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Rolys Silberscheiben des Monats Mai
Publiziert am: 15.05.07 - Medienformen: Medienform Text

>> Drum&Bass
Goldie presents Rufige Kru: Malice In Wonderland (metalheadz)

„Rufige Cru“ war sein erstes Pseudonym, unter dem er Anfang der 90er erst auf Reinforced, später auf Metalheadz veröffentlichte. Mit seinem ersten Album „Timeless“ hat Clifford Price Drum&Bass salonfähig gemacht und einen absoluten Meilenstein geschaffen. Seitdem ist der einzigartige, von Goldie geprägte, Metalheadz Sound rund um den Globus immer wieder wegweisend, immer wieder ein bisschen anders, vor allem aber deep und absolut clubtauglich. Wenn Goldie gerade nicht mit dem Veröffentlichen von Platten oder dem Auflegen beschäftigt ist, schlägt er auf Parties Leute zusammen oder mimt mal eben den Bösewicht in einem James Bond Streifen. So ist der umtriebige Mann wohl eine der bekanntesten und schillernsten Figuren der Drum&Bass Welt mit einzigartigem Celebrity Appeal. Gemeinsam mit seinen jeweiligen Sound-Engineers steht Goldie für die legendäre Rufige Kru. Mit Marcus Rutherford schuf er „Terminator“, und die Kollaborationen mit Marc Mac / Dego (4 Hero), Rob Playford (Moving Shadow) und Danny J (Beachdrifta/Stormtrooper VIP) dürften auch bekannt sein. Zusammen mit dem jungen, noch hungrigen Jim Heist präsentiert das Mastermind der rohen Beats nun sein neues Album „Malice In Wonderland” – laut Goldie ein Dank an die Drum&Bass-Szene. Im Gegensatz zu Clipz werden hier die 8Bit/Bleep Sounds dezenter eingesetzt und mit wundervollen Vocal Samples und superdicken Beats zu einer Mixtur gestaltet, wie ich sie über alles liebe. Ja, „Metalheadz“ und „Rufige“ standen schon immer für sinnvolle Musik, und Goldie für Top-Konzepte hinter der Musik. Unter dem Pseudonym „Rufige Kru“ produziert er Musik für die Szene auf eine andere Art – auf eine einfachere Weise, für alle leichter zu akzeptieren. Der Titel bedeutet genau das, was man denkt: Malice („Boshaftigkeit“) ist ein Synonym für „Rufige“, „Wonderland“ ist die Szene, die immer wieder mal daherkommt wie ein großes Wunderland. Goldie kehrt damit zurück zu den Wurzeln und der Essenz dieser Musik. Das Album ist ein Melange aus Sounds der early days und dem aktuellen technischen Sound. Und wie man es von Metalheadz gewohnt ist: Deep, dark, kompromisslos. Die massivsten Tunes sind wohl eindeutig „Vanilla“, „Special Request“, „Monkey Boy“, „Scar“, „Infamous“ und vor allem „Malice in Wonderland“. „Es geht nicht darum, komplizierte Musik zu machen, sondern im zweiten Gang zu bleiben. Würde ich im fünften Gang fahren wollen, würde ich da rausgehen und wieder konzeptionelle Musik machen. Und ich werfe auch keinem 18-jährigen Rave-Kid vor, dass er meine konzeptionelle Musik nicht versteht – aber ich erwarte sehr wohl, dass er Malice in Wonderland versteht“, so Goldie. Ich meine das nachvollziehen zu können und ziehe meine Schlumpfmütze vor dem Meister und seiner langjährigen und wieder mal exzellenten, vorbildlichen Arbeit.

www.metalheadz.co.uk
www.grooveattack.com

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>> Hip Hop / Soul
Boundzound: Louder (island / universal)

