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Biologischer Pflanzenschutz
Publiziert am: 07.04.05 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal Sa 05 growing artikel Biologischer Pflanzenschutz

Hallo, liebe Growing-Freunde!

Eine neue Saison steht ins Haus und was könnte schlimmer sein als Pflanzen, die von Anfang an schlecht wachsen, kränkeln oder gar von Schädlingen befallen werden? Deswegen habe ich etwas recherchiert und ein paar nützliche Tipps für gesunde kräftige Pflanzen zusammengestellt, die später kräftige Buds hervorbringen können. Neben klassischen Problemen wie Nährstoffmangel und Schädlingsbefall habe ich auch etwas Interessantes über Mischkulturen und Pflanzenbrühen herausgefunden. Natürlich handelt es sich dabei nur um ökologisch und biologisch verträgliche Maßnahmen, denn Chemie hat in der Cannabis-Zucht nichts verloren. Man sollte nicht vergessen, dass es sich dabei um ein Naturprodukt handelt und ein gewisser Ausfall normal ist.

Eine gesunde Pflanze zeigt dann kräftigen und vitalen Wuchs, wenn alle ihre Bedürfnisse in einem gewissen Rahmen erfüllt sind, sie also gut versorgt wird. Anders herum deutet das Schadbild auf bestimmte Auslöser wie Nährstoffmangel, Pilz- oder Insektenbefall hin, die es mit gezielten Maßnahmen zu bekämpfen heißt, um die Gesundheit der Schützlinge wieder herzustellen. Beim Outdoor-Anbau hat man weniger Möglichkeiten einzugreifen, dafür erledigt die Natur oft schon den größten Teil der Arbeit. Im Indoor-Bereich gibt es mitunter mehr Schwierigkeiten, dafür lassen sich Schäden durch sinnvolle Prävention fast gänzlich vermeiden.

Klima

Viele Probleme lassen sich indoor durch das richtige Klima (Temperatur, Feuchtigkeit, Luftbewegung) verhindern. Temperaturen über 30 °C lassen die Blattspitzen vertrocknen, ebenso zu geringe Luftfeuchtigkeit. Zu tiefe Temperaturen können die Triebspitzen und Wurzeln schädigen, Frost kann zu ihrem Absterben führen. Zu hohe Luftfeuchtigkeit wiederum bedeutet Schimmelgefahr. In der Nähe der Lampe können zudem Verbrennungen durch Wassertropfen (Brennglasprinzip) auftreten, also solltet ihr auf ausreichend Abstand achten, damit die Tropfen nicht auf den Blättern landen. Kurzzeitige allgemeine Klimaschwankungen vertragen die Pflanzen gut.
Probleme im Haus können auch durch eine ausreichende Belüftung und Installation eines Thermostates vermieden werden. Zusätzlich kann (muss aber nicht) ein Hygrostat (Feuchtigkeitsregler) verwendet werden. Für die Verteilung der Luft im Raum wird ein Ventilator eingesetzt, der ruhig direkt auf die Pflanzen blasen kann, was einen kräftigen und kompakten Wuchs fördert. Ununterbrochenes Anpusten einer Stelle sollte vermieden werden, weil es sonst zu „Windbrand“ kommt. Am besten eignet sich ein Schwenkventilator.

Versorgung

Draußen wie drinnen kann es Probleme mit dem Boden bzw. der Wasser- und Nährstoffversorgung geben. Letztere zeigen sich oft durch charakteristische Mangelsymptome:

