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Gestrecktes Gras im Fernsehen

Publiziert am: 15.06.07 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Roland Grieshammer
Wenn die Bundesregierung im Frühjahr ihren jährlichen Bericht veröffentlicht, widmen sich die Talkshows immer gerne dem Thema Sucht und Drogen. So kam es kürzlich bei dem Sendeformat „Menschen bei Maischberger“ zum Thema „Jedem seine Droge: Sind wir eine gedopte Gesellschaft?“, wobei der Titel der Sendung eine ziemliche Mogelpackung war, da es eher nebenbei abgehandelt wurde. Stattdessen griff die Moderatorin immer wieder die Frage nach der Cannabislegalisierung auf, was natürlich kontrovers diskutiert wurde. Doch glücklicherweise war Steffen Geyer vom Deutschen Hanf Verband einer der geladenen Diskussionsteilnehmer. Und er argumentierte differenziert, schlüssig und medienkompetent für eine kontrollierte Legalisierung von Cannabis bei gleichzeitiger Aufklärung über Wirkung und Risiken. Eine tablettenabhängige Bürokauffrau, die gerade einen Entzug beendet hat, berichtete anschaulich von ihrem Weg in die Sucht, der mit einem ärztlich verordneten Medikament gegen ihre Migräne und dem Gefühl, in ihrem Alltag um jeden Preis funktionieren zu müssen, angefangen hatte. Ihr behandelnder Arzt, der Suchtmediziner Dr. Rüdiger Holzbach, lieferte Hintergrundinformationen über diese in der gesellschaftlichen Wahrnehmung völlig unterschätze Sucht, über die Naivität von Ärzten, die Signalwirkung von Medikamentenwerbung, die Schwierigkeiten von Angehörigen und Betroffenen, die Symptome richtig zu deuten und die Gefahren von nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten. Durch einen ehemalig kokain- und crackabhängigen Werbe-Manager gewann der Zuschauer neben der Erkenntnis, dass häufiger Drogenkonsum in der Werbebranche wohl doch kein Klischee ist, auch die Informationen, dass sich ein Crack-Rausch wie sexuelle Stimulation anfühlt und höchstens zehn Minuten dauert. Die Mutter eines ehemals drogensüchtigen Sohnes und seit drei Jahrzehnten in der Elternselbsthilfe tätig, redete über die Gefahr von Abhängigkeitsentwicklung gerade bei Jugendlichen, die schnelle, einfache Lösungen für die Probleme des Erwachsenwerdens suchen. Und am Ende gab’s noch ein separat aufgezeichnetes Interview mit Christiane F., dem Mädchen vom Bahnhof Zoo, dass zum Thema nicht viel zu sagen wusste und doch so viel davon verkörpert. Die mittlerweile 44-Jährige, nervös und unsicher wirkende, noch mit Methadon substituierte, arbeitslose Frau vor die Kamera zu holen, war nicht die stärkste Idee. Und so wurde auch wieder deutlich, dass bei allem Bemühen um Seriosität eine Fernsehtalkshow wohl nicht das beste Medium für eine fundierte, differenzierte Diskussion ist.
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