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Die Hanfberatung im HanfJournal

Erste Hilfe für Kiffer
Publiziert am: 18.07.07 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 07juli artikel Hanfberatung im Hanfjournal
Anja (19) aus Berlin möchte wissen:
„Hallo Kascha,
seit Jahren toaste ich, aus alter Gewohnheit, meine Zigaretten bevor ich damit eine Mische mache. Jetzt kam ich dann doch mal auf die Idee nachzufragen warum man das eigentlich macht? Als ich angefangen habe zu kiffen, hat mir mal jemand erzählt, dass man damit die Schadstoffe aus dem Tabak entfernt. Außerdem braucht man Luckies wohl nicht zu toasten, weil das Kifferzigaretten seien, die schon getoastet sind?“

Kascha erklärt:
„Hi Anja,
es gibt ja das alte Klischee, dass Kiffer kreativ seien. Na ja, in Bezug auf solche Legenden mag das schon seine Berechtigung haben. Die Geschichten kenne ich auch, hier kommt jetzt die Auflösung: Dass man Zigaretten toastet hat hauptsächlich den Grund, die Feuchtigkeit im Tabak zu verringern und ihn so für eine Bongmische „brösliger“ zu machen. Dass sich der Anteil der Schadstoffe im Tabak dabei signifikant verringert, wage ich zu bezweifeln. Dafür kann man eine gut getoastete Zigarette ohne weiteres komplett in einen mittleren Bong-Kopf stopfen, während man von einer ungetoasteten Zigarette vielleicht nur 1/3 benötigt. Optimalerweise hat der Tabak eine ähnliche Konsistenz, wie das, was man mit ihm raucht. Frisches, feuchtes Gras raucht sich mit Bröseltabak ähnlich schlecht wie pulverisiertes Pollenhasch mit faserigem Tabak.
Dass auf Luckies drauf steht „It's toasted“ bedeutet nur, dass in der Tabakverarbeitung eine Röstmaschine, auch Toaster genannt, benutzt wurde, um einen bestimmten Feuchtigkeitsgrad zu erreichen. Das kann mit dem gewünschten Abbrennverhalten der Zigaretten zusammenhängen, und muss nicht unbedingt der fürs Mischen gewünschte Feuchtigkeitsgrad sein.“


Björn (17) aus Leipzig fragt:
„Hey Kascha,
als uns letztens der Tabak ausgegangen ist, hat ein Freund von mir behauptet, man könne auch Kamillentee anstelle von Tabak für die Mische verwenden. Das coole daran sei, dass das im Kamillentee enthaltene Thujon bei Erhitzung zu THC zerfalle, und noch zusätzlich knallt.
Leider hatten wir keinen Kamillentee da, sondern nur Pfefferminze, was aber auch ganz gut ging (ein bisschen wie Mentholzigaretten). Weißt du, ob da etwas dran ist? Und kann man dann Kamillentee auch nehmen, wenn das Gras mal alle ist?“

Kascha antwortet:
„Hallo Björn,
das ist ja eine wilde Geschichte. In der Tat kann man verschiedene Kräuter als Tabakersatz benutzen, dazu zählt Kamille, Pfefferminze, Damiana, Kalmus (insofern man das als Kraut gelten lassen will) und andere. Es gibt auch verschiedene Kräutermischungen zu kaufen. Die Grenzen setzt einem da vor allem der persönliche Geschmack, da in vielen Kräutern ein hoher Anteil ätherischer Öle enthalten sein kann, der das Erlebnis etwas gewöhnungsbedürftig machen kann. Unschädlicher als Nikotin sind die meisten von ihnen, am sichersten geht man allerdings, wenn man pur raucht. Dass in Kamille Thujon enthalten ist stimmt zwar, wesentlich höhere Konzentrationen finden sich allerdings im Wermutkraut und auch im Salbei. Gerade vom Wermutkraut her ist Thujon bekannt, nämlich als Wirkstoff im Absinth. Das ist ein meist grüner Anis-artiger Schnaps mit ca. 60-80% Alkoholgehalt.
Thujon ist im übrigen von der Molekularstruktur dem THC recht ähnlich, wirkt aber wohl dennoch etwas anders. Dass es aber aus diesem Zusammenhang heraus oft in einem Satz mit THC erwähnt wurde, dürfte wohl dazu geführt haben, dass solche Geschichten entstehen. Eine Reaktion, bei der Thujon zu THC zerfällt ist mir zumindest nicht bekannt und ich kann sie mir auch nicht so einfach vorstellen – schon weil ich nicht glaube, dass es sich um ein „Zerfallen“ handeln würde. Als THC-Ersatz würde ich Thujon jedenfalls nicht empfehlen. Auch wenn Thujon in Form von Absinth seit einiger Zeit in Deutschland wieder zugelassen ist, halte ich THC dennoch für einen risikoärmeren Wirkstoff.“

Dennis (16) aus München fragt:
"Hallo Kascha,
vor einer Weile hat mein Vater mich beim Kiffen ertappt. Weil ich nicht wollte, dass er sich Sorgen macht, habe ich ihm das alles erklärt. Er trinkt ja auch jeden Abend sein Bier und ich kiffe ja nicht täglich. Das hat er auch eingesehen, aber er hat sich immer aufgeregt, warum ich nicht einfach was machen kann, was unserer Kultur entspricht, wie z.B. Bier trinken. Hanf sei so eine afrikanische Erfindung und passt nicht zu uns. Ich rauche aber lieber, als zu trinken, weil ich davon nicht so schwammig im Kopf werde. Jedenfalls habe ich mal gehört, dass Hanf zwar aus Indien kommt, aber schon mehrere hundert Jahre hier verwendet wurde bevor es verboten wurde? Stimmt das, oder kommt das nun aus Afrika? Ich habe auch mal gehört aus Indien?"

Kascha antwortet:
"Hallo Dennis,
da hat dir dein Vater ja eine wilde Geschichte erzählt, obwohl er es ja ansonsten ganz locker zu nehmen scheint? Der Übersichtlichkeit wegen fangen wir mal ganz weit vorne an, in der Jungsteinzeit. Seit vermutlich mehr als 10.000 Jahren wird Hanf in Asien, konkret China, verwendet. Es gibt sowohl für eine Nutzung als Faser-, Nahrungsmittel- und Rausch- bzw. Heilpflanze Hinweise. Von dort aus verbreiteten sich der Anbau und die Nutzung von Hanf in südliche Richtung nach Indien, über den Mittleren Osten nach Afrika und auch Europa. Mittlerweile ist Hanf so gut wie weltweit zu finden. Als man vor über 5000 Jahren im heutigen Thüringen bereits Hanf für verschiedene Zwecke nutzte, fanden im Gebiet des heutigen Iran und Ägyptens die ersten Versuche statt, Bier zu brauen. Es sollte dann noch etwa tausend Jahre dauern, bis das Bier Mitteleuropa erreicht hat. Lange Zeit war das Bier aber auch ein „Überraschungsgetränk“, dessen Wirkung durch so genannte „Grut“ mit bedingt wurde. Das ist eine brauereispezifische, geheim gehaltene Kräutermischung, die unter anderem auch giftige halluzinogene Pflanzen wie Bilsenkraut enthielt. Im Laufe des Mittelalters wurde die Grut allerdings durch Hopfen ersetzt. Zusammenfassend kann man also sagen, dass selbst wenn man von den 5000 Jahren der Hanfnutzung in Deutschland das knappe Jahrhundert Hanfverbot abzieht, Bier doch noch deutlich weniger mitteleuropäisch erscheint.“
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