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silberscheiben
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Rolys Silberscheiben des Monats Februar Teil 2
Publiziert am: 13.02.07 - Medienformen: Medienform Text




Turbulence: Do Good (Minor7Flat5)
>> Roots / Reggae

Viele großartige Reggae-Künstler reduzieren sich immer selbst und neigen dazu, wie einige ihrer HipHop-Kollegen, musikalisch gute Werke inhaltlich mit Homophobie zu versetzen. Selbst einzigartige Szene-Ikonen wie Sizzla oder Burning Spears müssen deswegen immer wieder international Kritik einstecken. Sheldon Campbell aka Turbulence „The Future“ stellt hier eine kleine Ausnahme dar und legt nach seinem allseits hoch angesehenen 2003er-Release „Different Thing“ ein weiteres hochklassiges Album nach. Nach dieser mehr als fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem in Spanien lebenden, deutschen Produzenten Andreas „Brotherman“ Christophersen geht die Kollaboration in Albumlänge in die zweite Phase und knüpft musikalisch und inhaltlich konsequent am Vorgänger an. „Do Good“ wurde 2006 von Brotherman unter Beteiligung von „Soljie“ Hamilton und Lynford „Fatta“ Marshall u.a. in den Tuff Gong und Mixing Lab Studios, sowie im Brotherman Hill Studio auf Gran Canaria aufgenommen, abgemischt und produziert. Erfrischender Rootsriddim und gelegentliche Ausflüge in Richtung Dancehall dienen als Basis für inhaltlich gehaltvolle Themen  von Liebe, Nächstenliebe, Dope, Krieg und dem Movement an sich – ein weiterer Kampf gegen Babylon sozusagen. Gedisst wird gar nicht und mit hinternwackelnden Mädels in zu engen Bikinis hat das auch nichts zu tun. Auf 13 Tracks und einem Remix der Ganja-Party-Hymne „Marihuana“ chantet Turbulence mit seiner unverwechselbaren Stimme voller Energie auf erstklassigen Conscious Reggae Riddims, die allesamt Bestnoten verdienen! Dabei haben große Musiker wie Leroy „Horse Mouth“ Wallace, Danny Bassie, Paul „Wrongmove“ Crossdale und nicht zuletzt Dean Frazer ihr Können beigesteuert, wenn’s auch etwas zu clean klingt. Auch illustre Gäste wie Szene-Lieblinge Luciano („Freedom Train“) oder die Higher Trod Family („Move On“) schauen zu einem Gastspiel herein. Ein großartiger Tune ist auf jeden Fall auch „We deserve“. Im Vergleich zu anderen aktuellen Veröffentlichungen im Nouveau Roots-Bereich ist „Do Good“ ein Lichtblick, denn Brotherman ist noch immer seinem Stil treu gebleiben, großen Wert auf Innovation zu legen und verschiedene musikalische Wege zu kombinieren. Und Turbulence hinterlässt mit seinen Songs weniger Chaos, als der Künstlername vermuten lässt, denn der 27-Jährige zählt zu den fokussiertesten und interessantesten Künstlern des Genres. Give Thanx!

www.minor7flat5.com
www.turbulence.the-future.com
www.rootdown-music.com
www.rootdown-swiss.com
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Amé Toki: No Maps For These Territories (silversonic records)
>> Electronica / Pop

