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HanfParade von 1997 bis 2006

Nachdem Hanf 60 Jahre lang verboten und kriminalisiert wurde, beschlossen die Initiatoren der Hanfparade: "Uns reicht´s!" und gründeten im Februar 1997 das "Bündnis Hanfparade".
Publiziert am: 15.08.07 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Steffen Geyer
Am 23.08.1997 veranstaltete das Bündnis die allererste Hanfparade! Die Veranstalter forderten "Legalisierung jetzt!" und wollten "Mit Hanf in die Zukunft".

Am Brandenburger Tor gaben sich auf zwei Bühnen Künstler, Politiker und Vertreter der Hanflobby die Klinke in die Hand. Musikalischer Höhepunkt waren die Auftritte der Bands J.B.O., Blind Passengers sowie der englischen Formation SAXON. Für Eltern mit Kindern gab es in unmittelbarer Nähe eine beaufsichtigte "Kinderecke". Auf dem "Markt der Möglichkeiten" wurden zahlreiche Hanf-Produkte vorgestellt. Das Angebot reichte von Hanf-Bäckern, Hanf-Bierbrauern und Hanf-Müsli-Herstellern bis hin zur Hanf-Tofu-Wurst und Hanf-Cola. Ebenso nutzten Hanf-Läden, Head-Growshops aus dem gesamten Bundesgebiet die Gelegenheit, ihre Waren anzubieten. Auch bestand die Möglichkeit, sich in einem eigens aufgebauten Informationszelt über die vielfältigen Möglichkeiten der Hanf-Pflanze aufklären zu lassen. Auch Cannabis-Selbsthilfe- und -Legalisierungsgruppen nutzten die Chance, sich und ihre Arbeit ins rechte Licht zu rücken.

Der unglaubliche Zuspruch, den die Hanfparade1997 bei den Teilnehmern fand, wurde von der damaligen Berliner Regierung allerdings nicht geteilt. Daher kam es im Jahr 1998 so, wie es unter einer CDU-Regierung kommen musste.
Der damalige Bürgermeister Eberhard Diepgen verbot "kommerzielle Veranstaltungen" vor dem Brandenburger Tor und sprach der Hanfparade den politischen Charakter ab. Das Verbot konnte erst letzter Sekunde durch einen höchstrichterlichen Eilbeschluss verhindert werden.

Und so trafen am 29. August 1998 wieder Teilnehmer aus ganz Europa an. Angeführt von etlichen Wagen und Treckern bewegten sie sich vom Alexanderplatz in Richtung Brandenburger Tor, um dort die Abschlusskundgebung zu erleben.
Die Grünen und die PDS beteiligten sich mit eigenen Wagen und entsandten ihre besten Redner: Christian Ströbele (Die Grünen) und Freke Over (PDS).
Selbst Polizeibeamte sprachen von 10.000 bis 20.000 Anwesenden. In den Medien tauchten jedoch stets geringere Teilnehmerzahlen auf, so wurde z. B. im "Berliner Tagesspiegel" von nur 2.000 Hanfparade-Demonstranten berichtet.

Trotz des numerischen Erfolges und der vielen Hilfe von der Basis kam der Verein jedoch in finanzielle Schwierigkeiten und es gelang nur durch einen ungeheuren Kraftaufwand, die Hanfparade `99 zu retten.

Wie jeder weiß, hilft in schwierigen Zeiten nur Zusammenhalt und Solidarität und so zog die Demo in jenem Jahr mehr Besucher denn je zuvor in ihren Bann. Mit Zehntausenden Hanf-Begeisterten, die aus allen Himmelsrichtungen nach Berlin strömten, wurde erneut ein deutliches Zeichen für die Legalisierung gesetzt. Denn es sollte schließlich "Mit Hanf in die Zukunft" gehen - so die 99er Losung.

Im Jahr der großen Zwei begannen die Veranstalter verstärkt damit, die Hanfparade in die internationale Hanf-Szene einzubinden. So entstand auch der Slogan "Legalize it globaly! Hanfparade 2000 - Zeig Dich!".
Am 19. August war es dann wieder soweit: Zehntausende (wer weiß schon genau, wie viel Zehntausende) zogen mit der Hanfparade 2000 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor, wo ab 16 Uhr die Abschlusskundgebung begann, die bis 22 Uhr dauern sollte.

