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breitspiele
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Byzantium
Spielen, spielen, spielen, immer nur spielen, ist das nicht langweilig? Nein, ist es nicht.
Publiziert am: 01.03.06 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 06maerz artikel breitspiele Byzantium

Denn trotz vieler etwas dröger Spiele, die alljährlich in den Regalen der Läden landen, gibt es hin und wieder welche, die aus der Masse herausragen. Doch, wie heißt es so schön, wer die Wahl hat, hat die Qual. Woher weiß ich, ob ein Spiel was taugt oder nicht? Eigentlich nur, wenn man es gespielt hat. Nach welchen Kriterien kann ich mich dann richten?

Das sind zum einen die Verlage selbst. Kaufe ich ein Spiel von Ravensburger oder Schmidt ist klar, dass es sich dabei um ein Familienspiel handelt. Also nicht zu umfangreiche Regeln und somit kann ein Spiel recht schnell begonnen werden. Für eine Spielerin wie mich sind die Spiele manchmal etwas zu simpel. Etwas anspruchsvoller sind die Spiele aus dem Hause Hans im Glück oder alea (Ravensburger für Vielspieler). Natürlich gibt es noch etliche andere größere Spieleverlage, die an dieser Stelle nicht alle aufgezählt werden können. Aber auch die kleinen Spieleverlage sollten nicht außer Acht gelassen werden. So hat es Friedemann Friese mit seinem 2F-Verlag inzwischen geschafft. Leider finden die Spiele der Kleinen meist nicht den Weg ins Kaufhaus, sondern sind nur in einschlägigen Spieleläden zu finden. Dort gibt es allerdings eine kompetente Beratung und nicht selten lassen sich die Mitarbeiter auf ein Testspiel ein.

Natürlich werden nicht nur hierzulande Spiele erfunden und produziert, Spiele aus anderen Ländern werden oft von einheimischen Verlagen vertrieben. FantasyFlightGames oder Eagle Games sind zwei große amerikanische Verlage, mit deren Spiele ich bisher noch nicht auf die Schnauze gefallen bin. Da sie in der Regel allerdings etwas teurer sind, immer erst einmal schauen, ob einem Thema und Art des Spiels überhaupt gefallen. Denn was habe ich davon, ein Eisenbahnstreckenbauspiel zu kaufen, wenn ich es eigentlich überhaupt nicht ausstehen kann, Eisenbahnstrecken zu bauen. Wenn man erst einmal ein paar Spiele ausprobiert hat, stellt man nicht selten fest, dass einem die Spiele bestimmter Autoren Spaß machen - ieder ein Kriterium. Ich zum Beispiel bin ein ausgesprochener Fan der Spiele des Engländers Martin Wallace. Seine Spiele sind allerdings nur was für Leute, die auf komplexere Spiele stehen. Inzwischen entwickelt Wallace nicht mehr nur Spiele im Eigenverlag (warfrog) sondern auch für die großen Verlage, dann sind die Spiele auch etwas einfacher und familientauglich.

Noch wichtiger ist natürlich das Spiel selbst. Stehe ich auf Spiele mit großem Glücksfaktor, wären Strategiespiele genau das Falsche und Würfelspiele das Richtige. Wenn ich schnelle und kurze Spiele mag, sind Kartenspiele meist der richtige Einstieg. Und die sind auch nicht so teuer und damit auch der Frust nicht so groß, wenn es dann doch nicht das richtige Spiel ist. Wer allerdings seines Glückes eigener Schmied sein will, ist bei einem glücksbetonten Spiel völlig aufgeschmissen und wird sich nur ärgern. Also heißt es wieder: ab ins Spielegeschäft und fragen. Auch ich habe einmal so angefangen.

Bei der Auswahl eines Spiels liefern die Kartons schon die ersten Hinweise. Das kann schon das Thema sein. Wenn ich darauf aus bin, die ganze Welt zu besiegen, sind Spiele a la „Risiko“ passend. Wer lieber auf Interaktionen steht, mag mit „Activity“ glücklich werden. Nächstes Kriterium – die Altersangabe. Spiele ab Acht sind definitiv auch für Kinder geeignet, was nicht heißt, dass sie schnell langweilen, aber in der Regel dauern sie nicht so lange und sind recht einfach, können aber auch viel Spaß machen, wie zum Beispiel „Dschamal“ aus dem Hause Zoch. Sie füllen aber nicht unbedingt einen Spieleabend aus. Auch die Zeitangabe ist wichtig. Wer gerne in ein Spiel eintaucht, sollte sich kein Spiel anschaffen, das gerade mal 30 Minuten dauert. Nächster Punkt: Mit wie vielen Leuten kann ich das Spiel eigentlich spielen. Wer gerne in größeren Runden spielt (ab fünf Leuten), wird am ehesten bei Kartenspielen fündig. Brettspiele für viele sind seltener. Inzwischen sind die Verlage aber auf den Trichter gekommen – wie zum Beispiel bei dem Klassiker „Siedler von Catan“ – Erweiterungssets nachzuschieben.
So, das waren im Großen und Ganzen die wichtigsten Tipps. Also beim nächsten Besuch in einem Spieleladen direkt zum Verkäufer gehen und dann heißt es zum Beispiel:
„Guten Tag, ich suche ein Spiel, das zu zweit genauso viel Spaß macht wie zu dritt oder viert. Es sollte abendfüllend sein, Abwechslung bieten, einen historischen Background haben, die Regeln dürfen nicht so lang und schwer verständlich sein und das Spiel sollte nicht mehr als 30 Euro kosten.“ Der Verkäufer denkt kurz nach und empfiehlt:

