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Marijuana Jones and the last crusade
Dass es viel zu erzählen gibt, wenn es nun endlich zur Hanf-Ernte kommt, dachte ich mir ja schon.
Publiziert am: 04.11.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 05nov artikel Marijuana Jones and the last crusade

Dass es aber so viel sein würde, hätte ich doch nicht ganz erwartet. Deshalb hier auch nur ein kleiner Auszug der Ereignisse, die auf dem Hanf-Hof kürzlich von statten gingen und hoffentlich auch weiterhin gehen werden.

Als erstes ein kurzes Wort zu unserem liebevoll „Höllenmaschine“ genannten Hanf-Mäher.
Nach dem freundlichen Besuch der lieben Experten für Arbeitssicherheit mussten wir ein paar sicherheitstechnische, bauliche Änderungen (Foto Bastelstunde) vornehmen: Eine Aufstiegsleiter, ein Ventilatorenschutzgitter und eine rutschsichere „Einstiegsrampe“ wurden eingebaut und natürlich auch die obligatorischen „Sicherheitsaufkleber“ angebracht. Dann stand einer kleinen Jungfernfahrt nichts mehr im Wege.

Es ist schon beeindruckend, wenn auf das Betätigen mehrerer Hebel und Schalter (Foto Cockpit) nacheinander die zwei großen Dieselmotoren (einer für die Hydraulik, der andere für den Antrieb), die zwei gigantischen Einzugstrommeln, die beiden 50 Zentimeter durchmessenden Kreissägeblätter und die zwei je 1,6 Meter langen, mit 26 scharfen Messern besetzten und mit 2.000 Umdrehungen pro Minute rotierenden Schneidteller eingeschaltet werden! Sogar im Ruhezustand, angehängt an einen Traktor (Foto Höllenmaschine 2), sorgte dieses neun Tonnen wiegende Ungetüm auf dem Weg zu einem externen Einsatz auf dem Feld eines etwa 50 Kilometer entfernt wohnenden Landwirt-Kollegen, bei den Passanten in den Dörfern für Gesichter, wie man sie sonst von gerade von Außerirdischen Entführten erwarten würde.

All diese Kraft wird aber auch benötigt, um dem stellenweise über vier Meter hohen Hanf zumindest ansatzweise Herr zu werden. Hier zeigt sich nämlich wieder einmal sehr deutlich eine der größten Stärken des Hanfs: die Widerstandsfähigkeit! Egal ob auf kultureller Ebene gegen ignorante (Drogen-)Politiker und realitätsferne Beamte, oder, zum Leidwesen der Landwirte und Verarbeiter, gegen Hanf verarbeitende Maschinen. Die extrem stabile und reißfeste, den Hanfstängel umschließende Faser, scheint nichts lieber zu mögen, als sich so oft wie möglich um alle erreichbaren, vorzugsweise rotierenden Maschinenteile zu wickeln. Das hat schon so weit geführt, dass durch die Reibung der Fasern, die sich um den Antrieb der Kreissäge geschlungen hatten, die gesamte linke Einzugstrommel zu rauchen begann und dann wegen der Hitze und den vielen getrockneten Hanf-Pollen auch noch Feuer fing. Leider hatte ich an besagtem Tag meine Kamera nicht dabei. Mit all dem Qualm und dem Feuer, hätte sie sicherlich ganz und gar „from hell“ ausgesehen!

Nicht selten mussten aber diese eigenwilligen Fasern unter Einsatz all unserer Kräfte wieder zurück aufs Feld gezerrt werden. Ein besonderer „Spaß“ sind dabei die manchmal im Hanf versteckten Distelteile. Gut geschliffene Messer an den Schneidtellern, die einen sauberen Schnitt durch den Stängel erzeugen, können dieses Problem allerdings auf ein erträgliches Maß reduzieren. Der Duft und der Anblick aus drei Meter Höhe eines 70 Hektar großen Hanf-Feldes, das bei strahlender Sonne im Wind wie ein Meer aus Hanf (Foto) vor mir umherwogt, wenn wir mit der Maschine durch das Feld rollen, entschädigt alle Strapazen. Auch wenn ich – neuerdings allergisch – bei all den Pollen, so manches Päckchen Taschentücher verbraucht habe. Aber was tut man nicht alles für Hanf. Bei so viel hartnäckigen Fasern kommt einem der Hanf nach einem harten Tag auf dem Feld zwar normalerweise noch nicht zu den Ohren heraus, wohl aber zu den Schuhen. Abends hieß es: Hanf aus den Stiefeln schütten, damit das Haus nicht „schmutzig“ wird.