Wenn man heutzutage versucht, das Leben der Metropolen auf einen Nenner zu bringen, fällt einem schnell der Begriff „Globalisierung“ ein. Denn worin unterscheidet sich das Leben in Tokio, New York, Berlin, Istanbul oder Paris? Jeder ist für sich und hängt den gleichen Träumen nach, während man sich von hier nach da zappt. Ob im Jet oder im Internet ist dabei nur noch Geschmacks- und Budgetfrage. Genau hier knüpft das Debut-Album des Berlin/Kölner Duos mit dem japanischen Namen amé toki an: Es hält dem gelangweilt-verlorenen Treiben einen hochglanzpolierten Spiegel vor. Ob englisch, spanisch, deutsch, portugiesisch, französisch – es ist egal, weil man sowieso keinen echten Austausch sucht und doch genau auf solchen hofft. Schon ein Blick auf die Tracklist bestätigt diese Wahrnehmung – „Tamagucci Song“, „Come Into My Internet“, „Space Jogging“ „Quel Passion?“ und natürlich die postmoderne Standard-Frage „Hope You Do Enjoy?“. Und der Albumtitel? „Wir leben in einer Zeit, die sich so schnell beschleunigt, dass wir neue Welten schaffen ohne in der Lage zu sein, die Landkarten dafür zu zeichnen.“ So erklärt amé toki und erzählt mit dem üblichen Sprachmix als Ausdruck der durch neue Technologien zusammenrückenden neuen Welt von diesen Zwischenwelten des digitalen Zeitalters. Seit zehn Jahren arbeiten Sabine und Christoph gemeinsam an ihrer ureigenen Vision von mehrdimensional relevanter Jetztzeit-Musik. Während man sich zu Anfang noch ausschließlich mit Jazz, Chansons und dem Covern brasilianischer Songs auseinandersetzte, wird nun die Melange mit weiteren urbanen Musikstilen ergänzt. Elektronisch inspirierter Pop trifft auf Filmmusik, und letztendlich geht es den beiden um Style, Lifestyle und was dahinter steckt. Sehr gekonnt und stets organisch stehen akustische Instrumente völlig gleichberechtigt neben sorgsam ausgewählten, fein ausproduzierten elektronischen „Spielereien“. Der Klassiker „We Have All The Time In The World“ aus dem James Bond Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät” ist zunächst überraschend und doch auch so etwas wie eine Headline für das Album. Denn am Ende hat man genau dieses Gefühl: dass man immer wieder auf die Basisfragen des Lebens zurückfällt – egal in welcher Umgebung man sich befindet, man wird doch alle Zeit der Welt benötigen, um darauf eine Antwort zu finden. Und bei allem gegebenen Ernst: auch die augenzwinkernde Ironie in so manchem Text zieht sich wie auf Siebensternenschuhen durch das Gesamtwerk. Let’s misbehave like Bonnie & Clyde.

www.ametoki.com
www.silversonicrecords.de/ametoki
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Frivolous: Midnight Black Indulgence (scape / indigo / kompakt)
>> House / Electronica

„Electronic Music Composition“ war das einzige Unterrichtsfach seiner Schulzeit, für das er sich nachhaltig begeistern konnte. Plötzlich konnte er aus dem bisher bloß disziplinierenden Klavierunterricht etwas Herausforderndes, Intensives und Lustvolles entwickeln. Mitte der Neunzigerjahre entdeckte er die Dance Music und bald betätigte er sich als DJ auf den maßgeblichen Afterhours Vancouvers. Bisher wurde der Produzent Daniel Gardner als Protagonist der Minmal-House-Szene wahrgenommen. Das Pseudonym Frivolous hat er ursprünglich erfunden, um den neuen europäischen Minimal-Sound, auf den man im von gefälligem, tendenziell vulgärem US-House-dominierten Nachtleben der Stadt als vermeintlich prätentiöse Kunstmusik herabschaute, in die Clubs zu schmuggeln. Daniel: „Mit der Zeit wurde meine Musik jazzy und humorvoll und tatsächlich bedeutet das Wort im Französischen soviel wie unangemessen spielerisch – frivolous ist etwa jemand, der zu einer Beerdigung in gepunkteter Kleidung erscheint.“ Seit 2002 hat Gardner mehr als zehn EPs veröffentlicht, und nach seiner Tracksammlung „Somewhere In The Suburbs“ beim Karloff-Label hat der in Berlin lebende Exil-Kanadier sein erstes richtiges Album aufgenommen. Damit bringt er seinen Sound an einen Punkt, an dem es für ein wesentlich breiteres Publikum spannend werden könnte als die Spezialistenzirkel, in der die Musik bisher goutierte. Ja, „Midnight Black Indulgence“ ist ein Wendepunkt in Frivolous’ Karriere: Zum ersten Mal kristallisieren sich die einzelnen Einflüsse und Inspirationen ganz klar heraus. Momente der Dance-Ekstase werden von Streicher-Zwischenspielen abgelöst und erscheinen an der Seite von Jazz-Balladen. Das Album ist mit Besonderheiten und Originalität gespickt und ist alles andere als eklektisch. Geschmackssicher umplüschter Dub wechselt sich mit technoideren Electro-Stücken ab, und neben jovialem Tech-House-Pop, wie man ihn von seinen EPs kennt, gibt’s auch einige jazzige Varieté-Nummern. Obwohl er nie die Funktion von Tanzmusik aus den Augen verliert, führt er im Prinzip jeden Track in eine Melodie eng oder produziert zumindest ein Melodiegefühl. Den emotionalen Faden, der sich hier durch sämtliche Tracks zieht, hat Frivolous aus der Barockmusik entwickelt, in der alle Formen Teil einer einzigen organischen Bewegung sind und nicht voneinander zu trennen sind. „Indulgence” im Titel des Albums meint die genussvolle Hingabe an eine Schwäche. So stiehlt man sich für sie um Mitternacht aus dem Bett, um sie immer wieder zu hören – linear oder rückwärts oder in Zufallsabfolge. Es groovt immer ...

