und Styles, aber der Schwerpunkt liegt auf jeden Fall auf den Inhalten, und so ist meine Frage dann auch beantwortet. Mit „Tränen“ spricht mich ein nachdenklicher Song an, bei dem realistische Bilder in mit Klaviersound gepaarten Drumlines verpackt wurden. Hier setzt sich Tatwaffe mit der Frage auseinander, ob sich Gott oder jemand um das Leid der Menschen schert und die verflossenen Tränen zählt. Der Wunsch nach Frieden sticht deutlich hervor und weckt Emotionen. Denn wer wünscht sich nicht eine Welt voller Toleranz, gegenseitiger Akzeptanz und gegenseitigem Respekt, eine Welt, auf der friedliches Miteinander eine Chance hat, frei von Vorurteilen - weit entfernt von jeglichen Ungerechtigkeiten?!

In „Geliebter Feind“ erzeugen die beiden Protagonisten gemeinsam mit Moses Pelham eine atemberaubende „Battle-Atmosphäre“. Doch wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Die Firma traf ihn letztes Jahr, und die Chemie hat einfach gestimmt. Neben den altbekannten und geliebten düsteren Beats und thrillerreifen Lyrics gibt es auch mal eine sonnige Seite zu hören: Die Jungs nutzen Dur-Akkorde für einen Samba-Track und singen mit Bruce Barron „So läuft das“, und so will ich wissen, welche Stile sie am liebsten kombinieren und was eigentlich aus Miami Bass geworden ist. Naja, Fader Gladiator hat ja wirklich schon fast mit allen Styles experimentiert. So kann er sich auch gut eine Symbiose aus Gothic Rock mit Rap vorstellen und würde gerne mit Kingsize aus Belgien zusammenarbeiten. Außerdem ist er begeisterter Anhänger zahlreicher Soundtracks. Bei „Urlaub von mir selbst“ strecken die Jungs sogar ihre Fühler in Richtung Reggae aus, was den Zuhörer zum Chillen und Abschalten anregt. Vielfalt und Abwechslung wird auf diesem Album groß geschrieben, und hier kommt wirklich Urlaubsfeeling auf. Die Firma schildern den Urlaub aus einer anderen Perspektive und forcieren damit Veränderungen. Anschließend folgt mit dem Track „Die durch die Hölle gehen“ ein bedrohlich klingender Song, auf dem Die Firma austeilt - präventiv. Dass neben der traditionellen Kooperation mit Nesti, Giannni & Ventura auch ein Feature mit Olli Banjo gut geht, beweist „Comprende“. Darüber hinaus ist der indisch anmutende Track „1001 Nacht“, bei dem fernöstliche Flöten- und Koto-Melodien mit triolisch programmierten Drums untermauert werden, ein echtes Highlight. Wer sich für Verschwörungstheorien interessiert, ist mit den Songs „Zeitgeist“, „Der Plan (Teil 1)“ und „Endzeit“ bedient. Das ist dann auch unser nächstes Thema, da ich dieses Gebiet auch äußerst aufschlussreich finde. So beschreibt mir Tatwaffe die Vernetzung aus Glauben, Wirtschaft und Wissenschaft und regt den Gedanken an, dass alles unter einer Kontrolle sein könnte. Aber bevor ich jetzt hier den Rahmen sprenge, verweise ich darauf, dass Teil 2 von „Der Plan“ folgen wird, und dann können wir weiter diskutieren.

Meine nächste Frage zielt darauf ab, wen Die Firma erreichen will bzw. welches Feedback sie glücklich macht. Gibt’s krasse Fan-Geschenke? Tatwaffe denkt, dass Die Firma viele Sparten abdeckt und so auch viele anspricht. Und je persönlicher eine Rückmeldung ist, umso mehr freuen sich die Jungs. Allerdings kann so was auch ausarten, wenn beispielsweise von Bekehrungen die Rede ist und selbst die Kirche die Texte der Firma für ihre Zwecke missbraucht, was dann logischerweise nicht so erfreulich ist. - Stichwort: Lacosamia. Was hat es damit auf sich? Abgesehen davon, dass Daniel Sluga alias Fader Gladiator Italiener ist, wird damit eine Philosophie im Mafia-Stil umschrieben. Übersetzt bedeutet es ja schlicht und ergreifend „meine Sache“. - Und was war, bevor es mit der Musik losging? Daniel erzählt von seinem Studium der Sozialpädagogik mit den Schwerpunkten Bewährungshilfe und Drogenberatung, womit wir dann auch bei meiner letzten Frage wären, die sich natürlich wieder um Cannabis und die Legalisierung dieses Heil- und Genussmittels dreht. Wichtig ist den beiden vor allen Dingen, das Bewusstsein zu schärfen! Wenn Informationen und Aufklärung stimmen, sprechen sie sich für eine Legalisierung aus. - Okay, damit danke ich Alex & Daniel für dieses interessante Gespräch.

Die Firma ist wieder da, und die Anhänger des deutschen HipHop dürfen zurecht gespannt auf das nun erscheinende Album sein. Ein textlich und musikalisch formulierter Appell mit Tracks, die nichts beschönigen, aber das Prinzip Hoffnung in schweren Zeiten aufrecht erhalten. - Ach ja, mit Las Vegas habe ich begonnen, mit Las Vegas will ich meinen Text auch beenden. Denn auch ein sieben Jahre altes Liebeslied wurde hier aufpoliert und mit hellen Melodien und Synthesizer-Soundteppichen verziert. „Die Eine 2005“ ist eine Art Fortsetzung des ersten Teils und natürlich eine autobiografische Form der Verarbeitung seiner siebenjährigen Liebesgeschichte. - An alle, die den Glauben an die Liebe verloren haben: In Las Vegas hat Alex kürzlich „Die Eine“ geheiratet!



Interview & Text: Roland Grieshammer
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