Doch dann kam alles ganz anders. Als die hessische Reggaeband "Cashma Hoody" ihren eigens für die Hanfparade 2000 geschriebenen Song "Legalize it globally!" aufführten, zogen dichte Wolken über das Gelände und Minuten später begann es zu stürmen und zu regnen. Zum Teil Golfball-große Hagelkörner prasselten auf die verdutzten Teilnehmer.
Schnell sammelten sich kleine Gruppen unter allen erdenklichen Dächern und Vorsprüngen. Dank des Sturms hatten alle viel Körperkontakt, was zu sehen, zu erzählen, nasse Klamotten und jede Menge Spaß. Leider traf es die Bühne besonders heftig und die Auftritte von DJ Tanith und der tschechischen Band "Hypnotix" entfielen.

Ein Jahr später traf man sich in Kreuzberg. Die Hanfparade 2001 begann unter der Losung "Kein Krieg gegen Pflanzen" am Halleschen Tor und führte durch die Innenstadt zum "Platz vor dem Roten Rathaus".
Unterwegs gab es Zwischenkundgebungen vor der SPD-Zentrale und dem Außenministerium, um an diesem 1. September auch während der Demonstration den politischen Charakter stärker zu betonen.

Auf der Abschlusskundgebung wurde es dann international. Sprecher aus Holland, der Schweiz, England, Polen und Österreich ergriffen das Wort, es sprachen Hanf-Aktivisten aus Australien und den U.S.A., so z. B. der extra aus New York angereiste Dana Beal von der Organisation "Cures Not Wars".
Aber auch die Freunde guter hanf-relevanter Musik kamen wieder voll auf ihre Kosten: Auftritte der "Sofa Surfers", der "Spezializtz feat. Curse", von Götz Widmann (Ex Joint Venture) und "Rockers HiFi" ließen Tausende Tanzbeine schwingen.

Die Hanfparade 2002 sollte allen Teilnehmern wieder etwas Neues bieten und so traf man sich in diesem Jahr am prunkvollen "Potsdamer Platz", um von da aus zum Breitscheidplatz zu ziehen, wo rund um die Gedächtniskirche herum die Abschlusskundgebung stattfand. Unterwegs gab es eine Zwischenkundgebung vor der CDU-Zentrale, auf der Christian Ströbele die Freigabe des von der Polizei beschlagnahmten Deko- Nutzhanfs forderte. Ströbeles Ausruf "Gebt das Hanf frei!" sorgte noch lange nach der Hanfparade für Schlagzeilen. Denn Stefan Raab machte zusammen mit Shaggy daraus einen Top 10-Hit.

Politisch blieb es, als die Hanfparade vor der Gedächtniskirche ankam wo Bands wie "Ganjaman", "Dubtari" und "Letzte Instanz" ebenso auf sich aufmerksam machten wie die zahlreichen politischen Redner der verschiedensten Organisationen und Parteien. Die Losung des Jahres lautete "Für Hanfgebrauch! Gegen Hanfmi§§brauch Aufklärung statt Verbote!" und war damit kontrovers und lang wie nie.

2003 - sieben Jahre nach der ersten Hanfparade - sollte die multikulturelle Demonstration erneut Zehntausende Hanfbegeisterte anziehen. Vom Bundesfinanzministerium zogen sie zum Kurfürstendamm. Dort wurde unter dem Motto "Gebt das Hanf frei!" bis in die Nacht gefeiert.

Politische Höhepunkte des Tages waren sicherlich die Reden von Hans-Christian Ströbele und Jan van der Tas (Botschafter der Niederlande in Deutschland a. D.). Aber auch die Hanf-Szene war reichlich vertreten. Vom Nutzhanf-Verarbeiter Rainer Nowotny über Medienvertreter bis hin zu Hanf-Freunden aus der Schweiz reichte die Rednerpalette.
Neben Les Babbacools, Schwarz auf Weiß, Götz Widmann, Kamikaze 52, MC Rene und den Skunk Allstars, die die Hauptbühne rockten, bot die Alternativ Stage jungen Bands die Chance vor "großem Publikum" zu zeigen was sie können.

Die Hanfparade 2004 stand unter dem Motto "Get Wise Legalize - Drogenfahnder zu Kleingärtnern!"
Nach der Auftaktkundgebung am Roten Rathaus zog die Demo zur chinesischen Botschaft und danach weiter zum Oranienplatz. Auf der Hauptbühne der dort stattfindenden Abschlussveranstaltung meldete sich unter anderem die Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg/Friedrichshain Cornelia Reinauer zu Wort. Als "Gastgeberin" ließ sie es sich nicht nehmen, ihre Zukunftsvision einer vernunftgesteuerten Drogenpolitik vor zu stellen.
Erstmals fand im Rahmen des Bühnenprogramms eine Modenschau mit Hanf-Kleidung statt. So konnte jeder sehen, dass die Zeiten, in denen Textilien aus Hanf "bessere Kartoffelsäcke" waren, vorbei sind.