Byzantium

Das neueste Spiel von Martin Wallace. Als ich das Spiel zum ersten Mal angetestet hatte, war es eine mittlere Katastrophe. Warum? Weil ich die Regeln zu oberflächlich durchgelesen habe und es eigentlich bei Wallace-Spielen immer so ist, dass die Erleuchtung „Ah, so funktioniert es“ immer etwas auf sich warten lässt. Eine weitere Überraschung war: „Oh, nur für zwei bis vier Spieler“. Dabei waren die Warfrog-Spiele eigentlich bisher auch zu sechst spielbar. Nichtsdestotrotz, nach gründlichem Durchlesen der Regeln und zwei weiteren Spielrunden waren alle Fehler ausgeräumt und mein Fazit lautet: Ein schönes Spiel.
Das Szenario: Wir schreiben das Jahr 632 nach Christus. Das römische Reich steht vor dem Aus. Nur Byzantium ist übriggeblieben. Die Araber sind auf dem Vormarsch. Auf dem Spielplan stehen noch einige byzantinische Städte und die ersten arabischen Städte unterschiedlicher Verteidigungskraft. Diese können sich die Mitspieler erst einmal einverleiben, um sich eine gute Ausgangsposition und Einkommen zu sichern. Der Clou des Ganzen: Die Spieler vertreten sowohl die arabische als auch die byzantinische Seite. Und wer einigermaßen ausgewogen beide Imperien ausbaut, hat die größten Siegchancen. Denn am Spielende werden die Siegpunkte beider Seiten zusammengezählt und es gewinnt wie immer der mit den meisten Punkten. Natürlich gibt es auch da Ausnahmen. Aber das seht ihr dann selbst.
Siegpunkte: Die gibt es für erfolgreiche Belagerungen, für den Bau von Moscheen und Kirchen, für erfolgreiche Bulgarenangriffe und für die Kaiser- und Kalifenrolle.
Kämpfe: Jeder Spieler besitzt eine arabische und eine byzantinische Armee, wobei Kämpfe nur zwischen arabischen und byzantinischen Armeen stattfinden. Natürlich kann man mit der eigenen byzantinischen nicht die eigene arabische Armee angreifen. Damit Araber gegen Araber und Byzantiner gegen Byzantiner antreten, muss die Sonderaktion „Bürgerkrieg“ gespielt werden. Kämpfe werden ausgewürfelt. Vier, Fünf und Sechs sind Treffer. Natürlich kosten Armeen Unterhalt, unversorgte Armeen fliegen aus dem Spiel. Und es gibt auf beiden Seiten eine Bürgerwehr, die die Städte verteidigen.
Eroberung von Städten: Nachdem zuerst die Armeen gegeneinander gekämpft haben, kann sich die Bürgerwehr verteidigen und die Stadt selbst hat ebenfalls noch einen Verteidigungswurf. Sollte dann der Angreifer gewonnen haben, erhält er die Stadt. Diese wechselt den Besitzer und die Seite, das heißt aus einer arabischen wird eine byzantinische und umgekehrt. Beim Bürgerkrieg wechselt natürlich nur der Besitzer.
Sonstiges: Städte können ausgebaut und befestigt werden, Flotten gebaut, Armeen verstärkt und Städte kontrolliert werden.
Der Clou: Alles, was man macht, macht man mit kleinen Holzwürfeln, sie repräsentieren die Armeestärke, sie werden auf die Sonderaktionsfelder gelegt, eroberte Städte werden damit markiert. Und ihr Einsatz kostet Geld und pro Runde stehen den Spielern nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung, die kostenlos eingesetzt werden dürfen. So ist „Byzantium“ ein Spiel um „geschicktes Holzwürfelmanagement“.
Spiellänge: Nach drei Runden ist das Spiel endgültig vorbei, allerdings können die Runden sich lange hinziehen, je nachdem, wie viele Aktionen die Spieler machen.
Summa Summarum: Ein Spiel für Vielspieler, es macht zu zweit genauso viel Spaß wie zu dritt oder viert. Es füllt einen Spielabend aus, notfalls legt man noch ein Spiel nach. Die Aktionen sind vielfältig, die Strategien ebenso. Und wie schon gesagt: Ein schönes Spiel.
Note: 1

Kerstin Koch


Byzantium
Autor: Martin Wallace
Verlag: Warfrog
Spieler: 2–4
Alter: ab 12
Dauer: mindestens zwei Stunden
Preis: ca. 30 Euro

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