1989 beginnt Demba Nabé bereits Theaterstücke zu schreiben und dank Berliner Senatsgeldern auch zu realisieren. Wie die unterschiedlichen Dörfer, aus denen sich die Stadt Berlin entwickelt hat, entstehen seine Arbeiten aus eigenen Geschichten, aus seiner Musik und unter seiner Regie. Er spielt im Zan Pollo Theater, landet aber schließlich immer öfter in den Armen der besten Freundin, der Musik, die sich schon bald den Nachnamen Boundzound zulegt. Die Klarinette wird genauso sein Partner wie der Gesang, der Tanz und das Schreiben von Liedern. Er unterrichtet Tanz für Sänger an der Hans Eisler Universität in Berlin und als das Jahrtausend seinen Schwanengesang anstimmt, gründet er mit ein paar Freunden eine Band. Seeed beinhaltet mehr Musiker als man Finger an beiden Händen hat und schließlich begeistern sie im Laufe der Jahre mehr Menschen als in eine mittelgroße Stadt passen. Atempausen gehören nicht zu den wesentlichen Merkmalen in Dembas Leben in dieser Zeit. Ihr werdet uns nennen lernen, denkt er, und meint damit nicht nur die bereits als Tatsache anwesende Bekanntheit von Seeed. Die Worte und Töne in Dembas Liedern fliegen inzwischen wie jonglierte Kegel über seinem Kopf, jederzeit bereit in neuen Konstellationen, in neuen Formen zu kreisen. Nun steht der erste SpinOff aus der Seeed-Elf an: Boundzound, bekannt als Ear, liefert schweißtreibende Vibro-Beats und flimmernden Bass garniert auf dicke Grooves. Seine erste Single „Louder“ schlackert jetzt schon durch alle Speaker. Im Titelsong der Platte beschreibt er einen Pokerspieler im Casino, der zu gewinnen weiß, den Gewinn aber nicht als Seins betrachten kann. Spiel, Spaß und Sommerfeeling – der Wettergott scheint es ihm zu danken und lässt die Sonne auf den kahlen Schädel brennen. In „Airport Love“ geht es um kurze intensive Begegnungen auf Tour, wenig Zeit, wenig Platz, aber Augenblicke, die schnell eine Sehnsucht nach Verlängerung entwickeln. Mit seiner charakteristischen Kehle überfliegt Dembas Musik genau die Grenzen, die er im Laufe der Jahre als Beobachter kennen gelernt hat. Ob Soul, Hip Hop oder Dancehall – hier geht’s um Bilder, Farben, Formen und Frequenzen. Und während ich gerade den „Marathon Mann“ auf repeat geniesse, sorgt Boundzound hier insgesamt mit einer abgefahrenen Mischung aus zurückgelehnten Reggae-Sounds, HipHop-Beats, Songwriting und dem Blues-Gefühl im Gepäck zugleich für gechillte Stimmung und Tanzvergnügen! Übrigens tourt er ab Ende April mit seinem Soloprojekt durch die Rapublik und versehrt euch mit sommerlichen Vibes. Mit besten Grüssen in den Wellnessclub ;-)

www.boundzound.de
www.myspace.com/boundzound

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>> Phuture Jazz
Dephazz: Days Of Twang (phazz-a-delic / edel)