Essenzielle Nährstoffe
Stickstoff N    Schleppender Wuchs und gleichmäßiges Vergilben des gesamten Blattes, das sich an der Pflanze von unten nach oben fortsetzt. Rote Stängel und Blattstiele, kleine Blätter. Absterben der Blattspitzen und Nekrosestellen.
Phosphor P    Sehr langsamer und kümmerlicher Wuchs. Blätter klein und dunkelgrün mit rötlichen Adern an der Blattunterseite. Langsame Gelbfärbung der Pflanze von unten aus. Schwache Blütenbildung. Manchmal blau-rot-grüne bis violette Verfärbungen.
Makronährstoffe
Kalium K    Blätter sterben vom Rand und Blattspitzen an ab. Manchmal gelb gescheckte Blätter. Rote Stängel und Blattstiele. Geringe Standfestigkeit.
Kalzium Ca    pH-Wert prüfen und bei Bedarf kalken.
Magnesium Mg    Blattspitzen sterben ab. Blätter bekommen grüne Adern und rollen sich ein. Triebspitzen sind fast weiß. Tritt gelegentlich bei erdfreiem Anbau auf.
Eisen Fe    Überwiegend an Triebspitzen. Blätter werden chlorotisch mit grünen Adern.Tritt besonders auf kalkreichen Böden (pH-bedingt) auf.
Mikronährstoffe
Kupfer Cu, Mangan Mn, Nickel Ni, Zink Zn    Tritt bei erdfreien Substraten auf. Pflanze durch gestörtes Wachstum, geringe Vitalität und Abwehrkräfte gekennzeichnet.
Vorbeugend können verschiedene Zuschlagstoffe wie Guano, Hornspäne, Bittersalz oder Urgesteinsmehl mit unter das Substrat gemischt werden. Allerdings sollte man es mit dem Düngen nicht übertreiben, sonst ziehen die überschüssigen Nährsalze das Wasser aus der Pflanze und trocknen sie so von innen aus. Einhergehend mit schleppendem Wuchs sterben die Blattspitzen ab und die Blätter rollen sich ein. An den Wurzeln kann es zu giftigen Ablagerungen kommen. Dann solltet ihr sofort mit dem Düngen aufhören, bis die Pflanze alle überschüssigen Nährsalze abgebaut hat. In schweren Fällen den Topf (z. B. in der Dusche) mit klarem Wasser spülen.

Wachsen die Kleinen trotz guter Versorgung nicht richtig, sollte der pH-Wert kontrolliert werden. Die pH-Messstreifen gibt es in Apotheken, Drogerien oder dem Aquaristik-Fachhandel. Genauer sind die relativ teuren pH-Messgeräte. Der pH-Wert reicht von 0 (sauer) über 7 (neutral) bis 14 (basisch). Im Idealfall liegt er bei Erdkulturen zwischen 6,2 und 6,6. Sonst verhungert die Pflanze trotz ausreichendem Angebot an Nährstoffen.

Auch das Bodenklima spielt eine wichtige Rolle. Staunässe führt zum Absterben der Wurzeln, zu lange Trockenheit lässt die feinen Wurzelhärchen vertrocknen. Besonders gefährlich ist es, wenn die Pflanzen länger in trockener Erde stehen. Wird dann zuviel gegossen, verfaulen die bereits geschwächten Wurzeln noch schneller. In so einem Fall sollte man erst einmal vorsichtig angießen. Voraussetzung für ein optimales Wurzelwachstum sind eine gute Durchlüftung und Wasserleitfähigkeit, sowie eine hohe Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit des Substrats.

Schädlinge

Krankheitserscheinungen können auch durch Schädlinge wie Unkraut, Insekten, Nager und Wild oder Pilze hervorgerufen werden, seltener durch Tumore, Bakterien und Viren. Biologische Pflanzenschutzmittel und Nützlinge schaffen Abhilfe. Im Freien herrscht bereits ein natürliches Gleichgewicht zwischen Schädlingen und ihren Fraßfeinden. So lässt sich ein leichter Befall vielleicht nicht verhindern, dafür sind größere Ausfälle eher unwahrscheinlich. Doch können Nagetiere und Wild die jungen Pflanzen und Triebe anfressen (blühende Triebe werden in der Regel in Ruhe gelassen) oder niedertrampeln und Vögel die frisch gesäten Samen herauspicken. Eine Gefahr, die im Haus sicherlich nicht besteht. Unkraut wird ganz klassisch ausgezupft. Im Folgenden werden einige Schädlinge vorgestellt, die besonders drinnen einen optimalen Lebensraum finden. Dort siedeln sie sich vor allem auf bereits geschwächten Pflanzen an. Insekten werden auch von hohen Stickstoffgehalten angezogen.

Insekten
Grüne, schwarze oder graue länglich bis ovale Blattläuse leben auf der Blattunterseite und den Triebspitzen. Sie ernähren sich vom Pflanzensaft und scheiden Honigtau aus, der die Blätter mit einem klebrigen Film überzieht. Dort siedeln sich häufig Rußtaupilze an, die durch Giftstoffe das Wachstum der Blätter und Blüten stören, was zum Absterben der Blätter führen kann.
Abwehr & Prävention: Hartes Abduschen mit Wasser, Brennnesselsud oder schwacher Seifenlösung. Fressfeinde sind Florfliegen, Marienkäfer und Schlupfwespen. Der Honigtau kann leicht mit Wasser abgewaschen werden.