Die Hanfparade 2005 fand am 13.August statt. Sie stand unter dem Motto "Wir sind das Hanf!" Erneut nahmen weniger Menschen als in den Vorjahren teil und die Anzahl der Demonstranten rutschte erstmals unter die Tausendermarke.
Los ging es vor dem Roten Rathaus. Der Demozug zog durch die Berliner Innenstadt, begleitet von nur noch fünf Paradewagen. Am Zionskirchplatz wurde kurz Halt gemacht und danach weiter zum Mauerpark demonstriert.
Eigentlich sollte die Hanfparade 2005 im Berliner Mauerpark enden. Betreten durfte man den aber nicht, denn die Stadt Berlin hatte die - geplante - Abschlusskundgebung kurzfristig verboten.

Die 10.Hanfparade fand am 05.August 2006 in Berlin statt. Sie stand unter dem Motto "Legalisierung jetzt! Umdenken statt Milliarden verschenken!"
und führte nach einer Auftaktveranstaltung auf dem Alexanderplatz zum Brandenburger Tor.

Mit der Hanfparade wollten wir auf die negativen Auswirkungen des Cannabisverbotes hinweisen. Besonders wichtig waren uns im Jahr 2006 die finanziellen Effekte der Hanf- Prohibition. Das Hanfverbot kostet den Staat und jeden seiner Bürger Tag für Tag zigtausend Euro. Dabei könnte die Legalisierung von Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel tausende Arbeitsplätze schaffen und Milliarden in die Kassen von Bund, Ländern und Kommunen spülen. An der zehnten Hanfparade nahmen laut Polizeiangaben rund 1500 Menschen teil. Die Teilnehmer kamen aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch Besucher aus der Schweiz, den Niederlanden und anderen Ländern bereicherten die größte deutsche Demonstration für Cannabis. Die Berliner Polizei war mit rund 260 Beamten und Beamtinnen vor Ort und führte insbesondere bei der Auftaktkundgebung am Alexanderplatz massive Kontrollen auf Betäubungsmittel durch. Genaue Zahlen zu Anzeigen und Festgenommenen liegen nicht vor, weil die Einsatzleitung zum Ende der Hanfparade vor einem starken Regenschauer flüchtete.

Der wichtigste Einsatz der Polizei erfolgte jedoch schon Stunden vorher, als ein Feld aus cirka 10.000 Hanfpflanzen von der Polizei abgeschnitten wurde. Dies geschah obwohl die erforderlichen Genehmigungen der Versammlungsbehörde, des Bundesinnenministeriums und der Polizei vorlagen. Bei den Pflanzen handelte es sich um Nutzhanf mit einem durchschnittlichen THC- Gehalt von weniger als 0,016 Prozent. Obwohl dies durch EU- Zertifikate des Saatguts und den Hanfbauern bestätigt wurde, ging ein Beamter des LKA davon aus, dass man die Pflanzen auf dem Transport nach Berlin gegen potente Pflanzen ausgetauscht hätte und erklärte alle Absprachen kurzerhand für nichtig.
Keiner der Besucher hatte Verständnis für das Abschneiden der Pflanzen. Auch das Presseecho auf die Hanfparade war vom Unverständnis über die Polizeiaktion geprägt. Wer auf der 10. Hanfparade in Berlin war, wird bestätigen können, dass diese Veranstaltung ein Erfolg war. Auch wenn die Jubiläumsausgabe des größten deutschen Pro-Hanf-Events mit toller Atmosphäre und gewachsener öffentlicher Aufmerksamkeit glänzte, war nach ihrem Ende mehr als ungewiss, ob es eine weitere Hanfparade geben würde.

Was mancher schon befürchtet hatte wurde im letzten Herbst Wirklichkeit. Das traditionsreiche Bündnis Hanfparade musste Insolvenz anmelden, weil mit den Jahren erst die Sponsoren und dann die Teilnehmer zu Hause blieben. Gerade noch rechtzeitig fand sich aber in diesem Jahr eine handvoll Unbeugsamer, die beschlossen dann halt selbst eine Hanfparade zu organisieren.

Ob sie damit Erfolg haben werden, hängt von euch ab! Kommt zahlreich zur letzten deutschen Legalize- Demo. Macht von eurem Recht zu demonstrieren Gebrauch! Seid laut! Seid frech! Seid bunt!
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