Was 1997 als lockerer Pool von Musikern um den „akustischen Cutter“ Pit Baumgartner begann, ist inzwischen trotz der anerkannten Sampelwut und Schnipselarbeit zum Bandprojekt ausgeartet. Nach dem Vorgängeralbum „Natural Fake“ haben sie nicht nur den Bindestrich im Namen hinter sich gelassen, sondern auch das Label. Auf Phazz-A-Delic, ihrem eigenen kleinen Reich, veröffentlichen die Easy-Listening-Jazz-Soul-Latin-Dub-Bossa-Fürsten und ihre Teilzeit-Königin Pat Appleton das Album „Days Of Twang“. Und ich muss es gleich sagen: Dephazz ist eine meiner lange gehegten Liebschaften. Wie bereits Pit Baumgartner aus Heidelberg mitgeteilt, diente mir im Jahre 1999 das Album „Godsdog“ (mole listening pearls) ein Jahr lang zum Liebemachen – und Langeweile geht anders. Auch die zeitlos begehrenswerten 44 Musikminuten des neuen Werkes beglücken tagelang, die Nächte durch und ab sofort. Das „Twang“, also die hohen Töne, bezieht sich auf die Aufnahmequalität von Songs aus den 50ern und 60ern, die diesmal vermehrt in die Samplings von Dephazz einflossen. Die lehrreiche „Boogie Philosophy“ kann auf jedem Tanzflur umgesetzt werden, und in perfekter Imperfektion machen die schmutzigen Details hier immer Sinn, erschließen sich aber erst nach wiederholtem Zuhören. Das Motiv ist dabei weder Mainstream noch Underground, sondern die Liebe zum Experiment. Die Mitstreiter sind loyale Legenden. Barbara Lahr, schon mit der SpaceRock-Legende GuruGuru unterwegs, verkörpert sehr sinnlich auf dem „Nonsensical Things“ und „Dancing With My Hands“ die Dephazz-Wurzeln in der deutschen Jazz/Rock-Musik der 70er. Pat Appleton bereichert das Album mit ihrem erfrischenden Zynismus auf dem Doo-Bop-Rivera-Bossa „Hell Alright“ und blättert nebenbei in einem staubigen Photoband über das London der späten 60er mit „My Society“, einem Nancy-Sinatra-kompatiblen Sixties-Schnurrer. Paul St. Hilaire vermischt klassische Jazzguitar-Licks mit Riddim Grooves auf „Better World“, der totalen Entspannung. Direkt aus einem Beatclub auf Jamaika gibt’s „Le Petit Bastard“, und Karl Frierson liefert das typisch herzerweichende „It Will Turn Out Right“ und das untypisch countrybluesrockende „What’s The Use Of ...?“. Höllisch herrlich kommen der Elvis-eske Bossa-Mambo-Chacha „Devil’s Music“ und der rockabillige „Rock’n’Roll Dude“. Warum es in Gedanken und Gewerken der Rock’n’Roll der Vormütter war, der hier mit Bässen, Beats und Samples der Neuzeit auf die Reise geht, erklärt der Meister am besten selbst: „Dieses Mal musste der Rock’n’Roll zeigen, wie weit er sich biegen lässt bis er bricht. Dieser Rock’n’Roll, diese Ansammlung von „twangs“ im oberen Frequenzspektrum aus meinem Transistorradio, war für mich der Einstieg in die Welt der Musik. Und da war jedenfalls noch eine Rechnung offen. Außerdem hatten die Jungs damals auf meinen Lautsprechern keine Bässe. Das musste mal geändert werden.“

www.de-phazz.com
www.phazzadelic.com
www.edel.de
www.mconnexion.de

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>> Reggae / Dancehall
Nosliw: Mehr Davon (rootdown records)

