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Feuer auf Caspers-Merk

Drogen- und Suchtbericht 2004: Irreführend und tendenziös
Publiziert am: 29.06.05 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Hans Cousto
Hans Cousto
Alljährlich erscheint im Frühjahr der Drogen- und Suchtbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Dieser Bericht beschreibt weit weniger die allgemeine Situation in Deutschland, sondern weit mehr die von der Bundesregierung geförderten Projekte. Dass diese nicht immer die besten sind, soll hier beispielhaft ebenso aufgezeigt werden wie auch der einseitige Tenor in diesem Bericht, der repräsentativ für die oft äußerst tendenziöse Berichterstattung der Bundesdrogenbeauftragten Marion Caspers-Merk ist.

In der Einleitung drückt Frau Caspers-Merk ihre Beunruhigung über den steigenden Konsum von Cannabis bei Jugendlichen aus und verweist auf die steigende Zahl derer, die deswegen eine Beratungsstelle aufsuchen. Beunruhigend findet sie des Weiteren auch, dass mit Ecstasy und Amphetaminen die synthetischen Drogen weiter auf dem Vormarsch seien.

Cannabis-bezogene Störungen
Im Drogen- und Suchtbericht bezieht sich die Drogenbeauftragte auf die Studie „Störungen: Umfang, Behandlungsbedarf und Behandlungsangebote in Deutschland“ vom Institut für Therapieforschung (IFT) in München und stellt fest, dass die Zunahme der Behandlungs-Zugänge anhand der vorliegenden Daten als gesichert zu betrachten sei und dass die Zunahme nicht das Ergebnis eines gezielten justiziellen Drucks sei. Doch die Daten in der Studie zeigen ein anderes Bild, das den justiziellen und polizeilichen Druck deutlich erkennen lässt: Das Aufsuchen der Beratungsstelle geschieht in einem Viertel der Fälle aufgrund polizeilicher Maßnahmen, in 27,4 Prozent der Fälle aufgrund von Maßnahmen der Justizbehörden. Deshalb geben auch mehr als die Hälfte der Cannabis-Klienten als Ziel der Behandlung an, Auflagen zu erfüllen. Dabei geben knapp ein Viertel richterliche Auflagen an, 15,5 Prozent Auflagen im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr und 11,4 Prozent andere Auflagen.

Ecstasy auf dem Vormarsch?

Die Drogenbeauftragte Caspers-Merk zeigt sich beunruhigt über den Vormarsch von Ecstasy. Doch es gibt zahlreiche Anzeichen dafür, dass der Konsum von Ecstasy rückläufig ist. So lag die Zahl der erstauffälligen Ecstasy-Konsumenten – trotz massiver Intensivierung des polizeilichen Kontroll-Drucks – im letzten Jahr signifikant niedriger als im Jahr 2001. Registrierte die Polizei in Deutschland im Jahr 2001 noch 6.097 erstauffällige Ecstasy-Konsumenten, waren es 2004 nur noch 3.907. Dies entspricht einer Abnahme um 36 Prozent. Auch den Berichten der Deutschen Referenz-Stelle für die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) ist nicht zu entnehmen, dass der Ecstasy-Konsum auf dem Vormarsch sei. Vielmehr ist ein rückläufiger Trend zu erkennen. So haben 1997 noch 0,9 Prozent der 18- bis 59-Jährigen innerhalb der letzten zwölf Monate Ecstasy konsumiert, im Jahr 2003 waren es nur noch 0,8 Prozent. Demgegenüber hat sich die Zahl der Menschen, die Erfahrungen mit Kokain gemacht hat, im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. 1997 waren es 1,5 Prozent der 18- bis 59-Jährigen, im Jahr 2003 bereits 3,1 Prozent, bei den 18- bis 39-Jährigen stieg die Zahl sogar von 1,9 auf 4,8 Prozent. Auch die Zwölf-Monats-Prävalenz (innerhalb der letzten zwölf Monaten konsumiert) stieg bei den 18- bis 59--Jährigen von 0,7 auf 1,0 Prozent. Dennoch behauptet die Drogenbeauftragte, dass die vorhandenen Daten keine Hinweise auf eine Zunahme von Umfang und Intensität des Kokainkonsums ergeben haben.

