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Klüger werden mit dem Hanf Journal
Hilft Cannabis bei Multipler Sklerose?
Publiziert am: 29.06.05 - Medienformen: Medienform Text

Cannabis-Produkte können einige Symptome der Multiplen Sklerose (MS) lindern. Jetzt soll in einer Langzeitstudie mit 500 Patienten in Großbritannien untersucht werden, ob THC auch den Verlauf der Erkrankung verlangsamen kann.
Die Multiple Sklerose ist eine relativ häufige degenerative Erkrankung des Nervensystems, bei der das eigene Immunsystem die Hüllzellen der Nerven zerstört. Die Symptome der MS können vielgestaltig sein und variieren in Abhängigkeit von den betroffenen Nerven und Hirnregionen. Häufige Symptome sind eine verstärkte Muskelanspannung (Spastik), Muskelkrämpfe (Spasmen), Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), Muskelzittern (Tremor), chronische Schmerzen und Störungen der Blasen- und Mastdarmkontrolle.
Eine Umfrage aus dem Jahre 1997 unter 112 britischen und amerikanischen Multiple Sklerose-Patienten, die illegales Cannabis zur Behandlung ihrer Erkrankung verwendeten, ergab eine Besserung einer großen Anzahl von Symptomen, darunter Spastik, Tremor, häufiger Harndrang, Stuhl-Inkontinenz, Schmerzen, Missempfindungen und Angst. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage aus Großbritannien gaben 22 Prozent der befragten MS-Patienten an, Cannabis aus medizinischen Gründen einzunehmen.
In den Jahren 2003 und 2004 wurden die ersten größeren Studien zur Wirksamkeit von Cannabis-Extrakten bei Multipler Sklerose veröffentlicht. Zuvor hatten bereits einige kleinere Untersuchungen mit wenigen Patienten Hinweise auf eine Wirksamkeit von Cannabinoiden bei der MS gegeben. In den großen neuen Studien wurden zwei verschiedene Cannabis-Extrakte verwendet, ein Flüssig-Extrakt der britischen Firma GW Pharmaceuticals (Sativex) und ein Extrakt in Kapseln vom Institut für klinische Forschung in Berlin (Cannador). Der Flüssig-Extrakt Sativex wurde in diesem Frühjahr in Kanada zur Behandlung neuropathischer Schmerzen bei MS arzneimittelrechtlich zugelassen, eine Zulassung in Großbritannien zur Behandlung der Spastik bei MS wurde jedoch von den dortigen Behörden abgelehnt, da die vorhandenen Daten als unzureichend angesehen wurden.
Tatsächlich werden die Studienergebnisse zur Spastik in der Wissenschaft und von Verbänden unterschiedlich bewertet, da sich in allen Studien zwar subjektive Besserungen fanden, objektive Parameter der Spastik jedoch überwiegend nicht beeinflusst wurden. So wurde in der größten Studie aus dem Jahr 2003 mit insgesamt 630 Patienten, die 15 Wochen lang entweder den Cannabis-Extrakt Cannador, THC oder ein Placebo erhalten hatten, die Spastik mit THC und Cannabis nach objektiven Kriterien nicht verbessert. Die Patienten, die diese beiden Medikamente erhalten hatten, berichteten jedoch häufiger als Patienten in der Placebo-Gruppe von einer Schmerzlinderung und von einer subjektiven Besserung der Spastik. Die Autoren der Studie vermuten, dass das Verfahren zur objektiven Erfassung der Spastikstärke zu grob war, um leichte Verbesserungen, die von den Patienten wahrgenommen wurden, erfassen zu können. Auch andere gebräuchliche antispastische Medikamente haben in klinischen Studien überwiegend keine objektiven Besserungen der Spastik bewirkt. Etwa 80 Prozent der ursprünglichen 630 Teilnehmer dieser Studie nahmen an einer Folgeuntersuchung teil, die zwölf Monate dauerte. Am Ende dieser Langzeitstudie waren in der THC-Gruppe auch die objektiven Spastikwerte signifikant besser als in der Placebo-Gruppe.
Dies hat zu der Annahme geführt, dass THC bei längerfristiger Anwendung einen günstigen Verlauf auf die Erkrankung haben könnte, weil es nervenschützend wirkt und nicht nur die Symptome bekämpft. Diese Vermutung soll ab Ende diesen Jahres in einer dreijährigen Studie mit 500 Patienten überprüft werden. Sollte sie sich bestätigen, so hätte dies nicht nur Bedeutung für die Behandlung der multiplen Sklerose, sondern auch für die Therapie anderer neurodegenerativer Erkrankungen. Bisher gibt es keine sehr wirksamen Medikamente, die den Verlauf solcher Erkrankungen beeinflussen können.
Die Wirksamkeit von THC und Cannabis bei so genannten neuropathischen Schmerzen im Rahmen der Multiplen Sklerose gilt heute als gut gesichert. Als neuropathische Schmerzen werden Schmerzen bezeichnet, die auf einer Schädigung von Nerven beruhen, wie beispielsweise Phantomschmerzen nach Amputationen oder eben bestimmte Schmerzen bei MS. Beispielsweise wurden in einer dänischen Studie 24 MS-Patienten, die an neuropathischen Schmerzen litten, drei Wochen lang mit THC behandelt. Die Schmerzen nahmen deutlich stärker ab als nach einem Placebo. Diese und andere Ergebnisse haben in Kanada nun zur Zulassung eines Cannabis-Extraktes zur Behandlung von Schmerzen bei MS geführt.
Dr. med. Franjo Grotenhermen
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