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Feuer auf Sabine Bätzing

Immer weniger Informationen – die neue Strategie der Drogenbeauftragten?
Publiziert am: 20.09.06 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Hans Cousto
Auf den Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit findet man – mit Ausnahme zum Thema Tabak – immer weniger aktuelle Informationen zum Thema Drogen. Etwa die Hälfte aller Pressemitteilungen des Jahres 2006 der Bundesdrogenbeauftragten betreffen das Thema Tabak. Die anderen betreffen den Jugendschutz (wiederum mit Schwerpunkt Tabak), den Drogen- und Suchtbericht und den Weltdrogentag. Zu den Themen Alkohol und Substitution erschien ebenfalls je eine Pressemitteilung. Zu allen anderen Themen gibt es keine neue Informationen, weder bei den Pressemitteilungen noch in den Rubriken für die einzelnen Substanzen respektive Substanzgruppen.

Die vielfältigen Bemühungen, den Tabakkonsum bei Jugendlichen zu reduzieren, scheinen erfolgreich zu sein. Diese Erfolge betont die Bundesdrogenbeauftragte immer wieder in Pressemitteilungen mit Aussagen wie „Ich freue mich, dass immer mehr Jugendliche in Deutschland den Griff zur Zigarette ablehnen. Die Raucherquote in der Altersgruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen ist von 23 Prozent im Jahr 2003 auf 20 Prozent im Jahr 2005 gesunken. Entsprechend ist auch die Zahl der Jugendlichen gestiegen, die noch nie geraucht haben: In der Altersgruppe der Zwölf- bis 15-Jährigen haben 57 Prozent im Jahr 2003 angegeben, noch nie geraucht zu haben, im Jahr 2005 waren es 62 Prozent.“ oder „Es wird weniger geraucht, vor allem bei den Jugendlichen. Die Raucherquote in der Altersgruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen ist von 28 Prozent im Jahr 2001 auf 20 Prozent im Jahr 2005 zurückgegangen.“ Hin und wieder werden diese Aussagen ergänzt mit Feststellungen zum Cannabis-Konsum bei Jugendlichen, wie etwa „Über ein Viertel der Jugendlichen hat mindestens einmal Cannabis konsumiert. Das Einstiegsalter ist in den letzten Jahren gesunken und liegt aktuell bei 16,4 Jahren. Je früher die Jugendlichen zum Joint greifen, desto größer ist das Risiko für eine psychische Abhängigkeit.”

Bemerkenswert erscheint die Tatsache, dass derzeit weit mehr Jugendliche (über 25 Prozent) mindestens einmal Cannabis konsumiert haben sollen, als rauchen (20 Prozent). Offenbar führt eine frühzeitige Erfahrung mit Cannabis bei vielen Jugendlichen nicht zu einer erhöhten Raucherquote, da bei einer zunehmenden Anzahl von Jugendlichen, die bereits in jungem Alter Cannabis probierten, die Raucherquote bei Jugendlichen in den letzten fünf Jahren stark zurückgegangen ist.

Im Februar stellte Sabine Bätzing in einer Pressemitteilung eine Untersuchung zur Verbesserung der Substitutionsbehandlung Drogenabhängiger vor. Ansonsten findet man auf den Seiten des Gesundheitsministeriums keine neue Informationen zu diesem Bereich. Keine Meldungen zum Stand der Dinge bei den Heroinabgabeprojekten, keine Meldungen bezüglich der vielerorts ungenügenden Anzahl von Ärzten, die bereit sind, Substitutionsbehandlungen durchzuführen, keine Meldungen zu irgendwelchen Maßnahmen zur Reduzierung der Infektionen mit Hepatitis C bei den Konsumenten von Opiaten, die ihren Stoff intravenös applizieren.

In den Rubriken „Ecstasy/synthetische Drogen“ und „Heroin/Kokain/Crack“ findet man auf den Seiten des Gesundheitsministeriums nur Meldungen, die zur Zeit der Amtsvorgängerin von Sabine Bätzing, Marion Caspers-Merk, eingetragen wurden. Obwohl in der letzten Zeit in den Medien immer wieder von einem zunehmenden Kokain-Konsum berichtet wurde und obwohl die Nachfrage zu Informationen betreff Kokain auf diversen Websites innerhalb des letzten Jahres überproportional zu genommen hat, findet man keine Informationen hierzu auf den Seiten des Gesundheitsministeriums. Insbesondere fehlt hier jeglicher Hinweis zum Thema „Safer Sniffing“ zur Reduzierung des Infektionsrisikos bei der nasalen Applikation von Kokain. Da die Wirkdauer von Kokain relativ kurz ist im Vergleich zu anderen Stimulanzien wie Amphetamin oder Methamphetamin, schnupfen Kokainisten häufiger als die Konsumenten von Amphetamin oder Methamphetamin und schädigen dadurch ihre Nasenschleimhäute in besonders starkem Maße. Deshalb sollten Kokainisten immer nur ihr eigenes Röhrchen zum Schnupfen gebrauchen und dieses nicht mit anderen teilen. Doch zu dem sehr wichtigen Thema „Safer Sniffing“ hat sich die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing bis heute noch nie geäußert.

So erfreulich die Erfolge bei der Reduzierung der Raucherquote bei Jugendlichen ist, so wenig ist dies ein Grund, mehrheitlich nur diesen Erfolg zu kommunizieren und alle andere aktuelle Fakten zu den Problemen mit anderen Substanzen respektive Anstrengungen, diese zu reduzieren, fast völlig zu vernachlässigen und überhaupt nicht zu kommunizieren. Die Informationspolitik der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zeichnet sich hier durch Einseitigkeit aus und durch einen erheblichen Mangel an aktuellen Informationen, zu denen ein großes Informationsbedürfnis besteht.



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