Schon im Mutterbauch mit Reggae von Peter Tosh, Jimmy Cliff und Konsorten beschallt, hat er als Deutscher einen besonderen Bezug zur ursprünglich jamaikanischen Musik. Jedoch bleibt Rap in den ersten 15 Lebensjahren immer die Hauptsache für den gebürtigen Bonner. Seit 1992 mit Hip Hop verschworen, rockt Nosliw zu dieser Zeit mit Scheiben wie Public Enemys „Fear Of A Black Planet“ und „Live In Concert“ von der 2 Live Crew ab. Seinen Künstlernamen bastelt er sich aus seinem bürgerlichen Namen Eric Wilson. Rückwärts gelesen und im Stil des Sportartikelherstellers Wilson gedruckt, gibt sein Nachname ein erstklassiges Etikett ab. Doch er übernimmt bei seinen Reggae-Stücken keine typisch jamaikanische Themen. Immer schon sozial engagiert, bringen seine deutschsprachigen Lyrics Missstände, die im eigenen Land vorliegen, zur Sprache. Die Reggaeszene wächst und gedeiht – und mit ihr die Soundsystemkultur. Mit seiner ersten Singleauskopplung „Immer Wieder Hören“ verneigt er sich respektvoll vor ihr. „Yau Reggae Massive, hier spricht Nosliw, Rootdown represent, jetzt hat’s sich ausgepennt! (…) das wird ’ne gute Zeit und Gutes bleibt!“ Ganze drei Jahre hat sich der gelernte Sanitärinstallateur (inkl. Logopädie-Ausbildung) nach seinem Debut-Album „Mittendrin“ Zeit gelassen, um nun den nächsten Longplayer vorzulegen, und das Warten hat sich gelohnt! Der inzwischen nach Berlin übergesiedelte Nosliw und zur Zeit der bedeutendste Reggaeinterpret im Land gibt „Mehr davon“. Kaum ein Festival ohne ihn und wahrscheinlich gibt es kaum noch weiße Flecken auf der Landkarte, wenn man sich ankuckt, wo der gute Mann so alles als Gast bei Soundsystem Showcases war. Nosliw gehört seit Jahren fest dazu, wie gesagt, auf den Bühnen und in den Clubs. Insgesamt zeugen beim neuen Album 13 Tunes auf der Basis von modernem Rootsreggaesound von Nosliws Können, ob es nun inhaltlich um die Liebe oder gesellschaftskritische Themen geht. Mein Lieblingssong ist natürlich „Bitte schickt mir Hilfe“. Die Rhythmen wurden fast durchweg vom alten Weggefährten Teka produziert, aber auch das Hamburger Silly Walks Movement und der Berliner Soundschmied Guiseppe Copolla steuerten Beats bei. Eingängigkeit ist ein wesentliches Markenzeichen des Künstlers, neben Charme und Präsenz. Dabei singt er nach wie vor durchgängig auf Deutsch. Nur Gentleman, als einziger Gastvokalist am Mikro, steuert bei „Liebe“ seine Patois-Englisch-Melange bei. Ansonsten bestreitet Nosliw seinen Zweitling im Alleingang und bietet ausnahmslos fantastische Musik. Mehr Style, mehr Stimme, mehr Flow, mehr Inhalt, mehr Reggae, kurz: Mehr Davon!

www.nosliw.de
www.rootdown-records.com

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>> Disco / Powerpop
Kathy Diamond: Miss Diamond To You (permanent vacation)

Seit den frühen 90ern arbeitete die Sängerin und Songwriterin an einer Vielzahl unterschiedlicher Projekte. In Zusammenarbeit mit den Produzenten Swag schrieb sie 2002 den Song „Miracles Just Might“. Die Reaktionen waren euphorisch, und innerhalb eines Monats folgte auf dem Label Cottage die Single „Sunshine“, die die Idjut Boys 2005 für ihre „Press Play“ Compilation auf Tirk Records lizenzierten. Nach dem großen Erfolg ihrer beiden 12“-Veröffentlichungen „All Woman“ und „Over“ gibt’s nun endlich ihr mit Spannung erwartetes Albumdebüt „Miss Diamond To You“, an dem in den letzten zwei Jahren mit Hochdruck gearbeitet wurde. Und Mister Fultons musikalisch unverkennbare Handschrift ist definitiv die Grundlage, um Kathys tolle Stimme so zur Geltung kommen zu lassen. Maurice Fulton sorgte nicht nur als Mitglied des amerikanischen Produzenten-Kollektivs Basement Boys für Furore, er produzierte ebenfalls schon Ultra Naté („It’s Over Now“) oder Crystal Waters („Gypsy Woman“). Darüber hinaus erschienen seine Produktionen auf Labels wie Warp, SSR, Output oder Sähkö Recordings. Die musikalischen Koordinaten und Inspirationen sind Prelude und Westend Records, G.I. Clubs der frühen Achtziger Jahre im Rhein-Main-Delta, NYC, Paradise Garage, und der benebelte Tüftler und seine fragile Muse lösen damit den Post-Disco-Konflikt. Hier ist nichts mit nostalgischem Retro-Geheule – straight nach vorne schauend und neue Standards setzend, hat dieses Album in meinen Ohren das Zeug zu einem wahren Future Classic. Typisch Maurice Fulton – ob in Form von Produktion, DJ-Sets oder Radioshow Mixtapes. Und mit Kathy Diamond hat er eine perfekte Stimme für seine musikalischen Visionen gefunden. Im gegenseitigen Einvernehmen scheint vor allem die Dosierung so schlüssig wie seit Urzeiten nicht mehr gehört. Nicht zu viel Boogieismus, zu viel tragisches Epos, zu viel Track, zu viel Song, zu viel Effektgarnitur, zu viel Referenzschläue, zu viel Spacetroopertum, zu viel Divenhand, zu viel Traditionsgewissen, aber eben auch nicht zu wenig, und vor allem so viel überlegene Komprimierung. Ich liebe die Zitate: Beim Überhit „All Woman“ sind es die Bassline von Lucy Pearl und der trockene Beat von „Billy Jean“, „Another Life“ ist vom Aufbau her ein „Peanut Butter“ für 2007 und „I Need You“ bedient sich der Beats von Adamskis „Killer“. Nie werden all diese Einflüsse gesampelt oder als maßgebliches Element verwendet, sondern immer mit Fultonschem Sound tricky eingespielt und dann eingebunden. Ein supergrooviges Disco-Album für die Fetischisten von High Heels, Lipgloss, Handclaps, Augenglitzer und Gin Tonic. On & On!

