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breitspiele
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Breitspiele Mai
Bisher gab es auf dieser Seite meist Spiele satt. In dieser Ausgabe will ich weniger über Spiele sprechen als euch einen kleinen Einblick in die japanische Spieleszene geben.
Publiziert am: 08.05.07 - Medienformen: Medienform Text


Also, wen es im Frühling mal nach Japan verschlägt, der sollte einen Abstecher nach Asakusa Tokyo machen und den „Game Market“ besuchen. Nicht, dass ihr denkt, ich selbst wäre vor Ort gewesen, das nicht. Bilder und Informationen stammen von einem nicht nur spielebesessenen sondern auch japanliebenden Freund, der derzeit das Land der aufgehenden Sonne auf Herz und Nieren überprüft. Daher hat es auch nur ein Spiel in diese Ausgabe geschafft und zwar „Glanz und Gloria“, die Erweiterung zu „Thurn und Taxis“. Denn Poststrecken werden auch in Japan sehr gerne gebaut.

Während sich in Essen die Massen durch mehrere Hallen schieben, um hier und da ein Schnäppchen zu schlagen oder das Neueste vom Neuen zu ergattern, kommen zum „Game Market“
gerade mal 1000 Menschen. Dafür gibt es diese Spielemesse auch erst seit dem Jahr 2000. Den Veranstaltern sei es eine Herzensangelegenheit Karten-, Brett- und Gesellschaftsspiele in Japan zu verbreiten, denn noch immer zocken die Japaner lieber Video- und Computerspiele. Dabei ist und bleibt Deutschland das große Vorbild. Und wer weiß, vielleicht schaffen es ja auch mal ein paar deutsche Spieleerfinder oder Verlage an der Messe teilzunehmen, die ehrenamtlichen Organisatoren würden sich außerordentlich freuen. Bei der diesjährigen Messe konnten an gut 60 großen und 15 kleinen Ständen Spiele begutachtet, getestet und gekauft werden. Dabei stellen an den meisten der kleinen Stände Privatpersonen und Spiele-Clubs eigene Spiele und Ideen vor. Und wer weiß, vielleicht findet der eine oder andere Schnäppchenjäger ja sogar ein Spiel, auf das er schon lange
scharf ist, denn es gibt auch einen Basar und dort wird bekanntermaßen gefeilscht. Außergewöhnlich dürfte die Auktion sein, wo mehr als 20 Spiele versteigert werden. Ein paar Yen sollte man also einstecken haben. Natürlich wurde in Japan auch schon vor Video und Computer gespielt, haben die japanischen Klassiker wie Go, Shogi und Majong doch ihre Liebhaber in aller Welt gefunden. In diesem Jahr wurde „Unsunkarta“ – ein japanisches Kartenspiel – vorgestellt, dessen Ursprung in Portugal liegt. Im 16. Jahrhundert brachten es portugiesische Seefahrer nach Japan. Dort wurde es erst weiterentwickelt, geriet aber fast in Vergessenheit, als das Kartenblatt mit 52 Karten von Europa nach Japan kam. Nur in einem kleinen Dorf auf Kuyushu überlebte das Spiel und kann jetzt in der Neuauflage an frühe Zeiten anknüpfen, als es unter den Japanern sehr beliebt war. Vor zwei Jahren wurde ein anderes sehr schönes urjapanisches Spiel namens „Tosenkyo“ gezeigt.
Dabei versucht man mit einem Papierfächer ein Ziel auf einem kleinen Podest zu treffen. Allerdings kommt es nicht nur darauf an, das Ziel zu treffen, sondern auch wie der Fächer liegt. In Essen habe ich einigen Menschen dabei zugesehen und es gehört viel Geschick dazu, den Fächer auch nur in die Nähe des Ziels zu werfen. Die bekanntesten Brett-Spiele in Japan sind „Monopoly“, „Spiel des Lebens“, „Acquire“ und „Siedler von Catan“. Wer sich noch an die vergangene Novemberausgabe erinnert, dem dürfte „Japon Brand“ ein Begriff sein. Ebenfalls von den Veranstaltern der Messe ins Leben gerufen, ist es eine Vereinigung japanischer Verlage und Spieleenthusiasten. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, traditionelle japanische Spiele und neue Spiele japanischer Autoren in aller Welt bekannt zu machen. Im vergangenen Jahr hatten sie ein paar kleine aber feine Spiele im
Gepäck, die ich bisher nur angetestet habe und auf keinen Fall schlecht finde. So geht es in Gra-Gra-Company – einem „aktionsgeladenen Wirtschaftsspiel“ ums erfolgreiche Investieren und dem rechtzeitigen Umlagern seiner Anlagen. „Gra-Gra-Company“ ist ein Würfelspiel, wobei sowohl gewürfelt wird aber die Würfel auch angelegt werden, sprich: Würfel stapeln. Sobald ein Würfelturm umfällt, müssen die Investoren an die Bank zahlen und haben sozusagen Pech gehabt. Ansonsten werfen die Stapel früher oder später Gewinne ab. Sobald keine Würfel mehr da sind, weil sie entweder alle verbaut oder aus dem Spiel genommen wurden, endet die Runde, nach drei Runden ist das Spiel vorbei. Während der Messe in Essen habe ich einige japanische Spiele ausprobiert und ich muss sagen, dass sie meist sehr kommunikativ, lustig und einfach sind und vor allem in sehr kleinen Verpackungen stecken. Mehr davon in einer der nächsten Ausgaben. Wer schneller, was drüber wissen möchte, kann mal auf diese Seite schauen: http://japonbrand.gamers-jp.com/index.htm. Man darf gespannt sein, was sie im Oktober in Essen vorstellen werden.

