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Neulich im Briefkasten
Leider haben wir in unserer Zeitung zu wenig Platz, all die Briefe, die uns im Laufe eines Monats erreichen, zu veröffentlichen. Allein deshalb gibt es die Kategorie „ LeserInnenbriefe“ bei uns nicht. Letzten Monat erreichte uns ein Brief, dessen Inhalt zu denken gebe sollte. Deshalb veröffentlichen wir ihn in dieser Ausgabe, die Autorin muss aus verständlichen Gründen anonym bleiben.
Publiziert am: 16.04.07 - Medienformen: Medienform Text


Liebes Hanf Journal Team,
ich muss unbedingt mal was loswerden. Ich wohne in Berlin,bin 33 Jahre und Mutter von zwei Kinder (12 und 14 Jahre alt). Bei Berlin denken viele ja an die Kiffer- Hauptstadt, wo man jederzeit mit bis zu 10 Gramm Gras auf Tasche einen in der Kneipe rauchen kann. Fragt sich bloß, was.
Ich habe Anfang 2006 zum ersten Mal bei meinen „Versorger“ versautes, mit Sand versetztes, Gras erhalten. Da ich keine typische Szene KifferIn und schon über 30 bin habe ich mit dieser einen Ausnahme keinerlei Kontakte zum Schwarmarkt.
Ich rauche schon seit 15 Jahren gerne, kriege ganz nebenbei mein (Familien- und Arbeits)Leben prima gebacken und wollte nicht gerne auf meinen Feierabendjoint verzichten. Dreck rauchen kam erst recht nicht in Frage.
Also habe ich mich ein wenig schlau gemacht, mir Equipment für meine ersten Feldversuche bei ebay ersteigert und all die Samen, die ich im Lauf der letzten Jahre aus meinem Rauchweed gesammelt habe, am Fensterbrett angesetzt. Der Rest ging ziemlich flott. Nach einem halben Jahr war ich der komfortablen Situation, immer genug selbst gezogenes Gras für mich und meinen Mann, der selten mal mitraucht, zu haben. Schöne Sache, dachte ich, zumindest zu dieser Zeit.
Dealer und Panscher, nagelt Euch Eure Geldscheine ans Knie, leckt mich sonstwo. Political Correctness kann ich mir auch noch auf die Fahnen schreiben, denn die böse Haschmafia kriegt kein Geld mehr von mir. Und billiger war es außerdem.
Da wir ja hier nicht in Bayern sind, hatte ich mir bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar keine Gedanken über eventuelle rechtliche Konsequenzen gemacht. Der Eigenbedarf in unserer schönen Stadt soll ja eigentlich straffrei bleiben, dachte ich. Bis mein Sohn ohne Personalausweis beim Schwarzfahren erwischt und von der Polizei nach Hause gebracht wurde. Ein zufällig anwesender Freund fragte mich daraufhin, was denn sei, wenn die Polizei zufällig mal in anstatt vor unserer Wohnung steht. Darauf wusste ich offen gestanden keine Antwort.
In letzter Zeit kriege ich immer häufiger mit, dass die Polizei auch in Berlin verstärkt gegen normale Bürger vorgeht, die im kleinen Stil Hanf in den eigenen vier Wänden züchten, ohne kommerzielles Interesse.
Was soll ich nun machen: gepanschtes Gras oder Hasch von Leuten kaufen, die mein Geld sicher nicht der Arbeiterwohlfahrt spenden? Inklusive negativer Auswirkungen auf meine Gesundheit, das Gewissen und den Geldbeutel. Das wäre für mich ungefährlicher, als mich nur für mein Rauchpiece, das ich mir selbst mache, als Dealerin verurteilen zu lassen. Mit allen Konsequenzen, auch für meine Familie.
Für mich ist das mit der Entkriminalisierung totale Augenwischerei, wenn jetzt auf der anderen Seite die Hatz auf Kleingärtner losgeht. Jetzt haben viele einen Ausweg gefunden, der eigentlich auch unseren Gesetzgeber genehmer als die „geringe Menge“ sein sollte:
Schwarzgeldkänale werden trocken gelegt
der Jugendschutz wird gewährleistet, da Minderjährige im Regelfall zu Hause wohnen. Bei Mama und Papa heimlich Hanf zu züchten wäre viel schwieriger als Gras oder Hasch auf dem Schwarzmarkt zu kaufen.
der Hanfanbau geschieht nicht aus kommerziellen Interesse

All diese Argumente werden bei der momentanen Regelung der „geringen Menge“ nicht berücksichtigt. Egal ob zwei, sechs, zehn oder 15 Gramm. Und die sind bundesweit toleriert.

Aber anscheinend besteht hierzulande kein wirkliches Interesse, mit den HanfraucherInnen in Deutschland endlich Frieden zu schließen, ihnen die Hand zu reichen. Schade, eigentlich bin ich ja auch Deutschland, genau wie Frau Merkel sich das vorstellt. Ich gehe arbeite kreativ, zahle Steuern, habe Kinder und bin umweltbewußt. Meine CO2 Bilanz ist prima. Außerdem mache ich in Deutschland Urlaub. Mein einziges "Manko": ich ziehe den Hanf dem Alkohol vor.
Trotzdem bin ich kriminell, ohne dass ich irgendjemanden schade. Ein paar Pflänzchen pro Kopf würden aus den Deutschen wohl keine Nation von Stonern machen. Und auch sonst unserer Gesellschaft eher gut tun als schaden. Wie in Holland.
Das Ganze erinnert irgendwie ans Wixverbot für Oberschüler in katholischen Internaten. Mit einem Unterschied: ich hätte im Gegensatz zu so manchen ertappten Unterprimaner keinerlei Unrechtsbewusstsein.

Sei's drum, ich bleibe halt weiterhin vorsichtig, wird schon schief gehen.
Mein Dealer sieht mich weiterhin höchstens von hinten. Mein Dank geht raus an all die Gierschlunde, die mich durch ihre Gewinnsucht erst auf die Idee gebracht haben, autark zu werden.
Lieber ein bißchen Paranoia als Plastik- oder Sandgras.
Je mehr wir werden, umso eher können sie sich ihr Hanfverbot um den Bierbauch binden,

in diesem Sinne


Grüße einer unbekannten Leserin von der „Baustelle Berlin“
Missicks
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