Ach ja, dass die meisten vernünftigen Menschen Hanf mögen, wusstet ihr ja bestimmt schon. Dass auch Tiere wie Hasen, Rehe und vor allem Schweine Hanf mögen, mag den einen oder anderen überraschen! Hanf wächst dicht, ist wunderbar zum Kratzen und Scheuern geeignet und schafft dank seiner großen Blattmasse und enormen Höhe ein für Schweine sehr angenehmes Mikroklima, folglich tummeln sich im Hanf unzählige Wildschweine, die sich dort in kleinen Tümpeln suhlen und sich manchmal „häuslich“ einrichten. Der Schaden hält sich dank der Robustheit der Pflanze zum Glück in Grenzen. Das Ganze ist übrigens auch sehr zur Freude der heimischen Jäger, die sich schon fast traditionell jedes Jahr bei der Hanf-Ernte rund um das Feld postieren und darauf warten, dass die Schweine ihre Deckung aufgeben ... Am nächsten Tag gibt es dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Wildschweinbraten. Arme Schweine!

Inzwischen ist das den ganzen Sommer so schön grüne und duftende Hanf-Feld komplett abgemäht und die Pflanzen liegen schön säuberlich in langen bräunlichen Schwaden zum „Rösten“ bereit. Durch Witterungseinflüsse zersetzen sich innerhalb von zehn bis 20 Tagen die Klebestoffe, die die Faser mit dem holzigen Teil des Stängels verbinden, was die Weiterverarbeitung erleichtert.

Begleitend zur Ernte war auch das Berliner Film-Team „Look-Zoom“ dabei, die den Film „Vollgras Voraus“ (Trailer gibt’s hier: gras.look-zoom.de ) drehen und dabei nach einer Besichtigung der Hanf-Fabrik auch noch unserem Hof einen kleinen Besuch abstatteten. Dann fielen „auf meinem letzten Kreuzzug“ auch noch die letzten 75 Quadratmeter Hanf, die noch für „Vollgras Voraus“ stehen geblieben waren. Mit Sense und Machete bewaffnet zog ich los, um mich dem Hanf mal ganz ohne maschinelle Hilfe, richtig „Old School“ halt, entgegen zu stellen. Nach ungefähr zweieinhalb Stunden kam ich dann verschwitzt und mit ein paar Blasen an den Händen – aber siegreich – zum Hof zurück! Das zähe Zeug ist wirklich nicht zu unterschätzen. Da der gemähte Hanf leider noch nicht ganz geröstet ist und auch der Weizen noch vor dem Winter in den Boden gesät werden muss, kann ich leider nicht mehr miterleben, ob die kombinierte Ballenpresse mit integrierter Samenauffang-Vorrichtung so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben.

Ich bleibe allerdings in Kontakt mit dem Hof und der Fabrik und werde mich hoffentlich auch weiterhin ein bisschen auf dem Laufenden halten können. Mein Praktikum ist jetzt beendet und ich muss vorerst den Hanf und die schöne Uckermark hinter mir lassen. Jetzt geht’s erst mal nach Kassel, um dort mein Öko-Land- und Gartenbau-Studium anzufangen. Inwieweit sich dort der Wiederanbau der neuen alten Nutz- und Kulturpflanze Hanf weiterverfolgen und unterstützen lässt, steht bis jetzt leider noch in den Sternen. Diese Pflanze wäre es auf jeden Fall mehr als wert!

In Zeiten des Klimawandels und Kriegen um fossile Rohstoffe steht mit Hanf ein fast kohlendioxid-neutraler, extrem vielseitig nutzbarer nachwachsender Rohstoff zur Verfügung! Nicht zu vergessen seine Rolle als Kulturpflanze, die den Menschen seit Tausenden von Jahren (be-)sinnliche Momente beschert. Auch heute noch, im schnelllebigen Zeitalter der Industrie und des Konsums, beschert sie kleine grüne Oasen der Wärme und Entspanntheit für immer mehr werdende und hoffentlich auch bald „liberalisierte“ (wohl eher nicht von der FDP) Freunde der verantwortungsbewussten Pflanzennutzung. Es wäre wirklich mal an der Zeit!

Also, lasst den Hanf nicht hängen – außer beim Trocknen – und ein gesegnetes Erntedankfest wünscht euch
Dr. Green
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