www.perm-vac.com
www.grooveattack.com

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>> Nouvelle Chanson
Le Pop 4 : Les Chansons De La Nouvelle Scène Française (le pop musik / groove attack)

Eine stilistische Umorientierung bekannter Sänger zeichnet die erlesenen „Nouvelles Chansons“ aus. Ich mag’s französisch und freu’ mich nach anderthalb Jahren, den vierten Teil der Le Pop Compilation-Reihe zu hören. Pierre Lapointe bietet zur Eröffnung sein Blue-Eyed-Soul-Stück „Qu’en est-il de la chance?“ dar. Die neuentdeckte Sängerin Austine tritt mit einer klassischen Chanson-Stimme gemischt mit leichten Popklängen auf, während Vincent Delerm mit „Sépia plein les doigts“ eine Wiederbelebung der Rive-Gauche-Tradition präsentiert. Einer der ungewöhnlichsten Acts auf der französischen Musiklandkarte ist mit Sicherheit Holden, die mit ihrem Lied „Madrid“, einem Sound zwischen elektronischer Avantgarde, englischem Pop und französischen Wurzeln, ihre autonome Entwicklung von den Trends im Neo-Chanson vorstellen. Dank seines unverschämten Hits „L’amour et l’eau fraîche“, der ironisch den von >M<, Parisot und Albin de la Simone entwickelten Hauptstadt-Sound an die Ardèche entführt, sollte Eddy (la) Gooyatsh nicht mehr lange ein Geheimtipp bleiben. Mathieu Boogaerts bestätigt mit „Les Tchèques“ seine Ausnahmestellung als stilbildender Künstler. Auch Jeanne Cherhal brach mit der eher traditionellen Ausrichtung ihres Debuts und hat mit der vielschichtig arrangierten Single „Voilà“ einen beeindruckenden Schritt Richtung Pop gemacht. Pascal Colomb arbeitete bisher vor allem als Studio-Musiker und Arrangeur mit Größen wie >M<, Stremler, de la Simone und Mickey 3D und liefert hier das an rhythmischer Originalität kaum zu überbietende Juwel „Toute ressemblance“. Ludo Pin dagegen gelang das Kunststück, schon mit seiner Debüt-Single „3 Secondes“ auch außerhalb Frankreichs Airplay zu bekommen. Sein eigenwilliger Stil mit HipHop-Einschlag ist dank einem feinen Händchen für Hooklines eingängig und markant. Mit „Le Naturel“ schlägt Pascal Parisot, der Meister der außergewöhnlichen Arrangements, eine Brücke zwischen Exotica und Chanson. Der geniale Einfall, eine Posaune als Elefantendouble einzusetzen, ist wohl einzigartig in der Popgeschichte. Nicolas Haas überzeugt mit der Indie-Hymne „Si Un Jour Tu Hésites“ und nichts für Nichtrauchercafés ist Mélanie Pain’s romantisches „La Cigarette“, das auf Le Pop 4 seine Weltpremiere feiert. Dominique A, der Urvater der Nouvelle Scène, belegt seinen Status mit dem Stück „Dans Un Camion“ eindrucksvoll, und auch Thierry Stremler demonstriert mit seinem fast croonerhaften Ohrwurm „Idéal Modèle“ alte Stärke. Nicht nur für Frankophile durchgängig hörbar, unterhaltsam und auf elegante Art verführerisch. Wer Gefallen daran findet, freut sich auch über das dritte Album „Chevrotine“ von Holden, bei dem die neuen Lieblinge der Pariser Szene mit Atom Heart einen innovativen, experimentierfreudigen, futuristischen Entwurf des Chanson formulieren.