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Glanz und Gloria
Strategie

Während in Japan „Thurn und Taxis“ zum besten Spiel gekürt wurde, ist hierzulande schon die Erweiterung „Glanz und Gloria“ erschienen. Aber was heißt Erweiterung?
Es ist ein neues Spiel, denn „Thurn und Taxis“ eignet sich nicht wirklich für eine Erweiterung. Es gibt einen neuen Spielplan, der jedoch nicht an den Grundplan angelegt wird. Vom Original werden nur die Poststationen und die Grundregel benötigt.
Weiterhin müssen die Spieler Strecken bauen, allerdings in einer Gegend, die den Süddeutschen unter uns nicht so geläufig ist, liegen die Städte doch fast alle nördlich des Weißwurst-Äquators – dem Main. Wieder gewinnt derjenige, der die meisten Siegpunktplättchen ergattert. Und es sollten möglichst alle Häuschen verbaut sein, sonst gibt es Punktabzug. Nicht mehr dabei ist der Wagner, der hat inzwischen ausgedient, stattdessen haben die Stadtkarten eine Doppelfunktion: Entweder werden sie, wie gewohnt, als Streckenkarte ausgelegt oder aber vor die Postkutsche gespannt. Denn eine Strecke abschließen darf nur, dessen Postkutsche über genügend Zugpferde verfügt. Ein paar freie Reichsstädte bringen weitere Siegpunkte und wer gerne lange Strecken baut, dürfte sich über die Achter-Strecken-Siegpunktplättchen freuen. Statt ganz Bayern zu besetzen, heißt es jetzt in allen preußischen Städten eine Poststation zu errichten. Wem „Thurn und Taxis“ großen Spaß macht, dem wird auch „Glanz und Gloria“ gefallen. Wer „Thurn und Taxis“ nicht kennt, aber „Glanz und Gloria“ spielen will, muss sich Grundregel und Poststationen besorgen und kann es eben auch ohne das Original spielen. Das dürfte zwar nicht im Sinne des Verlags sein, ist aber auf alle Fälle möglich. Anscheinend verlangt ja ein „Spiel des Jahres“ eine Fortsetzung, selbst wenn daraus ein eigenständiges Spiel wird.

Glanz und Gloria
Strategie
Thurn und Taxis – Glanz und Gloria
Autor: Karen und Andreas Seyfahrt
Verlag: Hans im Glück
Spieler: 2–4
Alter: ab 10
Dauer: ca. 60 Minuten
Preis: ca. 15 Euro


Kerstin Koch


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