Die Trauermücke wird bis zu vier Millimeter lang und kann fliegen. Ihre sechs bis sieben Millimeter langen, glasig-weißen Larven vermehren sich schnell in feuchter Erde. Trauermücken richten keinen direkten Schaden an, sondern bleiben oft in den Blüten kleben, was nicht besonders schön ist. Die Larven können die Wurzeln anfressen.
Abwehr & Prävention: Gelbtafeln locken sie an, anstelle kann auch eine mit Wasser und ein paar Spritzern Spülmittel gefüllte knallgelbe Schale verwendet werden. Bei starkem Befall kommen parasitäre SF-Nematoden (Fadenwürmer) zum Einsatz.

Spinnmilben sind ungefähr 0,5 Millimeter lang und gelblichgrün, orange oder rotbraun gefärbt. Sie leben auf der Blattunterseite und legen dort ihre Eier ab. Da sie selbst schwer zu erkennen sind, können wir sie eher indirekt durch weißlich-gelbe Punkte an der Blattunterseite und den Gespinsten erkennen. Sie treten bei hohen Temperaturen und Trockenheit auf.
Abwehr & Prävention: Durch Eintüten der zuvor gewässerten Pflanzen in Kunststoffbeuteln entsteht ein Kleinklima, dass die Pflanzen einige Tage ertragen, die Spinnmilbe jedoch tötet. Nützlingsschonende Spritzmittel aus Kaliumsalzen, natürliche Fettsäuren Schmierseifen) und Raubmilben helfen ebenso.

Zu den Schildläusen gehören die unbeweglichen Napf- und Deckelschildläuse sowie die Schmierläuse. Während die Weibchen durch Ausscheidungen von Lack, Wachs oder Seide einen Schutzschild ausbilden, unter dem die Eier heranwachsen, sind die Männchen ein bis zwei Millimeter lange fliegenartige Insekten. Sie bohren sich mit ihrem Rüssel tief ins Gewebe ein und saugen den Pflanzensaft. Gleichzeitig geben sie Giftstoffe ab, die Blühverzögerung und Blattfall auslösen. Wie die Blattläuse scheiden auch sie Honigtau aus.
Abwehr & Prävention: Ältere Tiere sollten möglichst abgesammelt und die Pflanze mit Rapsöl behandelt werden.

Ein Befall mit Thripsen tritt ebenfalls häufig auf. Das sind ungefähr ein Millimeter große, längliche gelbliche oder schwarzbraune Insekten, die sich schnell bewegen und daher selten zu sehen sind. Ein Befall ist an hellen schleimig-glitzernden Flecken an der Blattoberseite, die im Licht schimmern und schwarzen Punkte (Kot) an der Blattunterseite zu erkennen. Sie leben bevorzugt auf den unteren Pflanzenteilen, weil sie das Klima um die Blüten nicht vertragen. Verbreitet werden sie häufig über Stecklinge.
Abwehr & Prävention: Blautafeln aufstellen und warme trockene Luft vermeiden. Dazu die Pflanzen öfter mal einsprühen.

Weniger häufig, aber nicht weniger gefährlich ist der Dickmaulrüssler. Dieser schwarze nachtaktive Käfer wird bis zu zehn Millimeter groß und frisst mit Vorliebe Triebe und Blätter an. Typisch ist ein halbkreisförmiges Fraßbild. Da sie sich rasch vermehren und einen erstaunlichen Appetit zeigen, ist eine junge Zucht bei einem Befall durchaus in Gefahr oder es sind ernsthafte Einbußen bei der Ernte zu erwarten. Ihre Larven fressen zusätzlich die Wurzeln an.
Abwehr & Prävention: Man kann ein Brett auslegen unter dem sie sich tagsüber sammeln. HM-Nematoden fressen ihre Larven.

