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Eine neue Pille gegen Übergewicht blockiert das Cannabinoid-System

„Jetzt können Sie endlich aufhören zu rauchen und nehmen nicht nur auch nicht zu, sondern auch noch ab. Erste Studien haben erstaunliche Ergebnisse geliefert.“ So preist eine deutschsprachige Internet-Apotheke das neue Medikament Acomplia an. Für etwa fünf Euro pro 20-Milligramm-Pille kann sie online bestellt werden. Angepriesen als „die am heißesten erwartete Abnehm-Pille des Jahres“, hat das neue Medikament, das seit diesem Jahr in britischen Apotheken erhältlich ist, allerdings auch seine Schattenseiten.
Publiziert am: 10.01.07 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Franjo Grotenhermen
Acomplia mit dem Wirkstoff Rimonabant ist der erste Cannabinoid-Rezeptor-Antagonist, der für die menschliche Verwendung zugelassen wurde. Zunächst nur in Großbritannien erhältlich, plant das pharmazeutische Unternehmen Sanofi-Aventis für das Jahr 2007 neben Dänemark, Irland, Finnland und Norwegen auch eine Zulassung in Deutschland. Eine Zulassung in den Vereinigten Staaten wird im Jahre 2008 vom Hersteller erhofft. Es werden Gewinne in Milliarden-Höhe erwartet.
Acomplia wirkt durch Blockierung der Bindung der körpereigenen Endocannabinoide am Cannabinoid-1-Rezeptor. Während die Stimulierung dieser Rezeptoren durch Endocannabinoide oder THC den Appetit anregt, verursacht ihre Blockierung eine Abnahme des Appetits. In klinischen Studien verloren Patienten, die täglich 20 mg Acomplia einnahmen, im ersten Jahr der Behandlung im Durchschnitt etwa 6,5 kg an Gewicht und im zweiten Jahr etwa ein Kilo. Zudem wurde die Konzentration der Blutfette reduziert. Das hört sich zunächst gut an, zumal auch das Verlangen nach Nikotin vermindert wird − eine ideale Kombination.
Auf den zweiten Blick ergeben sich jedoch eine Reihe von Fragen. In den kontrollierten Studien nahmen die Patienten wieder an Gewicht zu, sobald sie Acomplia abgesetzt hatten, was bedeutet, dass die Substanz über Jahre eingenommen werden muss, um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen. Eine langzeitige Blockierung des Cannabinoid-1-Rezeptors ist jedoch nicht unproblematisch, wenn man sich seine natürliche Funktion vor Augen führt.
Das Endocannabinoid-System spielt nicht nur eine Rolle beim Appetit und dem menschlichen Belohnungssystem, sondern hat Bedeutung für eine Vielzahl physiologischer Funktionen, darunter Regulierung der Stimmung, der Knochendichte, des Schmerzempfindens, Fortpflanzung, Muskelkoordination, Blutdruck, Augeninnendruck und Gedächtnis. Viele Patienten, die Acomplia in klinischen Studien einnahmen, wiesen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Angst und Depressionen auf. Mehr als 15 Prozent brachen die Einnahme wegen nicht erträglicher Nebenwirkungen ab.
Eine der wichtigsten Funktionen des Endocannabinoid-Systems ist der Schutz von Nervenzellen vor den Schäden durch eine Überaktivierung bestimmter Neurotransmitter, wie beispielsweise Glutamat. In Tierexperimenten vergrößerte Rimonabant die Konzentrationen verschiedener Neurotransmitter. Die langzeitige Verwendung von Substanzen, die diese nervenschützenden Eigenschaften beeinträchtigen, könnte zu einem beschleunigten Verlust von Nervenzellen führen, mit entsprechenden negativen Konsequenzen für Gehirnfunktionen, wie etwa die Gedächtnisleistung.
So hat eine Bonner Forschungsgruppe nachgewiesen, dass Mäuse, die aufgrund einer entsprechenden genetischem Manipulation keine Cannabinoid-1-Rezeptoren besitzen, in ihrem Leben zunächst ein genauso gutes Gedächtnis oder sogar ein besseres wie normale Mäuse aufwiesen, nach einigen Wochen in ihrer Gedächtnisleistung jedoch deutlich nachließen. In einem mittleren Lebensalter entsprach ihre Gehirnleistung der alter Mäuse.
Wissenschaftler der Universität von Amsterdam berichteten in einer wissenschaftlichen Zeitschrift von einer 46 Jahre alten Frau, die an Multipler Sklerose erkrankte, nachdem sie Acomplia sieben Monate lang eingenommen hatte. Sie wiesen in ihrem Beitrag darauf hin, dass die Frau vor der Einnahme des Medikamentes keine neurologischen Symptome gezeigt hatte, und dass sie sich einige Wochen nach Absetzen von Acomplia wieder nahezu vollständig erholte. „Unter der Annahme, dass endogene und exogene Cannabinoide nervenschützend sind, ist eine vergrößerte Empfindlichkeit von Zellen des zentralen Nervensystems gegenüber verschiedenen schädlichen Einflüssen zu erwarten, wenn Cannabinoid-Antagonisten oder Cannabinoid-Rezeptor-Antagonisten verwendet werden,“ heißt es in dem Artikel. Tatsächlich verstärkte Rimonabant im Tierversuch die Symptome einer Multiplen Sklerose.
Von einer langzeitigen Verwendung von Acomplia ist nach dem gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse abzuraten.
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