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Cannabis bei Morbus Crohn
In letzter Zeit gibt es vermehrt deutliche Hinweise darauf, dass die Verwendung von Cannabis bei der Behandlung von Morbus Crohn hilfreich sein könnte.
Publiziert am: 01.03.06 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 06maerz artikel Cannabis bei Morbus Crohn
Inzwischen werden erste klinische Studien zur Wirksamkeit von Cannabis-Präparaten bei Morbus Crohn von der Universität München und einer britischen Firma durchgeführt, die einen Cannabis-Extrakt produziert.

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die meist mit anhaltenden Durchfällen, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und Müdigkeit einhergeht. Benannt ist sie nach Dr. Burill Bernard Crohn, der sie im Jahre 1932 zum ersten Mal beschrieben hat. Die genaue Ursache für die Erkrankung ist heute noch nicht bekannt. Man nimmt an, dass sie sowohl genetisch bedingt sein als auch durch verschiedene Umwelteinflüsse hervorgerufen werden kann. Der Ausbruch der Erkrankung beruht auf einer Störung der natürlichen Barriere des Darms gegen Bakterien und anderen Erregern, sodass diese in die Darmwand eindringen können. Dies alarmiert das Immunsystem und es kommt zu einer Abwehrreaktion des Körpers, die zu einer Entzündung führt. Gerät das Immunsystem dann außer Kotrolle, so kommt es regelmäßig zu sehr starken Abwehrreaktionen, wodurch die Entzündungen chronisch werden. Dabei kann beim Morbus Crohn der gesamte Magen-Darm-Trakt, vom Mund bis zum After, betroffen sein. Allerdings sind meist nur verschiedene Abschnitte des Darms betroffen. Durch immer wiederkehrende Entzündungen können sich eitrige Abszesse, Fisteln und Darmverengungen bilden.

Bisher ist Morbus Crohn nicht heilbar. Zurzeit beruht die Behandlung auf einer akuten Linderung der Entzündungen und einer Verlängerung der beschwerdefreien Zeiträume. Dazu werden vor allem immununterdrückende Substanzen verwendet, die den Ausbruch einer überschießenden Abwehrreaktion verhindern. Die akute Entzündung wird mit entsprechenden Medikamenten eingedämmt. Die akute Behandlung starker Darmentzündungen erfolgt auch heute noch überwiegend mit Kortison. Dies führt zwar meist zu einer erfolgreichen Verdrängung der Entzündung, ist jedoch bei langzeitiger Einnahme oft mit schweren Nebenwirkungen verbunden, wie zum Beispiel Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und Entkalkung der Knochen.

Möglicherweise könnte Cannabis aufgrund seiner entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften und dem Ausbleiben schwerwiegender körperlicher Nebenwirkungen eine sinnvolle Alternative oder zumindest eine Ergänzung zu den heutigen Behandlungsmethoden darstellen. Schon vor Jahrhunderten wurden Cannabis-Extrakte in der Naturheilkunde zur Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen verwendet und auch heutzutage berichten viele Personen, die an Morbus Crohn erkrankt sind, dass ihre Beschwerden durch Cannabis gelindert werden. Dabei vermindert Cannabis nach Angaben der Patienten nicht nur die mit der Erkrankung einhergehenden Schmerzen und Krämpfe, sondern kann auch zur Einsparung entzündungshemmender Medikamente beitragen. Im November 2003 wurde erstmals ein Patient mit Morbus Crohn, der Cannabis zu medizinischen Zwecken verwendet hat, weil andere Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder starke Nebenwirkungen verursachten, von einem Berliner Richter vom Vorwurf des illegalen Betäubungsmittelbesitzes freigesprochen. Praktisch bedeutet das für ihn die Erlaubnis, Cannabis zur Behandlung seiner Erkrankung zu verwenden.

Die Berichte von Patienten über die positiven Wirkungen von Cannabis oder Cannabinoiden werden durch eine Anzahl von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung gestützt. So verhinderten beispielsweise ein synthetisches Cannabinoid sowie Cannabinoide, die vom Körper selbst produziert werden, eine Entzündung des Dickdarms bei Mäusen. Kürzlich konnte zudem gezeigt werden, dass eine künstliche Erhöhung der Konzentration eines körpereigenen Cannabinoids die Dickdarmentzündung bei Mäusen und Ratten hemmt. Auch bei Gewebeproben von Morbus-Crohn-Patienten führte die Gabe von Cannabinoiden zu einer beschleunigten Wundheilung des entzündeten Gewebes. Darüber hinaus wurde in den erkrankten Geweben eine erhöhte Anzahl von Rezeptoren gefunden, an die sich sowohl pflanzliche als auch körpereigene Cannabinoide binden und dadurch ihre Wirkung entfalten können.

Man glaubt heute, dass die Zunahme von Cannabinoid-Rezeptoren in entzündeten Geweben einen Teil der Anstrengungen des Organismus darstellt, eine übermäßige Entzündung zu dämpfen und, dass durch die Einnahme pflanzlicher Cannabinoide die Wirkung des körpereigenen Cannabinoid-Systems verstärkt werden könnten. Nähere Einblicke in das Potenzial von Cannabinoiden bei der Behandlung von Morbus Crohn werden von den derzeit durchgeführten klinischen Studien erwartet.
Dr. med. Franjo Grotenhermen & Dr. rer. nat. Britta Reckendrees
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