www.lepop.de
www.grooveattack.com

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>> Drum&Bass
V.A.: HiVitality – vital styles of drumnbass (beatalistics)

Das Genre Drum’n’Bass krankt nicht selten daran, dass es auf den Tanzböden heimischer Diskotheken zwar zu den zündendsten Auswüchsen der elektronischen Clubkultur gehört, auf Longplayer gebannt entbehren viele Acts jedoch an Vielseitigkeit: Die oft schwer verbreakten und aggressiven Tracks machen es schwer, die Begeisterung für diesen Sound auch im eigenen Wohnzimmer nachvollziehbar zu machen. Genau hier möchte „Hivitality - Vital Styles Of D&B“ anknüpfen. Nachdem MTC Yaw & Dub Tao bereits ihre feinen Tunes auf Vinyl releasten, folgt nun die zweite CD-Compilation aus der HiVitality soulful Drum’n’Bass Reihe (beatalistics002). Das Bremer Label für Clubmusik, gegründet und betrieben von den Musikproduzenten und DJs Stadler&Waldorf, liefert auf CD, Vinyl oder MP3 zugleich Tanz-Tools für den Club-DJ und übersprudelnde Klangquellen für die heimische Stereoanlage. Anstatt mit maschineller Kälte zu verstören, bestechen die 19 Tracks mit lebendigem Klang und widmen sich vorwiegend den etwas poppigeren Ausprägungen dieses Genres. Und tatsächlich klingen die von Stadler&Waldorf sorgfältig kompilierten und gemixten Beiträge mehr funky, sonniger und vor allem melodischer als vieles, was sonst den Banner Drum’n’Bass trägt – ohne dabei seine Dancefloor-Kompatibilität zu verlieren! „HiVitality“ ist facettenreich und zeigt, dass die Produzenten ihre eigenen musikalischen Wege gefunden haben. So stellen die Tracks eine perfekte Synergie aus kraftvollen Oldskool-Drum’n’Bass-Beats mit modernen klaren Melodielinien dar, mal tanzbar, mal zum Zuhören. HiVitality bricht das Genre nach allen erdenklichen Seiten auf, sei es Jazz, Pop oder World Music. So entstehen neue Formen, die die enorme Wandlungsfähigkeit von Drum’n’Bass zeigen. Neben bereits etablierten deutschen und englischen Artists wie Loxy & Amaning, Syncopix, Young Ax, Social Security presents Crisis Loan, Henree oder den Giana Brotherz sind auch up-and-coming Producer der nächsten Generation vertreten. Es fällt schwer, einzelne Tracks hervorzuheben, da hier wirklich alle Künstler vortreffliche Arbeiten abgeliefert haben. Allerdings höre ich am häufigsten das swingende „Dirty Diamond“, die schön treibenden Tracks „Toasty“ und „Creeping In My Ear“ sowie das völlig fertige „Sommerlied“ und das hypnotisierende Top-MP3-Release „U Do It Right“ des Kölner Drum’n’Bass Produzenten und DJs Henree. Heimlicher Favorit für den besten Track ist für mich „Feeling Good Rewind“ (Hanuman Tribe). Organische Sounds wärmen die Seele und bändigen die Beats. Doch die bewahren ihre mitreißende Wirkung und sorgen für euphorische Reaktionen der Clubbesucher auf der Tanzfläche – vital styles of urban grooves!

