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Jah Rastafari
In den 1930er-Jahren tat sich eine Gruppe von ,,Spinnern“ (crazy men) zusammen und verkündete, der Kaiser von Abessinien sei der Messias.
Publiziert am: 07.04.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal Sa 05 growing artikel Jah Rastafari

Ras Tafari, der spätere Haile Selassie, war gemeint, dessen Name wörtlich ,,die Macht der Dreieinigkeit“ bedeutet. Kaum jemand ahnte damals, welche tief greifenden Auswirkungen diese Bewegung auf die Gesellschaft Jamaikas haben sollte. Die Rastafarians mit ihren langen Haaren und Bärten nahmen rein äußerlich die Hippie-Bewegung vorweg. Die Art, wie sie die Bibeltexte auslegten, schrie zwar gen Himmel - ihrem Selbstbewusstsein und ihrem Stolz, mit dem sie den neuen Glauben verkündeten, tat dies aber keinen Abbruch. Die Ras-Tafari-Bewegung setzte zeitlich genau nach einer geistlich-religiösen Bewegung unter den Schwarzen dieser Welt ein, der „Universal Negro Triprovement Associafion“ (UNIA) des Jamaikaners Marcus Mosiah Garvey. Sie setzte sich zum Ziel, die weltweit in der Diaspora lebenden Schwarzen zusammenzufassen, die nach den Juden das am meisten zerstreute Volk der Welt waren.

Garvey, am 17. August 1887 in St. Ann's Bay geboren, war von Beruf Drucker. Seine Organisation mit dem anspruchsvollen Namen erwies sich als eine verheißungsvolle Sache. Sie breitete ihren Einfluß auf der ganzen Welt aus. Garvey selbst reiste durch eine Reihe von mittelamerikanischen Staaten und ließ sich anschließend in den Vereinigten Staaten nieder. Die UNIA-Organisation gewann bald danach an Schlagkraft. Garveys Forderungen waren: Selbstbestimmung für alle Schwarzen ,,in der Heimat und im Ausland". Er begründete eine Bewegung ,,zurück nach Afrika“ und zog sich mit dem Ruf nach einem neuen schwarzen Selbstbewusstsein die Feindschaft der Weißen zu. Großen Einfluss übte er auf junge afrikanische Politiker aus - so zum Beispiel auf ,,Zik“ Azikiwe aus Nigeria, Kwame Nkrumah aus Ghana und Jomo Kenyatta aus Kenia, die später ihre Länder in die Unabhängigkeit führen sollten. In den Vereinigten Staaten kam es unter Garveys Einfluss zu der berühmten Busfahrt von Montgomery, die die Bürgerrechtsbewegung auslöste. Martin Luther King war später ihr berühmtester Vertreter. Garvey versuchte sich als Gründer einer Schifffahrtsgesellschaft, der Black Star Line, mit der er den Rücktransport der Schwarzen nach Afrika organisieren wollte. Sie war ein Stützpfeiler des Vertrauens auf die eigene Kraft. Er scheiterte schließlich mit diesem Plan, da ihn ein amerikanisches Gericht aufgrund fingierter Beweise zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe als Postbetrüger verurteilte, die er in Atlanta abzusitzen hatte. Garveys persönliche Ehrlichkeit und seine Integrität wurden von niemandem in Zweifel gezogen, auch nicht von denen, die ihn gerichtlich verfolgen liessen: Er beeindruckte selbst seine Kritiker. Er starb in aller Stille 1940 in London, doch bald erstrahlte sein Ruhm in vollem Glanz. Garveys Leichnam wurde feierlich auf seine Heimatinsel überführt und in einem Mausoleum beigesetzt.