www.frivolouslive.com
www.scape-music.de
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Aural Float: Moving Images (elektrolux)
Lightmotiv, Elektrolux & ICM Media: Liquid Lounge (liquid lounge)
>> Ambient / DVD-Special

Zu Beginn der Neunzigerjahre betreuten Alex Azary und Gabriel Le Mar in ihrer Funktion als Gastgeber der legendären sonntäglichen Chill Sessions im Frankfurter Kultclub XS den deutschlandweit ersten Ambientclub (mein damaliges Wohnzimmer) und arbeiteten dort bereits intensiv mit Visuals. Aus dieser Keimzelle führt die Geschichte von Aural Float im Jahr 1995 nicht nur zum gefeierten Debütalbum „Introspectives“, sondern parallel zur Gründung der exklusiven Labelplattform Elektrolux. Es folgte die künstlerische Betreuung der Space Night, die mit spektakulären Bildern und visionären Soundwelten international Wellen geschlagen hat und bis heute das Synonym für Chillout ist. Mit Flowmotion wurde beim hr-Fernsehen eine weitere Plattform für Videoartists und Chillout-Produzenten geschaffen, die bis heute insgesamt ca. 400 Videos produziert und auf Sendung gestellt hat. Nach den legendären Alben „Freefloat“ und „Beautiful Someday“ setzen die drei Pioniere der elektronischen Musikszene mit dem ersten DVD-Release in der über zehnjährigen Geschichte von Aural Float (Azary, Le Mar und Pascal Feos) zum wiederholten Mal multimediale Maßstäbe. In konsequenter Weiterführung der Rolle von Aural Float als multimedialer Impulsgeber finden sich auf „Moving Images“ ausgesuchte, hauseigene Tracks sowie umfangreiches Bonusmaterial in einer exklusiven DVD-Ausgabe, bei der die Stücke von renommierten Videokünstlern auf Basis hochwertigen Filmmaterials optisch aufregend neu interpretiert werden. – Es gibt wohl nur wenige Menschen, die sich der kontemplativen Wirkung eines Ölscheibenprojektors so gänzlich entziehen können. In Kooperation mit lightmotiv, Biovision, ICM Media und Elektrolux entstand die Idee, diese visuelle Grenzerfahrung nun auch auf DVD für den „Heimgebrauch“ anzubieten, nachdem die weltweit einzigartige Technik bereits im Rahmen unzähliger Kunstausstellungen und musikalischen Großveranstaltungen zum Einsatz kam. Seit Mitte der Neunzigerjahre arbeitet der Bielefelder Lichtkünstler Matthias Strobl mit Lichtinstallationen und möchte mit dem patentierten lightmotiv®-Projektor eine analoge Antithese zu der täglichen Bilderflut einer hektischen, digitalisierten Welt schaffen. Seit über sechs Jahren perfektioniert er im Auftrag der tnl GmbH unter dem Projektnamen lightmotiv® analog eine völlig neuartige Form dieser Technik, die es erlaubt, durch die Komposition von ätherischen Ölen und verschiedensten Flüssigkeiten in einer durchleuchteten Petrischale bis zu 80 Meter große Projektionen zu erzeugen. Die bioorganische Technik des Projektors bietet im Zeitalter der omnipräsenten Reproduzierbarkeit von sinnlichen Wahrnehmungen die Möglichkeit, die Einzigartigkeit visueller Momente zu erfahren und sich der Ästhetik der Naturgesetze in ihrer schönsten Form bewusst zu werden. Die farbenprächtigen Projektionen werden dabei musikalisch unterlegt von renommierten Produzenten wie Fresh Moods, Gabriel Le Mar, Groovecatcher, Aural Float, Pascal Feos, Jens Buchert, Rescape oder Guardner. – Zwei Qualitätsprodukte der Spitzenklasse!

www.aural-float.com
www.elektrolux.com
www.icmmedia.de
www.tnl.de


Roland Grieshammer


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