Wer konsumiert Kokain?
Im Drogen- und Suchtbericht steht, dass der Kokain-Konsum eine geringe Verbreitung in der Bevölkerung habe. Gemäß den Berichten der DBDD konsumieren jedoch weit mehr Menschen in Deutschland Kokain als beispielsweise Ecstasy. So haben 3,1 Prozent der 18- bis 59-Jährigen Erfahrungen mit Kokain gemacht, demgegenüber nur 2,5 Prozent mit Ecstasy. Bei den 18- bis 39-Jährigen haben sogar 4,8 Kokain genommen, Ecstasy lediglich 4,3 Prozent. Auch die Nachfrage nach Informationen über Kokain ist bei diversen Internet-Portalen in der letzten Zeit massiv angestiegen. So wurde die Infoseite zu Kokain bei den Drugscouts (www.drugscouts.de) wesentlich häufiger aufgerufen als die Infoseite zu Ecstasy oder zu Speed. Nur Infos zu Cannabis waren noch häufiger gefragt (Aufrufe der Cannabis-Infoseite im Jahr 2004: 19.265, der Kokain-Infoseite: 18.505). Erhöhte Prävalenzwerte (Anzahl von Menschen, die eine bestimmte Substanz konsumiert haben) sollen gemäß Drogen- und Suchtbericht in bestimmten Szenen beobachtet worden sein, wie in Szenen der jugendlichen Subkultur (Party-Szene), unter Opiat- und Alkohol-Abhängigen, bei Jugendlichen im Großstadtmilieu und bei Strafgefangenen. Nicht erwähnt werden die Szenen, aus denen jene Kokain-Konsumenten kamen, die in den letzten Jahren in den Medien für Schlagzeilen sorgten wie unter anderem die Szene der Sportfunktionäre, Sportler, Politiker, Fernseh-Moderatoren. Die Berichterstattung im Drogen- und Suchtbericht ist wahrlich tendenziös und die aufgeführten Daten zeigen nicht die real existierende Situation im Lande auf.

Alle Jahre wieder ...

Alle Jahre wieder erscheint ein Abschnitt im Drogen- und Suchtbericht zum Projekt
www.drugcom.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), in dem dieses Projekt als Erfolg dargestellt wird. Dieses Online-Angebot habe sich in der Sucht-Prävention erfolgreich etablieren können, heißt es in dem Bericht. Dabei wird darauf hingewiesen, dass mit über 200.000 Besuchern pro Jahr die Zahl der Zugriffe im Jahr 2004 um ein Viertel zum Vorjahr gestiegen sei. Im Vergleich zu anderen Internetportalen mit analogen Zielsetzungen ist dies jedoch ein erbärmliches Ergebnis. So klickten beispielsweise über 800.000 Menschen das Internetportal www.drugscouts.de der Drugscouts in Leipzig an, was einer Zunahme um 239 Prozent zum Vorjahr entspricht. Die Drugscouts haben somit weit mehr als dreimal so viele Besucher im letzten Jahr gehabt, wie das Projekt Drugcom und insgesamt waren sogar neunmal mehr Besucher auf der Seite, obwohl die Drugscouts nur über einen Bruchteil der finanziellen Ressourcen verfügen im Vergleich zu Drugcom. Hier wird offenbar, dass man auch mit einem großen Werbebudget mangelnde Qualität nicht wettmachen kann. Doch gute, empfehlenswerte und akzeptierte Angebote wie das der Drugscouts in Leipzig werden im Drogen- und Suchtbericht nicht erwähnt.
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