Haile Selassie wurde am 22.07.1892 als Sohn von Ras Makonen unter dem Namen Tafari Makonen in Harar, Äthiopien geboren. Mit 14 Jahren bekam er die Herrschaft über verschiedene Gebiete und den militärischen Rang des Dejazmatch zuerkannt, der damals üblicherweise unter Gouverneuren verliehen wurde. 1908 wurde er zum Gouverneur seiner eigenen Heimatstadt Harar ernannt. 1911 heiratete er Itegne Menen, eine Enkelin von Ras Michael. Sie bekamen drei Söhne und drei Töchter. Prinzessin Zauditu, Tochter Meneliks II. wurde 1916 Kaiserin und Dejazmatch Tafari Makonen als Ras Tafari Regent und ihr Berater. Ras Tafari führte ein Programm zur Modernisierung Äthiopiens ein. Er ließ Schulen und Hospitäler bauen und bildete eine moderne Armee. Schon damals beschäftigte er sich sehr intensiv mit der Beziehung Äthiopiens zum Ausland. 1923 sicherte er Äthiopien den Eintritt in den Völkerbund. 1924 besuchte er Rom, Paris und London. 1930 starb Kaiserin Zauditu. Ras Tafari wurde „König der Könige” (Kaiser) und nahm den Namen Haile Selassie an. Außerdem erhielt er den Titel aller äthiopischen Kaiser „Siegreicher Löwe vom Stamme Juda”. 1931 garantierte er seinem Volk die erste schriftliche Verfassung in der Geschichte des Landes, welche bis 1955 in Kraft war. Diese Verfassung brachte Äthiopien ein besseres Erziehungssystem und technologische Vorteile. Unter der Führung von Kwame Nkrumah (ein Nachkomme Marcus Garveys) war Haile Selassie Mitglied einer Organisation für die Einheit Afrikas, deren ursprüngliche Mitgliederzahl 31 war. 1935 fielen die Italiener in Äthiopien ein (Kolonialisierung). Haile Selassie floh nach Europa und suchte dort die Hilfe des Völkerbundes, jedoch ohne Erfolg. Daher blieb er in England im Exil. Dort traf er Marcus Garvey, welcher tief enttäuscht davon war, dass der Kaiser sein Land in der Krisenzeit allein ließ. Garvey denunzierte Haile Selassie öffentlich als „cowardly lion” (feiger Löwe). Gegen Ende des 2. Weltkrieges zog Mussolini seine Truppen zurück und Haile Selassie kehrte zurück nach Äthiopien. 1945 eröffnete er die Ethiopian Airlines und führte einen 25-Jahresplan zur Steigerung der Nahrungsproduktion ein. Haile Selassie blieb ein orthodoxer religiöser Monarch als Führer der äthiopischen christlich-koptischen Kirche. Er wies die ersten ursprünglich äthiopischen Erzbischöfe in ihre Ämter ein.

1966 besuchte Haile Selassie Jamaika. Es war der turbulenteste Empfang, der jemals einer hohen Persönlichkeit bereitet wurde. Es ging sogar so weit, daß Haile Selassie zu ihnen sagte: „Betet mich nicht an, ich bin nicht Gott!”. Dies deutete erstmals darauf hin, dass die Rastafari-Gemeinschaft in Jamaika nicht zu unterschätzen ist. Haile Selassie verlieh Goldmedaillen an Mitglieder der Rastafari-Gemeinschaft. Dies bedeutete einen Aufstieg innerhalb der Gemeinschaft. In Äthiopien waren der Beliebtheit Haile Selassies jedoch Grenzen gesetzt. Unruhen, Korruption in der Regierung und die Hungerkatastrophe in den frühen 1970er-Jahren, die Millionen Menschen das Leben kostete, stürzten das Land in eine schwere Krise. Der Kaiser wurde angeklagt, das Leiden seines Volkes zu ignorieren, während er in Luxus und Wohlstand lebte. 1974 wurde Haile Selassie mit Unterstützung der Sowjetunion durch die äthiopische Armee gestürzt und durch eine marxistische Revolutionsregierung ersetzt und die 1955 von ihm erlassene Verfassung außer Kraft gesetzt. Tausende seiner Anhänger werden exekutiert. Das Volk verlangte wieder nach der Herrschaft durch Haile Selassie, doch nach langer Folterung starb der Kaiser im August 1975 und wurde in einem geheimen Grab beerdigt. Nachdem die Gegner Selassies die Herrschaft verloren, wurde das Grab gefunden. Später stellte man fest, das jeder Knochen in seinem Körper während seiner Gefangenschaft gebrochen wurde. Trotz aller menschlichen Fehler, die Haile Selassie beging, war er der Beginn einer Religion. Selbst bezüglich der Flucht Haile Selassies nach England üben die Rastas keine Kritik, sondern denken: „Ein Mann des Friedens meidet den Krieg“. 1987 wurde Äthiopien nach einer Verfassungsänderung zur „Demokratischen Volksrepublik” erklärt, Haile Mariam Mengistu wurde Staatspräsident. 1994 erhielt Äthiopien eine neue Verfassung, die in der nunmehr „Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien” das Zweikammer-System, sowie das Amt des Ministerpräsidenten mit weitreichenden Exekutivbefugnissen vorsieht.
Roland Grieshammer
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