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Cannabis beeinflusst die Nase

Publiziert am: 15.04.07 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr.med. Franjo Grotenhermen
Cannabiskonsumenten wissen, dass nach der Einnahme von Cannabis Nahrungsmittel besser schmecken und riechen. Auch andere Sinneseindrücke, wie das Hören und der Tastsinn, werden intensiviert. Bisher war man in der Wissenschaft davon ausgegangen, dass diese Intensivierung der Wahrnehmung durch Prozesse im Gehirn geschieht. Beispielsweise sind Cannabinoidrezeptoren in großer Zahl im so genannten Hippocampus vertreten, der eine große Rolle bei der Einordnung von Sinneseindrücken spielt.
Nun haben Wissenschaftler der Universität Göttingen nachgewiesen, dass zumindest für den Geruchssinn diese Verstärkung der Sinneswahrnehmung durch THC bereits in den entsprechenden Sinneszellen stattfindet, in diesem Fall in den Riechzellen in der Nase. Ihre Forschungsergebnisse wurden im Februar 2007 in einer in den USA erscheinenden Fachzeitschrift veröffentlicht. Ihre Untersuchungen hatten sie mit der Riechschleimhaut von Kaulquappen durchgeführt. Wurden die Riechzellen mit einem Cannabinoidrezeptor-Blocker (Cannabinoidrezeptor-Antagonisten) behandelt, so reagierten sie schwächer oder gar nicht auf Duftstoffe. Die Fähigkeit für das Erkennen von Duftstoffen normalisierte sich wieder, wenn Cannabinoide hinzugefügt wurden und auf diese Weise die Blockade aufgehoben wurde. Die Forscher untersuchten dabei die chemischen und elektrischen Signale der Sinneszellen, die in Abhängigkeit von der Konzentration von Cannabinoiden oder Cannabinoidrezeptor-Antagonisten stark variierten.
Die Empfindlichkeit der Riechzellen wird sowohl durch körpereigene Cannabinoide, die so genannten Endocannabinoide, als auch durch das THC der Hanfpflanze beeinflusst. Einer der Studienleiter erklärte in einem Interview: "Dass körpereigene Cannabinoide Einfluss auf die Geruchswahrnehmung haben, ergibt Sinn, wenn man frühere Studien berücksichtigt, die gezeigt haben, dass im Gehirn von Tieren erhöhte Cannabinoid-Werte gemessen werden, wenn sie Hunger hatten. Da also bekannt ist, dass man Gerüche stärker wahrnimmt, wenn man hungrig ist, liegt ein Zusammenhang zwischen der Menge von körpereigenen Cannabinoiden und der Riechempfindlichkeit nahe."
Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Cannabis bzw. THC nicht nur den Appetit steigern, sondern auch den sinnlichen Reiz von Nahrung erhöhen. Sie machen Lust auf das Essen. Das ist es auch, von dem Krebs- und Aids-Kranke berichten, die unter Appetitlosigkeit und Ekel vor der Nahrungsaufnahme leiden und dagegen Cannabisprodukte verwenden.
Es erscheint möglich, dass auch andere Sinneseindrücke, die durch THC und andere Cannabinoide verstärkt werden, nicht erst im Gehirn durch THC beeinflusst werden, sondern bereits im entsprechenden Sinnesorgan. Aus anderen Untersuchungen weiß man, dass viele Cannabinoidrezeptoren auch in der Haut (Tastsinn) und im Auge vorhanden sind. Ob diese Rezeptoren eine Rolle bei den entsprechenden Sinneseindrücken spielen oder ausschließlich andere Funktionen haben, werden erst zukünftige Untersuchungen zeigen. Im Auge regulieren Cannabinoidrezeptoren und die körpereigenen Endocannabinoide den Augeninnendruck. In der Haut spielen Cannabinoide eine Rolle bei der Regulierung des Zellüberlebens, wie Untersuchungen zur Krebs hemmenden Wirkung von Cannabinoiden beim Hautkrebs im Tierversuch gezeigt haben.
In den vergangenen Jahren hat das Interesse an Wirkungen von Cannabinoiden außerhalb des Gehirns stark zugenommen. So steigt die Konzentration von Endocannabinoiden bei Hunger nicht nur im Gehirn an, sondern auch im Darm. Nach einer Studie aus dem Jahre 2002 verursachte Nahrungsentzug bei Ratten eine Zunahme der Konzentration des Endocannabinoids Anandamid im Dünndarm um das Siebenfache. Erneutes Füttern führte zu einer Normalisierung der Konzentration. Die periphere Gabe eines synthetischen Cannabinoids, das ähnlich wie THC wirkt, im Bereich des Darms steigerte dem entsprechend auch den Appetit. Solche peripheren, das heißt nicht im Gehirn verursachten Wirkungen erlauben die Verwendung von Cannabinoiden ohne psychische Nebenwirkungen.
In früheren Jahrhunderten war in verschiedenen Kulturen die äußerliche Anwendung von Cannabisprodukten verbreitet, beispielsweise zur Linderung von Schmerzen oder Entzündungen. Heute werden diese Erfahrungen wieder entdeckt. So gibt es Patienten, die davon berichten, erfolgreich Sitzbäder bei chronischen Entzündungen des Dickdarms durchzuführen, sowie Gelenkschmerzen oder lokalen Juckreiz durch Auflagen von Zubereitungen aus Cannabisblättern zu bekämpfen.
Die Funktion des Cannabinoidsystems beim Riechen ist also nur eine von vielen Funktionen außerhalb des Gehirns.
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