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Mütter auf Zeit
Wer potente Mutterpflanzen haben möchte, braucht mindestens eine gut ausgebildete weibliche Pflanze, möglichst aus Samen gezüchtet, die die Grundlage für alles Weitere bildet.
Publiziert am: 07.04.05 - Medienformen: Medienform Text

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Eine Fläche von 50 x 50 Zentimetern bei 60 Zentimetern Höhe ist völlig ausreichend für eine Mini-Mutti-Kammer. Auf gute Belüftung kann jedoch auch hier nicht verzichtet werden.

Der Samen wird in ein leicht angefeuchtetes Medium (Steinwolle, Watte, Torfquelltopf) gelegt und 18 Stunden mit Leuchtstoffröhre(n), cool white, Lichtfarbe 840 beleuchtet. Nach der Keimung wird der Sämling in einen kleinen Topf gesetzt. Ist er gut bewurzelt, werden so wie weiter unten beschrieben ein oder zwei Stecklinge von ihm geschnitten und der gut durchwurzelte Keimling kommt zur Probeblüte. Das heißt, er wird zwölf Stunden der Dunkelheit und zwölf Stunden dem Licht ausgesetzt. Nach etwa einer Woche bilden sich die ersten Geschlechtsmerkmale („Säckchen“ bzw. „Härchen“). Ist es eine Lady, können die zuvor geschnittenen Stecklinge, sobald sie bewurzelt sind, als Grundlage der gesamten Zucht dienen. Hierbei handelt es sich nun sicher um ein Weibchen. Wichtig ist, die Auserkorene(n) richtig zu beschneiden, damit sie später möglichst viele Stecklinge abwerfen, der erste Schnitt sollte zwischen der zweiten und dritten Internodie (Verzweigung) erfolgen, danach wird jeder zweite neue Trieb beschnitten. So entsteht in relativ kurzer Zeit eine „Mini-Mutti“, von der man eine Handvoll Stecklinge schneiden kann.

Dazu werden folgende Vorbereitungen getroffen: Gewächshaus mit Medium füllen, sterile Klinge bereitlegen, Torfquelltöpfe oder Steinwollwürfel einweichen, Wasserglas und Stecklingspuder/-gel bereitstellen und eine Sprühflasche mit Wasser (pH-Wert 6,0) und eventuell Stecklingsnahrung füllen. Beim Schneiden ist darauf zu achten, die Schnittstellen möglichst kurz der Luft auszusetzen, also am besten direkt ab ins vorbereitete Wasserglas, da können sie dann 20 Minuten bis zwölf Stunden stehen. Das Wasserbad macht die Stängel weich, was bei der Bewurzelung hilfreich ist. Nach dem Einweichen werden die Stiele in Pulver/Gel getaucht, das Stängelende schräg abgeschnitten und sofort in den Torfquelltopf/ Steinwollwürfel gesteckt. Die Schnittstelle längere Zeit der Luft auszusetzen, bedeutet den sicheren Tod der Kleinen. Dann schneidet man die großen ungefähr zur Hälfte ab, um die Verdunstung zu reduzieren und eventueller Fäulnis vorzubeugen. Für Outdoor-Stecklinge sind Torquelltöpfe aus ökologischen Gründen der Steinwolle vorzuziehen. Nachdem die Babys ins Gewächshaus verfrachtet wurden sprüht mensch sie schön ein, Deckel drauf, Klappen zu und ab unter die Leuchtstoffröhre(n). Ich ziehe das Pulver dem Gel vor, da das Gel bei zuvor gewässerten Stielen mit der Zeit immer dünnflüssiger, also weniger stark, wird. Absolute Sauberkeit ist natürlich Voraussetzung für solch ein Vorhaben. Nach drei bis vier Tagen, in denen sie schön feucht (70 bis –80 % Luftfeuchte) gehalten und täglich einmal durch Abnehmen des Deckels gelüftet werden, sollten die Schiebeklappen der Gewächshäuser jeden Tag ein Stückchen mehr aufgeschoben werden. Nach spätestens sieben Tagen sollten die Schieber ganz offen sein, da sonst Schimmel- und Fäulnisgefahr besteht.

Sind die ersten Wurzelspitzen zu sehen, können die Stecklinge aus dem Gewächshaus in das vorgesehene Medium umgetopft werden. Die weitere Beschneidung hängt vom Bedarf des Züchters ab, also von Komponenten wie: zur Verfügung stehender Platz, gewünschte Zahl der Stecklinge, wie lange soll die Pflanze als Mutter dienen usw. Eine Sektkelchform ist in allen Fällen erstrebenswert. Bei der hier beschriebenen Methode pflanze ich die kommende Mutterpflanze jedoch nur in einen kleinen Zwei- bis Drei-Liter-Topf und beschneide wiederum ungefähr jeden zweiten neuen Trieb. So entsteht in kurzer Zeit eine neue kleine, stark verzweigte buschige Pflanze. Von dieser werden jetzt wieder wie weiter oben beschrieben Stecklinge abgenommen.

Nun wird die beschnittene Mutterpflanze zusammen mit den geschnittenen Stecklingen „in die Blüte geschickt“, nachdem vorher ein, zwei oder drei Stecklinge als neue „Muttis“ auserkoren wurden. Dabei sollte auf die bestgewachsenen Pflanzen vom schlechtesten Stellplatz zurückgegriffen werden. Das garantiert Kraft, Widerstandsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen, alles wichtige Eigenschaften für eine Mutterpflanze. Die auserkorenen Pflanzen werden wieder in Zwei- bis Drei-Liter-Töpfe umgepflanzt und wie beschrieben beschnitten. Innerhalb von zwei bis drei Wochen haben sich so neue Mini-Muttis entwickelt, von der jeweils fünf bis sechs Stecklinge geschnitten werden können, usw.

Auf diese Weise kann das all zu oft vorhandene Stecklingsproblem so gelöst werden, dass durchgehend eine kleinere Anzahl von Stecklingen zur Verfügung steht, ohne dass viel Platz oder Strom benötigt wird. Das langsamere Wachsen der Pflanzen unter Leuchtstoffröhren im Gegensatz zu dem unter Quecksilberdampflampen stört hierbei nicht, da immer mehrere kleine Mutterpflanzen zur Verfügung stehen, die den Bedarf des Kleinstgärtners abdecken.

Kimo
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