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Wie akuter Cannabiskonsum die elektrische Aktivität des Gehirns beeinflusst

Publiziert am: 01.03.07 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen
Im Dezember 2006 haben amerikanische Wissenschaftler in der Zeitschrift Nature Neuroscience neue Erkenntnisse zum Einfluss von THC auf die elektrische Aktivität des Gehirns veröffentlicht. Sie hatten diesen Einfluss im so genannten Hippocampus, eine zentrale Schaltstation des limbischen Systems, untersucht. Im Hippocampus fließen Informationen über Sinneseindrücke zusammen, werden dort verarbeitet und zurück zur Gehirnrinde gesandt.
Normalerweise synchronisieren die Nervenzellen in dieser Gehirnregion ihre elektrische Aktivität. Als die Wissenschaftler Ratten THC spritzten, beobachteten sie, dass diese synchronisierte Arbeit gestört wurde. Zwar änderten die einzelnen Zellen nicht die Frequenz der Abgabe von Nervenimpulsen, diese Frequenz wurde jedoch nicht mehr unter den Zellen abgestimmt.
Die Forscher verglichen diese Veränderung mit einem Orchester, in dem die einzelnen Musiker taub und möglicherweise blind sind. Sie würden weiterhin ihre Stücke spielen können, jedoch ohne Abstimmung mit den Instrumenten anderer Musiker und des Dirigenten. Je nach der Art und der Länge des Musikstückes könnte das Ergebnis eine nur leichte Verschlechterung oder ein völliges Chaos sein, auch wenn jede einzelne Note korrekt gespielt wurde. Es fehlt die zeitliche Abstimmung. Ähnliches passiert offensichtlich mit den Nervenzellen und Regelkreisen des Hippocampus, wenn er unter dem Einfluss von Cannabis steht.
Neben der Verarbeitung von Sinneseindrücken spielt der Hippocampus eine wichtige Rolle bei der Bildung von Emotionen und bei der Gedächtniskonsolidierung, also bei der Überführung von Gedächtnisinhalten aus dem Kurzzeitgedächtnis in das Langzeitgedächtnis. Der Hippocampus ist auch für die Koordinierung verschiedener Gedächtnisinhalte verantwortlich. Beispielsweise besteht die innere Karte, die man von einer Stadt besitzt, aus zahlreichen Eindrücken, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten gewonnen wurden. Im Hippocampus werden diese zusammengefügt und man kann sich orientieren.
Menschen, bei denen die beiden Hippocampi der rechten und der linken Gehirnhälfte zerstört wurden, können keine neuen Erinnerungen aufbauen, während alte Erinnerungen meistens erhalten bleiben. Die alten Erinnerungen sind an verschiedenen anderen Stellen in der Gehirnrinde gespeichert.
Etwas Vergleichbares geschieht unter dem akuten Einfluss von THC. Es ist dann schwer, sich an Aktuelles zu erinnern, wie beispielsweise an einen kürzlich gelesenen Satz, während es kein Problem ist, sich an Dinge zu erinnern, die vor dem akuten Cannabisrausch gelernt worden waren. Wurden Probanden in Untersuchungen gebeten, nach dem Rauchen von Cannabis eine Liste von Wörtern zu erlernen und diese dann wieder zu geben, so schnitten sie wesentlich schlechter ab als nüchterne Probanden. Sollten sie allerdings nach dem Konsum eine Liste von Wörtern wiedergeben, die sie vor dem Konsum erlernt hatten, so fand sich häufig keine relevanter Unterschied zu nüchternen Teilnehmern.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine synchronisierte Aktivität der Gehirnzellen von elementarer Bedeutung für die Gedächtnisbildung ist, und diese durch THC beeinträchtigt werde.
Sie vermuten allerdings auch, dass diese Eigenschaft von THC unter Umständen von Nutzen sein kann, nämlich immer dann, wenn die Synchronisierung der Nervenzellenaktivität negative Auswirkungen hat. So ist die Gehirnsaktivität bei einem epileptischen Anfall unnormal stark synchronisiert. In diesem Fall könnte die Art und Weise, wie THC diese Synchronisierung stört, dabei helfen, epileptische Kampfanfälle zu vermeiden. Es ist bekannt, dass der Hippocampus eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Epilepsieerkrankungen spielt.
In den vergangenen Jahren konnte gezeigt werden, dass Endocannabinoide, also Substanzen, die der Körper selbst produziert und ähnlich wie THC wirken, epileptische Kampfanfälle verhindern können. Zudem berichten einige Epilepsiekranke, dass ihnen die Verwendung von Cannabisprodukten hilft, ihre Anfallshäufigkeit zu reduzieren. Ende der 90er Jahre war es ein an Epilepsie erkrankter Kanadier, der als erster Bürger seines Landes von einem Gericht die medizinische Verwendung von Cannabis erlaubt bekam. Dies war der Ausgangspunkt für die kanadische Gesetzgebung, nach der Schwerkranke eine Ausnahmegenehmigung zur Verwendung von Cannabis beim Gesundheitsministerium beantragen dürfen. Leider gibt es zu diesem Thema keine aktuellen klinischen Studien, so dass der Nutzen von Cannabis bei Epilepsie noch nicht abschließend geklärt ist und zunächst umstritten bleibt.
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