Pilze

Pilze siedeln sich vor allem auf geschädigten Pflanzen an. Dabei mögen sie es feucht, weswegen die dichten Buds gegen Ende der Blüte besonders gefährdet sind. Also regelmäßig kontrollieren!
Besonders häufig treten Schimmelpilze wie Blattfleckenpilze oder Grauschimmel auf, vor allem bei Stickstoffüberdüngung. Die beste Behandlung liegt in der Beseitigung der Pflegefehler. Dazu gehören auch das Entfernen vertrockneter, verwelkter und verschimmelter Blätter.
Rußtaupilze siedeln auf dem Honigtau. Es genügt, sie mit einem feuchten spülmittelhaltigen Lappen abzuwischen und sich auf die Beseitigung der Schädlinge zu konzentrieren.
Selten treten sogar bei der Indoor-Zucht Hutpilze auf, die dem Boden und damit den Pflanzen wichtige Nährstoffe entziehen. Meistens reicht es sie auszuzupfen – vereinzelte Exemplare können als Dekoration stehen bleiben ;-).

Pflanzenschutzmittel

Nachdem wir nun die wichtigsten Schädlinge kennen gelernt haben, stelle ich noch einige Pflanzenschutzmittel vor. Es handelt sich dabei teilweise um (biologische) Insektizide, die nur im Notfall angewendet werden sollten. Auch hier gilt: Vorbeugen ist besser als heilen! Die letzten beiden Wochen vor der Ernte sollte generell kein aggressives Pflanzenschutzmittel benutzt werden. Gängige Pflanzenschutzmittel werden gesprüht oder mit den Nährstoffen von der Pflanze aufgenommen. Erstere überziehen die Insekten mit einem Film und verkleben sie, oder sie vergiften sie. Die zweite Art wirkt, indem sie die Schädlinge durch Veränderung des Aromas abschreckt oder vergiftet.

Pyrethroide werden aus den Blüten der Chrysantheme gewonnen, teilweise aber auch synthetisch hergestellt. Sie wirken, indem sie das Weiterleiten von Nervenimpulsen verhindern aber sind auch für den Menschen nicht ganz unbedenklich. Schonender für die Pflanze ist es, sie mit einem Gemisch aus Wasser und etwas Schmierseife oder Rapsöl abzuwaschen oder hart abzuduschen.
Zu den natürlichen Fraßfeinden der Schädlinge zählen Marienkäfer, Florfliege, Larven oder Nematoden. Es gibt sie in vielen Baumärkten, gut sortierten Blumenhandlungen und Grow Shops oder direkt bei www.neudorff.de.

Prävention

Damit die Krabbeltierchen gar nicht erst in die Anlage kommen sind Sauberkeit und Hygiene das A und O. Vor und nach jeder Saison sollte sie gut gereinigt und desinfiziert werden. Einige Insekten werden auch häufig über Stecklinge und unsaubere Erde verbreitet. Mit erdfreien Substraten lässt sich zumindest letzteres verhindern. Vorbeugend kann auch mit Neem-Öl, dem Saft einer Teebaumart gearbeitet werden, der die Pflanzensäfte für Insekten ungenießbar macht und vermutlich ihre Fortpflanzung beeinträchtigt.
Pflanzenbrühen dienen der Abwehr und als Pflanzenstärkungsmittel. Dafür Brennnesseln, Schachtelhalm oder Rainfarn zerkleinern, in Wasser ansetzen und aufkochen. Je nach Einsatzgebiet werden sie (verdünnt) gesprüht oder gegossen und töten so besonders die Larven im Boden. Weitere Pflanzenstärkungsmittel sind Algen, Guano, Hornspäne und Jauchen oder Kaltwasserauszüge verschiedener Kräuter. Sie liefern langfristig Nähr- und Abwehrstoffe oder verbessern die Bodenqualität.

Pflanzgemeinschaften

Eine weitere, sehr interessante Methode ist die Mischkultur, in der sich verschiedene Pflanzen gegenseitig unterstützend beeinflussen. Auch ihr Gegenstück, die Allelopathie kann helfen, mögliche Störenfriede ausfindig zu machen. Leider gibt es für die Hanf-Zucht bisher kaum verwertbare Informationen.
So scheiden Basilikum, Ringelblume und, Sonnenblume über die Wurzeln Saponine ab, die z. B. die Nährstoffaufnahme erleichtern. Dabei darauf achten, dass die Pflanzen verstreut stehen. Da dies weitestgehend Neuland ist, fühlt sich der eine oder die andere vielleicht berufen, die helfenden Pflanzen einmal auszutesten oder hat schon Erfahrungen gesammelt. Ich würde mich freuen von euren Berichten zu hören. Schreibt doch einfach eine Mail oder direkt in unser Forum.
Mit hanfigen Grüßen Andreas Schult
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