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Weniger Pflanzen - mehr Ertrag
Publiziert am: 10.04.06 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal Sa 06 growing artikel Weniger Pflanzen – mehr Ertrag

Nicht erst seit dem Samenverbot vor nun fast zehn Jahren haben viele Selbstversorger ein Problem mit dem Nachschub von weiblichen Jungpflanzen. Eine ausreichende Anzahl erfordert entweder eine zusätzliche kleine Kammer für Mütter und Stecklinge (siehe auch Sonderausgabe Growing 2004: „Mütter auf Zeit“) oder Glück bei der ohnehin nicht ohne Weiteres zu empfehlenden, weil illegalen Samenbeschaffung. Hat man weder einen Extraraum zur Verfügung noch beim Samenroulette ausreichend Damensamen erhalten, ergibt sich folgendes Problem: Wie soll die so schön vorbereitete Anbau-Ecke nun voll ausgenutzt werden?

Die Antwort: Durch Scroggen, einer Technik, die es ermöglicht, mit relativ wenigen Pflanzen viele Haupttriebe, also Blüten, die optimal mit Licht versorgt werden, zu erzeugen. Denn wie schon eine goldene Grower-Regel besagt: Licht ist Gewicht, dabei ist die Anzahl der Pflanzen für den Ertrag nicht ausschlaggebend. Die wichtigsten Werkzeuge beim Scroggen sind eine Bonsai-Schere, auch als Ernteschere im Grow Shop erhältlich, Hammer, Nägel und ein paar Dachlatten sowie Blumendraht oder ein Netz aus eben diesem.

Zuerst einmal bedarf es bei den einfach mal angenommenen Raummaßen von 1 x 1 x 2 Metern einer circa 40 bis 70 Zentimeter hohen Holz-/Draht-Konstruktion, die den schweren Trieben als Stütz- und Rankhilfe dient. Die Höhe des Holzgestells kann je nach Raum, Sorte oder Pflanzenanzahl variieren. Hierbei sollte beachtet werden, dass der Draht auch für Pflanzen geeignet sein muss und dass die Abstände groß genug sind, dass die Ladies, wenn sie das Drahtgestell erreichen, noch problemlos hindurchpassen. Zu groß sollten sie auch nicht sein, sonst kann der Draht die Stiele und (hoffentlich) schweren Blüten nicht mehr stützen. Die Abstände auf unserem Beispielfoto aus dem Hanfburg-Forum (special thanks) betragen zwei Zentimeter. Auch wurden hier gleich mehrere kleine Scrogg-Boxen gebaut, das ist anfänglich etwas zeitaufwändiger, zahlt sich aber später aus. Denn: Ist die ganze Fläche mit nur einer Scrogg-Kiste versehen, wird die Versorgung und Sichtkontrolle mit zunehmender Größe der hinten stehenden Ladies sehr schwierig. Auch sollten zu diesem Zweck die Töpfe fest mit dem Holzgestell verbunden werden.

Sobald das Gestell fertig ist, wird es mit Stecklingen oder Sämlingen bestückt. Bei der Verwendung von Sämlingen werden ungefähr doppelt so viele angesetzt als später blühen sollen (angenommene Weibchenrate: ungefähr 50 Prozent). Stecklinge haben sich gerade beim Scroggen als vorteilhaft erwiesen, da sie, vorausgesetzt, es handelt sich um gleiche Phänotypen, einen gleichmäßigeren Wuchs garantieren als Samenpflanzen. Jetzt wird, genau wie bei Mutterpflanzen, während der vegetativen Phase zwischen der zweiten und dritten Internodie der Haupttrieb mit der Bonsai-Schere beschnitten, sodass zwei neue Triebe entstehen. Diese Prozedur wird in der Folgezeit so oft wiederholt, bis die Pflanze genug Triebe gebildet hat, um die für sie vorgesehene Fläche der Kammer voll auszufüllen.

Soll eine sehr große Fläche mit Trieben einer Pflanze bedeckt werden, kann es sein, dass die einzelnen Äste zusätzlich abgestützt werden müssen, bis das jetzt noch über den Pflanzen liegende Drahtgestell erreicht ist. Sind sie noch nicht groß genug und/oder ausreichend bewurzelt, ist darauf zu achten, dass in der Wachstumsphase auf jeden Fall blaues Licht, also ein HPI-T beziehungsweise ein Metalldampfleuchtmittel oder Leuchtstoffröhren verwendet werden, da „Spargelpflanzen“ bei dieser Methode absolut nicht erwünscht sind. Auch werden alle so genannten „Fußblütenansätze“, also die Blüten, die sich an den Stängeln unterhalb der Stützebene bilden, mit der Schere entfernt. Diese bekommen später sowieso kaum noch Licht ab und verbrauchen deshalb nur unnötig Energie und Nährstoffe.

Im Idealfall ist ein Großteil der Anbaufläche beim Erreichen des Drahtgestells auf gleicher Höhe mit kleinen Blütenansätzen bedeckt. Wird es zu früh erreicht oder ist es zu niedrig, werden die Mädels im Verhältnis zu hoch und der Draht kann sie nicht mehr stützen, außerdem ist die Lichtausbeute nicht mehr optimal. Wird das Gestell zu spät erreicht oder ist es zu hoch, hindert der Draht die Blüten beim Wachsen und muss eventuell an diesen Stellen abgeknipst werden. Der beste Zeitpunkt für die Blütenspitzen, die Stützkonstruktion zu erreichen ist das Ende der Vorblüte, also ungefähr zwei Wochen nach der Umstellung auf den 12/12-Stunden Licht-Rhythmus.

Genau diesen Zeitpunkt zu treffen ist sehr wichtig, es ist aber auch eine Gefühlssache, da es auf viele Faktoren wie Lichtausbeute, Düngereinsatz, Anbaumedium und vor allem die gewählte Sorte ankommt. Unter anderem ist deshalb eine gewisse Erfahrung in Sachen Indoor-Gärtnerei notwendig, um einen vernünftigen Scrogg zu starten. Danach können die Pflanzen noch fünf bis sieben Wochen Zeit bekommen, um sich zu einer Wiese aus grünen Blüten zu entwickeln. So bekommen alle Blüten nahezu gleich viel Licht ab, wohingegen bei den herkömmlichen Anbaumethoden die unteren Triebe aufgrund des größeren Abstands zur Lichtquelle weniger gut versorgt werden. Und genau das macht den Nachteil der längeren vegetativen Phase wieder wett.

Mit Ausnahme des höheren Wasser- und Nährstoffverbrauchs pro Pflanze und der etwas längeren Wuchsphase entspricht die Pflege der Mädels der beim herkömmlichen Growen. Da ich mich nicht in Ertragsspekulationen verstricken möchte, mache ich keine Angabe in Gramm pro Watt. Im Vergleich zur normalen Kulturmethode sind allerdings Ertragssteigerungen bis zu 20 Prozent möglich, vorausgesetzt natürlich, das Set Up und die Bedingungen stimmen. Eine sehr schöne Anleitung für eine Scrogg-Kiste findet ihr im Forum der Hanfburg.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass auf diese Art und Weise genauso ertragreich wie bei der „Sea of Green“-Methode gearbeitet werden kann. Dabei werden so viele Pflanzen möglich in Drei- bis Vier-Liter-Töpfe direkt nach der Durchwurzelung zur Blüte gebracht. Diese Methode ist als Alternative zu empfehlen für alle, die nur wenige Pflanzen zur Verfügung haben und große Töpfe und eine vierwöchige Bewurzelungs- und Wuchsphase bevorzugen.
KIMO
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