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Tales from the Hemp Farm 2
Publiziert am: 29.07.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 06august artikel Tales from the Hemp Farm Teil II

Im Moment liege ich ganz entspannt auf einer schönen grünen Wiese, die einen friedlichen, und zum Glück etwas versteckten Waldsee hier in der Uckermark umsäumt, schaue den Ameisen beim „Häusle bauen“ zu, höre was der Wind so alles zu erzählen weiß. Oh, und da eine anmutige, sonnengebräunte und nur mit wenigen glitzernden Wasserperlen bedeckte Seejungfrau direkt vor meinen Augen ...
Was das alles mit Hanf zu tun hat, wollt ihr wissen? Nun, der Tagtraum mit der Seejungfrau hat mit dem landwirtschaftlich angebauten Nutzhanf natürlich wenig zu tun. Die Tatsache, dass ich an diesem schönen Nachmittag nicht auf dem Feld stehe, sondern am See liege, hat jedoch seine Gründe!

Die Hanf-Pflanze ist nämlich im Gegensatz zu den meisten anderen Kultur-Pflanzen eine sehr kraftvolle und überaus selbstständige Pflanze! Nachdem die Hanf-Saat von uns bereits erfolgreich mit der Sämaschine in den Boden eingebracht wurde, kann man diese Wunder-Pflanze theoretisch die folgenden 100 Tage nur noch dabei beobachten, wie sie sich von einem nur zentimetergroßen „Hänfling“ in einen über vier Meter hohen, in voller Blüte stehenden Hanf-Baum verwandelt. Und das Ganze funktioniert natürlich ohne umweltbelastende sowie kosten- und zeitintensive Pflanzenschutz-Maßnahmen! Das wiederum gefällt unseren Freunden von der Chemie- und Pharmaindustrie wie Bayer, IG Farben, Syngenta, Monsanto oder BASF natürlich überhaupt nicht. Ihnen wäre wohl am liebsten, wenn die ganze Welt von ihren Giftmischereien abhängig werden würde! In der Politik wird das gerne „starke Wirtschafts-Standorte“ genannt Und da sind wir auch schon wieder beim Thema: Baut den Hanf an!

Ist es nicht eine schöne Vorstellung, zu wissen, dass man durch den seit 1996 legalen Anbau von Hanf gegen eine Industrie arbeiten kann, die in den 1920er- und 1930er-Jahren beträchtliche Mitschuld an den verbotseinleitenden Drogen-Hetzkampagnen und dem darauf folgenden „Marihuana Tax Act“ hatte! Dieser Gesetzesbeschluss versetzte nicht nur dem Marijuana den Todesstoß, sondern betraf leider auch den Sektor der Landwirtschaft – die Rohstoffpreise für den damals noch sehr verbreiteten Hanf wurde fast über Nacht von einem Dollar die Unze auf 100 Dollar die Unze hochgesetzt. So brachen Hanf-Anbau und -Industrie fast schlagartig zusammen und niemand zeigte weiteres Interesse in diesem Bereich. Genau wie heute. Deshalb kann das gleiche Gesindel von damals, das heute zum Beispiel im persönlichen Sponsorenclub der Bush-Regierung sitzt, weiterhin die fette Kohle auf Kosten von jedem Einzelnen von uns absahnen!

Habt ihr euch eigentlich schon mal überlegt, wie viele Baumwoll-Sträucher in Deutschland wachsen? Ihr könnt ja mal anfangen zu suchen. Und nun schaut euch eure Kleidung an. 100 Prozent Baumwolle, für deren Anbau weltweit die Hälfte aller eingesetzten Pestizide verwendet wird und die sogar mit chemischen Entlaubungsmitteln geerntet wird. Und oftmals auch noch auf Ölbasis hergestellten Kunstfasern und chemischen Färbemitteln vermischt ist. Da sollte schnell klar werden, dass ein Haufen geldgeiler Säcke unsere Lieblingspflanze nicht gerade ins Herz geschlossen hat. Diese reagiert nämlich zum einen äußerst empfindlich auf Pestizide und wäre dank ihrer hervorragenden Faser-Eigenschaften zum anderen dazu befähigt, innerhalb kürzester Zeit die Baumwoll-Industrie zu ersetzen und somit den Pestizidverbrauch auf einen Schlag um die Hälfte zu verringern. Und das wäre, wie ihr sicherlich wisst, nur einer der vielfältigen Verwendungszwecke des Hanfs.

