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Cannabis-Produkte gegen Überaktivität bei der Alzheimer-Krankheit
Ärzte der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Charité in Berlin haben im März 2006 die Ergebnisse einer kleinen Studie zur Wirkung von THC auf die nächtliche Bewegungsaktivität von sechs Patienten mit fortgeschrittener Demenz veröffentlicht.
Publiziert am: 09.05.06 - Medienformen: Medienform Text

Dr. med. Franjo Grotenhermen, ist Mitarbeiter des nova-Instituts in Hürth bei Köln und Vorsitzenderder Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM).
Unter Demenz versteht man die Abnahme der intellektuellen Leistungsfähigkeit im Alter. Von diesen sechs Patienten leiden fünf an der Alzheimer-Krankheit und ein Patient an einer Demenz aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Die Ärzte haben festgestellt, dass bereits geringe THC-Dosen von 2,5 Milligramm, die den Teilnehmern abends verabreicht wurden, die Bewegungsaktivität deutlich reduzierten.
Nach Angaben der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft leben in Deutschland gegenwärtig fast eine Million Demenz-Kranke, von denen zwei Drittel von der Alzheimer-Krankheit betroffen sind. Es wird erwartet, dass wegen der weiter steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung die Häufigkeit der Alters-Demenz in den kommenden Jahrzehnten weiter zunimmt. Die Erkrankung ist durch Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, des Denk- und Urteilsvermögens gekennzeichnet. Hinzu kommen Störungen der Emotionen und des Verhaltens. Eine verstärkte Bewegungsaktivität (Agitiertheit) ist die häufigste Form der Verhaltensstörung und kann 75 Prozent der Erkrankten betreffen. Sie kann die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familienangehörigen stark beeinträchtigen.
In der aktuellen Studie aus der Berliner Universitätsklinik nahm die nächtliche Bewegungsaktivität im Durchschnitt um mehr als ein Drittel auf 59 Prozent des Ausgangswertes ab. Die Bewegungsaktivität wurde mit einem Bewegungsmesser, der an einem Handgelenk getragen wurde, gemessen. Der verwendete Bewegungsmesser enthält einen Beschleunigungsmesser, der es erlaubt, den Umfang und die Stärke von Bewegungen zu erfassen, die in Aktivitätswerte umgewandelt werden. Nach Angaben der Autoren des Artikels war die Verringerung der nächtlichen Bewegungsaktivität bereits nach der ersten Gabe von THC messbar. Die Wissenschaftler verwendeten eine niedrige THC-Dosis, um sicher zu gehen, dass keine Nebenwirkungen verursacht werden. Und tatsächlich, es wurden keinerlei Nebenwirkungen beobachtet. Möglicherweise können daher zumindest bei einem Teil der Patienten etwas höhere Dosen verwendet werden, die das Behandlungsergebnis noch weiter verbessern. Bei drei früheren Studien mit Alzheimer-Kranken wurden zweimal täglich 2,5 bis zweimal täglich fünf Milligramm THC verwendet, ohne dass relevante Nebenwirkungen aufgetreten waren. Auch in den früheren Untersuchungen, die in den USA durchgeführt worden waren, hatte THC die übermäßige Bewegungsaktivität bei Alzheimer-Patienten deutlich verringert.
Ein Betreuer der Patienten füllte zudem einen standardisierten Fragebogen aus, der zur Beurteilung der Krankheitscharakteristika von Demenz-Kranken entwickelt worden war. Er erfasst zwölf neuropsychiatrische Störungen, die bei einer Demenz häufig auftreten. In der Berliner Studie wurden die Werte für „abweichendes motorisches Verhalten", „Agitiertheit", „nächtliches Verhalten", „Störungen des Appetits" und „Reizbarkeit" signifikant verbessert. Die Werte für die übrigen Symptome wurden nicht signifikant beeinflusst.
Erstmals fiel im Jahre 1997 auf, dass THC die Agitiertheit von Alzheimer-Patienten reduzierte. In dieser ersten Studie handelte es sich um eine zufällige Beobachtung. Eigentlich hatte man in der Untersuchung mit 15 Teilnehmern den Einfluss von THC auf den Appetit von Alzheimer-Patienten, die die Nahrung verweigerten, messen wollen. Tatsächlich führte THC auch zu einer Gewichtszunahme. Überraschenderweise nahm jedoch zudem das verwirrte Verhalten ab. Zwei weitere kleine Studien, die im Jahre 2003 auf wissenschaftlichen Kongressen vorgestellt worden waren, bestätigten diese Beobachtung, nach der THC die übermäßige Bewegungsaktivität, die häufig bei Alzheimer-Kranken beobachtet wird, reduzieren kann. In einer Untersuchung wurde zudem die Auswirkung der THC-Behandlung auf die Belastung der Betreuer der Kranken beurteilt. Danach nahm die Belastung der Betreuer ab und die Patienten konnten Alltagsaktivitäten besser bewältigen.
In der aktuellen Studie wurde die Agitiertheit erstmals objektiv mit einem Bewegungsmesser erfasst. Die Agitiertheit von Demenz-Kranken ist mit den zur Verfügung stehenden Medikamenten oft nicht befriedigend behandelbar. Die Ärzte der Berliner Charité weisen daraufhin, dass THC eine neue Behandlungsmöglichkeit für diese große Patientengruppe darstellen und dabei helfen könnte, kostenintensive und lang dauernde Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.
Dr. med. Franjo Grotenhermen
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