www.beatalistics.com

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>> DVD-Special
Der Fluch – The Grudge 2

„Man sagt, wenn jemand in einem Zustand unbändigen Grolls zu Tode kommt, lastet fortan ein Fluch auf dem Ort des Sterbens“, lautet ein japanisches Sprichwort. Und am Ende des ersten Teils zeichnete es sich bereits ab: Der Fluch ist noch nicht beendet. Ganz im Gegenteil, er kommt zurück und verfolgt in Tokio wieder unschuldige Seelen, die auf den ersten Blick nichts verbindet. Für die spannende Fortsetzung des erfolgreichen Horrorschockers von Starregisseur Sam Raimi (Spiderman) zeichnet sich auch wieder Japans Kultregisseur Takashi Shimizu (Ju-On - The Grudge) verantwortlich, der wieder eine verflucht gute Schauspielerriege engagierte: In der Hauptrolle brilliert US-Schauspielerin Amber Tamblyn (Die Himmlische Joan), die bereits in The Ring erste Genre-Erfahrungen sammeln konnte, und auch die Fans von Sarah Michelle Gellar (Buffy - Im Bann der Dämonen) werden hier wieder auf ihre Kosten kommen. In einer weiteren Rolle: Jennifer Beals (Flashdance). Während sich im ersten Teil das Grauen noch bevorzugt durch lange, schwarze Haare ankündigte, so sind es nun vermehrt die bläulich schimmernden Körper und Körperteile der Verstorbenen, die plötzlich auftauchen und das Gruseln lehren sollen. Aubrey Davis (Amber Tamblyn) erfährt von ihrer Mutter (Joanna Cassidy), dass ihre Schwester Karen (Sarah Michelle Gellar) in ein japanisches Krankenhaus gebracht wurde. Niemand im Krankenhaus glaubt Karen, dass sie ein Haus in Brand gesteckt hat, um ihrem Freund das Leben zu retten. Seit dem Feuer wird sie von einer geisterhaften Frauengestalt in weißem Kimono und mit schwarzen Haaren verfolgt. Aubrey macht sich auf den Weg nach Tokio, um die schrecklichen Vorkommnisse aufzuklären. Doch je mehr Licht sie in das mysteriöse Dunkel zu bringen versucht, umso präsenter wird die lauernde Gefahr, die bald ihre schlimmsten Alpträume übertrifft. Nach und nach geraten immer mehr Personen in den Bann der geheimnisvollen Frauengestalt aus dem ausgebrannten Haus. Der Fluch scheint sich auszubreiten und nach scheinbar Unbeteiligten zu greifen, die doch durch ein Schicksal miteinander verbunden sind. Die DVD-Extras liefern die Entwicklung der Geschichte, die Arbeit mit Takashi Shimizu, die Darstellung der „Grudge“-Wesen sowie Soundeffekte, Deleted Scenes und Darstellerinfos. Für Liebhaber des Gruselgenres könnte „The Grudge 2“ trotz seiner inhaltlichen Schwächen interessant sein, denn nur selten wurde man in solch einer regelmäßigen Frequenz erschreckt und erfolgreich zum Gruseln gebracht.

Verlosung: Drei DVDs wurden freundlicherweise von Constantin Film freigegeben. Einfach bis zum 30.Mai eine Mail mit dem Betreff „The Grudge 2“ an gewinnen@hanfjournal.de schicken. Viel Glück!

www.grudge2.film.de
www.constantin-film.de
Roland Grieshammer
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