Zurück in der Uckermark entführe ich euch noch ein bisschen weiter in die unglaublich langweilige Welt der Bauern und der Landwirtschaft. Das recht große Anwesen, eine ehemalige Gutsverwaltung, wird von einem jungen und freundlichen Paar und ihren drei Kindern bewohnt. Außerdem sind da noch ein Angestellter und ich – der Praktikant. Neben 70 Hektar (1 Hektar sind 10.000 Quadratmeter) Hanf-Anbaufläche gibt es weitere 330 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, auf denen vorwiegend Getreide angebaut wird. Jetzt werdet ihr sicher denken: „Was!? Vier Millionen Quadratmeter Fläche und davon 700.000 Quadratmeter Hanf? Die müssen ja Millionäre sein!“
Falsch. Fast das Gegenteil ist der Fall, denn trotz der Tatsache, dass nur zwei (!!) Männer für dieses riesige Areal verantwortlich sind und davon sicherlich mehrere Dörfer oder Kleinstädte ernährt werden könnten, bewegt sich die Gewinnspanne dank politischer Glanzleistungen eher im unteren Bereich und sichert meist gerade einmal das Überleben. Inzwischen kann es sogar gewinnbringender sein, seinen Weizen zu verbrennen, anstatt ihn als Nahrung zu verkaufen!

Woran liegt das? Zuerst muss man sich vergegenwärtigen, dass in ganz Deutschland nur ungefähr 1,5 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig ist. (Zum Vergleich: in asiatischen Ländern sind es noch bis zu 90 Prozent.) Diese 1,5 Prozent müssen unser ganzes Land ernähren und zwar mit Hilfe von riesigen Maschinenparks (da freut sich die Öl-Industrie) und patentierten, extrem sensiblen und hochgezüchteten Spitzenertrags-Sorten, die nur durch die von der Pharmaindustrie produzierten chemischen Keulen überlebensfähig sind. Die Folge sind eine Störung der vielfältigen Ökosysteme, ausgelaugte Böden, Verschmutzung des Grundwassers und riesige zum Bersten gefüllte EU-Vorratsspeicher. Dort wird der so erwirtschaftete Überschuss durch Steuergelder teuer gelagert und hauptsächlich dazu benutzt, in (finanziell) ärmeren Ländern die lokalen Märkte zu zerstören, den Willen zur Eigeninitiative zu bremsen und so diese Länder von unseren großzügigen und natürlich vollkommen selbstlosen Hilfssendungen abhängig zu machen.

Der Hanf als extrem autonome und kaum schutzbedürftige Pflanze stellt sich diesem System dank seiner „benutzerfreundlichen Eigenschaften“ sozusagen mit jeder Faser seines Stängels entgegen. Schäben , Blätter, Samen und Blüten sind natürlich genauso wichtig. Und das ist theoretisch vom Nord- bis zum Südpol möglich, da der Hanf fast allen Klimaregionen gewachsen ist! Und so gibt es zur Zeit immer noch einen Mangel an einheimischem Hanf-Rohstoff. Denn „dank“ der geringen Nachfrage und mangelnder Förderung der technisch kaum entwickelten, verarbeitenden Industrie sind zu wenige „junge“ Menschen bereit, Hanf anzubauen. Dieses Problem trifft übrigens auf alle mit dem Hanf zusammenhängende Wirtschaftszweige zu. Es kommt sogar vor, dass zum Beispiel die Hanf-Faser-Fabrik, in die ich auch schon interessante Einblicke haben durfte, Hanf-Nachschub aus Österreich bestellen muss, nur weil es leider immer noch keiner auf die Reihe kriegt, sich um den Nachschub zu kümmern!

Schaut euch doch einfach mal um, wer eurer Verwandten oder Bekannten Landwirt ist oder zumindest einen kennt oder fragt, wer stillgelegte Flächen, alte Traktoren und Anhänger besitzt. Mit einer Anbauerlaubnis und einem Abnahmevertrag mit einer verarbeitenden Industrie kann der Hanf-Anbau beginnen! Es müssen ja nicht gleich Hunderte von Hektar sein. Auch ein oder zwei Hektar sind ein Anfang und können, wenn man sich noch mit ein paar anderen zusammentut, von einem Lohnunternehmer abgeerntet, gepresst und zur Fabrik gefahren werden. Oder fragt doch mal eure Opas und Omas, vielleicht wissen die ja auch noch, wie man Hanf anbaut! Es wäre doch schade, wenn das ganze Wissen der älteren Generation verloren gehen würde. Dass dabei immer noch genug Zeit für andere schöne Dinge bleibt, könnt ihr ja an meinem kleinen Beispiel gut erkennen. Da dieser Weg aber sicherlich nicht alle von euch ansprechen wird, will ich nur noch einmal betonen, dass der Hanf über ein extrem vielseitiges Angebot an Möglichkeiten verfügt und eurer Phantasie – wie hoffentlich auch bald wieder dem Hanf – natürlich keine Grenzen gesetzt sind!

Und wenn der Hanf durch vermehrten Anbau, innovative Produkte und drogenpolitische Aufklärungsarbeit endlich wieder in der Gesellschaft etabliert wird, dann steht auch dem „Traumberuf Hanf-Bauer“ dank freier und uneingeschränkter Sortenwahl nichts mehr im Wege. Also macht euch auf, rettet die Welt, und vergesst dabei nicht, spätestens nach Feierabend dem „Vollnutz-Hanf“ als medizinisch wertvollem Genussmittel auch weiterhin die Ehre zu erweisen.

Mehr von der Hanf-Fabrik und natürlich von der Ernte wird es in den kommenden Wochen und Monaten geben.

Mit hanfigem Gruß Dr. Green
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