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Wie wirkt sich der THC-Gehalt auf das Suchtpotenzial von Cannabis aus?

Publiziert am: 18.07.07 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen
Vor einigen Wochen erhielt ich eine E-Mail zu einer Konversation mit dem BKA (Bundeskriminalamt). Darin begründete ein Vertreter des BKA, warum ein hoher THC-Gehalt in Cannabisprodukten gefährlicher als ein niedriger THC-Gehalt sei.
Er schrieb: "[...] unser Toxikologe hat mir auf Ihre Anfrage hin folgende Antwort mitgeteilt: Es kann als allgemeines pharmakologisches Lehrbuchwissen gelten, dass ein Anstieg eines suchterzeugenden Wirkstoffes im Suchtmittel eine höhere Suchtgefahr beim Konsum dieses Materials nach sich zieht: Je deutlicher (schneller und höher) der Konzentrationsanstieg des Wirkstoffs im Blutspiegel stattfindet, desto höher ist das Suchtpotential. Diese Änderung hängt unter anderem vom Wirkstoffgehalt im Suchtmittel und der Art der Aufnahme ab. Eine orale Aufnahme führt zu einer deutlich langsameren Anflutung als z. B. eine intravenöse oder gar eine inhalative Aufnahme, weshalb z. B. beim Kokain die Suchtgefahr vom Kauen der Kokablätter (mit niedrigem Wirkstoffgehalt) bis zum Rauchen von Freebase/Crack (praktisch unverdünnter Wirkstoff) dramatisch ansteigt. Dies gilt als Grundregel für alle psychoaktiv wirkenden Suchtstoffe und ist bedingt durch die allgemeine Funktionsweise des menschlichen Zentralnervensystems."
Diese Argumentation klingt zunächst ganz plausibel und ist auch auf eine Anzahl von Drogen anwendbar. Tatsächlich ist nicht nur gerauchtes Kokain gefährlicher als das Kauen von Kokablättern, sondern das Spritzen von Opiaten, wie beispielsweise Heroin oder Morphium, ist auch gefährlicher als das Rauchen von Opium oder die orale Einnahme von Opiaten in Retard-Form, bei der die Opiate verzögert (retardiert) abgegeben werden.
Die vom Toxikologen des BKA so bezeichnete "Grundregel" ist allerdings kein auf alle Drogen anwendbares Wissen, sondern eine Theorie, die häufig zutrifft, häufig jedoch für das tatsächliche Suchtpotenzial einer Substanz irrelevant ist. Dazu Beispiele zweier Alltagsdrogen.
Alkohol: Das Suchtpotenzial von Alkohol ist nicht von der Alkoholkonzentration alkoholischer Getränke abhängig, soweit die Konzentration ausreicht, um in kurzer Zeit einen Rausch zu erzielen. Das bedeutet, dass die geringen Alkoholkonzentrationen, die beispielsweise in Kefir vorkommen (etwa 0,5 Prozent), für die Entwicklung einer Sucht im Allgemeinen nicht ausreichen. Es gibt jedoch keinen relevanten Unterschied zwischen dem Suchtpotenzial von Bier und Schnaps.
Nikotin: Das Suchtpotenzial von Light-Zigaretten mit einem vergleichsweise geringeren Nikotingehalt ist nicht geringer als das von normalen Zigaretten. Dies scheint vor allem daran zu liegen, dass der geringere Nikotin-Gehalt durch eine angepasste Rauchtechnik (stärkere und tiefere Inhalation) kompensiert wird. Zudem ist die orale Aufnahme von Nikotin gefährlicher als die Inhalation, weil das Gift bei der Inhalation schnell abgebaut wird, während bei oraler Aufnahme schnell eine hohe Konzentration dieses starken Nervengiftes erreicht werden kann. Das Verschlucken einer Zigarette durch ein Kleinkind kann daher tödlich sein.
Es ist bisher unklar, wie sich eine moderate Zunahme der THC-Konzentration in Cannabis um das Zwei- bis Vierfache auf das Suchtpotenzial auswirkt. Auch beim Cannabis ist ein dem THC-Gehalt angepasstes Rauchverhalten zu beobachten. Eingeschränkt muss aber gesagt werden, dass eine erhebliche Zunahme des THC-Gehaltes um das Zehn- oder Zwanzigfache allerdings tatsächlich eine qualitative Veränderung des Suchtpotenzials zur Folge haben könnte, da so deutlich schneller hohe THC-Blutkonzentrationen erzielt werden könnten. Zum Thema orale Aufnahme sei angemerkt, dass durch die orale Aufnahme großer Cannabismengen ein sehr starker Rausch erzielt werden kann, so dass auch bei einer oralen Aufnahme nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden kann, dass das Suchtpotenzial bei dieser Applikationsform geringer ist, bzw. umgekehrt die inhalative Aufnahme problematischer ist. Auch hier ist möglicherweise eher die Menge als die Applikationsform entscheidend.
In einem Beitrag für ein Buch hatte ich jüngst geschrieben: "In einem Leitartikel für die Zeitschrift "Addiction" weisen die Autoren daraufhin, dass beim Alkohol nicht die Alkoholkonzentration der verwendeten Getränke, sondern die aufgenommene Gesamtmenge der wichtigste bestimmende Faktor für den Umfang der gesundheitlichen Schäden durch die Droge ist. Es sei aber bisher unklar, ob sich diese Beobachtung auf Cannabis übertragen lasse."
Das letzte Wort zu diesem Thema ist also noch nicht gesprochen. Die Behauptung, ein erhöhter THC-Gehalt in Cannabis erhöhe die Suchtgefahr, ist nicht mehr als eine unbewiesene Annahme. Es gibt auch gute Gründe für die gegenteilige Annahme.

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