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Das Gras war grüner
– Böhse Onkelz beenden ihre Karriere
Publiziert am: 30.07.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 06august artikel Das Gras war grüner – Böhse Onkelz beenden ihre Karriere
„Das Gras war grüner, die Linien schneller, der Reiz war größer und die Nächte waren länger. Alles Geschichte und ich bin froh, dass es so ist, oder glaubst du es ist schön, wenn man Scheiße frisst?“,

tönte aus hunderttausend Kehlen auf dem letzten Konzert der Böhsen Onkelz am 17. und 18. Juni 2005 auf dem Lausitzring in Brandenburg. Dort veranstalteten die Böhsen Onkelz zum Abschluss ihrer 25-jährigen Karriere ein dreitägiges Open Air, wobei sie selbst an zwei Abenden Lieder aus zwölfeinhalb Jahren ihrer musikalischen Laufbahn spielten. Neben den einheizenden Cover-Bands, die in riesigen Zelten bis auf den letzten Menschen alle in Stimmung brachten, spielten Bands wie Sub7even, In Extremo, Motörhead und viele mehr. Abgesagt hatte unter anderem Marky Ramone, weil ihm sonst in den USA ein Boykott gedroht hätte.

Mit diesem Konzert ging die lange Laufbahn der Frankfurter Band zu Ende. Anfangs waren sie Punker, Skinheads und mit der Politisierung dieser beiden Szenen sahen sie sich mehr der unpolitischen Oi-Szene zugehörig oder gingen ihre eigenen Wege. Ihre erste größere Veröffentlichung erfolgte 1982 auf dem beliebten Punkrock Sampler „Soundtracks zum Untergang Vol.2“. In ihren Anfangsjahren spielten sie Lieder, die bis heute gerne als Beweis für die rechte bis rechtsradikale Einstellung der Böhsen Onkelz gelten, obwohl diese Lieder kaum live gespielt und auch nicht von ihnen veröffentlicht wurden. Des Weiteren produzierten sie später Titel, mit denen sie versuchten, sich von den rechtsextremen Tendenzen zu distanzieren und spielten seit den Neunzigern auch auf „Gegen-Rechts-Konzerten“.

1984 erschien die Platte „Der Nette Mann“, von der sechs Titel aufgrund von „pornografischer, nationalsozialistischer und gewalttätiger Tendenzen“ indiziert wurden. Dies brachte ihnen einen Kultstatus in der rechten Szene ein. Bis 1992 verkauften sich einige ihrer Platten 250.000 Mal, was nicht heißt, dass sie nur von Rechten gehört wurden und sie nur dieses Klientel bedienten. In den Neunziger Jahren ging es mit den Plattenverkäufen der Böhsen Onkelz steil bergauf. Um aber das Weiterbestehen der Band nicht zu gefährden, musste sich vor allem der Sänger Kevin Russel erst einmal zusammenraufen, denn er litt unter schwerer Heroin-Sucht. Die öffentlichen Auseinandersetzungen um die Böhsen Onkelz gingen bis Mitte der Neunziger weiter, einige Konzerte wurden verboten.

1993 erschienen „Schwarz“ und „Weiß“ als Doppelveröffentlichung und kletterten auf Platz elf und zwölf der Charts. 1996 folgt die CD „E.I.N.S“, die Fans bringen die Platte auf Platz drei. „Viva los Tioz“ steigt im September 1998 direkt auf Platz eins ein. Ende der Neunziger-Jahre ist dann auch Schluss mit den Konzert-Verboten und Verkaufs-Boykotts großer Musik-Ladenketten wie WOM und Karstadt. Und die Böhsen Onkelz bekamen prominente Fürsprecher wie Daniel Cohn-Bendit und Rapper Moses Pelham. Von den Alben „Ein böses Märchen“ (2000), „Dopamin“ (2002) und „Adios“ (2004) gingen weiterhin Hunderttausende über den Ladentisch.

Ihre Musik hatte nunmehr eine eigene Dimension erreicht, die viele Menschen anspricht. Thematisch beschäftigen sie sich mit ihrer Vergangenheit, dem Sinn des Lebens, der Selbstfindung und Selbstliebe. Drogen und Drogen-Exzesse wie Alkohol-Rausch und Heroin-Sucht sind ein weiteres Thema in ihren Liedern. Sie setzen sich mit den Kritikern der Band auseinander. Zahlreiche Songs richten sich gegen die Presse und den Medienwahn. Ihre Fans begrüßen sie auf ihren CDs und beziehen sie in ihre Texte mit ein, so schufen sie sich ihre eigene Familie mit Neffen und Nichten. Diese sind es dann auch, welche die Böhsen Onkelz hoch leben lassen. Auf den Konzerten kennt jeder jeden Text und den Böhsen Onkelz schlägt eine Welle von Begeisterung entgegen. Das wahnsinnige Mitgrölen der Songs und das Meer aus hochgestreckten Armen machen Auftritte der Böhzen Onkelz unvergleichbar.

Die gigantische Dimension des letzten Konzertes auf dem Lausitzring ist so leicht nicht zu schlagen. An zwei Abenden spielten sie vor mehr als 100.000 Menschen ab 23 Uhr ihre Lieder. Ruhig und besonnen waren die Böhzen Onkelz, wahrscheinlich damit dieses Mega-Event glatt über die Bühne geht. Riesige Leinwände übertrugen das Konzert weiter nach hinten. Der Ton kam etwas zeitversetzt hinterher, trotzdem war die Stimmung phantastisch. Es gab keine großen Ansammlungen von Nazis, die offen ihre Scheiße verbreiten konnten. Die Fans sind eher eine Sammlung von normalen Jugendlichen bis hin zu einer Menge subversiven Gestalten, Skinheads, Punks und Langhaarigen. Tätowierungen prägen viele Körper. Ein auf dem Abschieds-Konzert anwesender LKA-Beamter hat nachsorglich Klage eingereicht, vermutlich, weil die Böhsen Onkelz den Titel „Der Nette Mann“ – mit schönen Grüßen an die Bundesprüfstelle – gespielt haben. In diesem Song rufen sie angeblich zu Kindermord auf und weiterhin heißt es: „Ich bin der nette Mann von nebenan, jeder könnte es sein.“

Die Böhsen Onkelz sangen über die Gesellschaft wie sie ist. Die Gesellschaft ist so, wie sie die Böhsen Onkelz gerne beschreiben, nämlich sexistisch und gewalttätig: „Wir sollen bezahlen, für das, was hier passiert, wir tragen die Schuld, für euch, die ihr regiert.“. Mit diesen und ähnlichen Aussagen wehren sich die Böhsen Onkelz gegen die immer noch anhaltenden Lügen der Regierung und der Medien. Kein Journalist erhielt Zutritt auf das Gelände und Fotos wurden von den Böhsen Onkelz selbst veröffentlicht.

Nach dem Ende der Böhsen Onkelz werden sich wohl wenig Menschen finden, die noch ernsthaft den Böhsen Onkelz schaden wollen. Diese sind keine Nazis und haben ihr eigenes Ding mit Bravour durchgezogen. Problematisch bleibt eben nur ein Teil derer, die Böhse Onkelz hören. Natürlich hört man aus einem Nazi-Auto auch Onkelz, aber wo noch? Bei guten Freunden, auf geilen Parties und in besetzten Häusern! Überzeugt euch selbst, wenn ihr es nicht glauben wollt. Wie schon die Böhsen Onkelz singen:

„Diese Lieder sagen mehr als 1.000 Worte, sie sind immer für dich da!“

P.M.
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