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Überall Hanf

Europaweite Durchsuchungen bei Growshop Kunden - "Aktion Sativa" schockiert Hanf Szene
Publiziert am: 06.02.08 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Michael Knodt
hanfjournal 08februar artikel fünf für alle
Am 28. Januar diesen Jahres durchsuchten 1600 Polizeibeamte 235 Wohnungen in ganz Deutschland. Der Grund: Deren Bewohner hatten bei einem Aachener Growshop über‘s Internet Gartenzubehör bestellt. Selbst Kunden, die nur Blumentöpfe gekauft hatten, wurden morgens um sechs von den Beamten aus dem Schlaf gerissen.

Verdächtig gemacht habe sich der Aachener Shop nach Polizeiangaben durch „die Konstellation des Angebotes“, der wohl eigentliche Hintergrund sieht ein wenig komplexer aus: Einer der Betreiber des Ladens hatte über Jahre hinweg nachweislich Geschäfte mit Hanf und dessen Kultivierung im großen Stil getätigt. Er wurde vergangenes Jahr zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Im Rahmen der Ermittlungen gegen ihn fing die Polizei an, den Shop zu überwachen. Ab dem 12.09.2007 wurden e-mails abgephisht, seit dem 24.10.2007 wurden alle Telefonanschlüsse angezapft. Der Einsatz beschränkte sich nicht nur auf Deutschland. Auch in fünf anderen europäischen Ländern wurden der Polizei zu Folge Durchsuchungen durchgeführt, sogar in Griechenland. Alle Ermittlungen beziehen sich auf Daten, die in diesem Zeitraum gesammelt wurden. Im Rahmen der „Akion Sativa“ wurden alle Kundenadressen durchsucht, das die im Überwachungszeitraum „verdächtige“ Bestellungen versendet wurden. Ob und in wie weit diese Durchsuchungen der Kunden legal waren, müssen die Gerichte in den nächsten Monaten klären, der deutsche Hanfverband (DHV) und die „Grüne Hilfe“ halten sie für illegal, da die Beschuldigten ausschließlich legale Produkte erworben hatten. Allen Betroffenen wird geraten, die Hilfe eines Anwalts in Anspruch zu nehmen. Des Weiteren beschlagnahmte die Polizei am 28.1. sämtliche Geschäftsunterlagen des Aachener Growshops zur weiteren Auswertung. Deshalb rechnet der DHV einer Meldung zufolge mit weiteren Aktionen, nachdem die Daten ausgewertet wurden. In zwei Dritteln der Fälle verliefen die Durchsuchungen ohne Ergebnis, in 75 Haushalten wurden die Beamten fündig: Dabei wurden zwei „Profiplantagen“ mit über 1000 Pflanzen (eine in Rheinland-Pfalz, eine in Baden-Württemberg), neun Großplantagen (zwischen 100 und 1000 Pflanzen, davon acht in NRW und eine in Niedersachsen) sowie bundesweit 66 Kleinplantagen (unter 100 Pflanzen) entdeckt. Bundesweit wurden mehr als 5.500 Pflanzen gefunden. Die Palette der Beschuldigten reicht vom Richter (!) über einen Justizbeamten bis hin zum Cannabispatienten, der ein paar Pflanzen zur Schmerzlinderung angebaut hatte, nachdem sich das genehmigte Cannabisextrakt als wirkungslos herausgestellt hatte. Was die Polizei als großen Erfolg feiert, zeigt lediglich, wie weit das Phänomen der Cannabis-Selbstversorgung schon in alle Kreise unserer Gesellschaft vorgedrungen ist. Ob es verhältnismäßig ist, wegen zweier „Großplantagen“ und einem Haufen Selbstversorger offensiver zu agieren, als es bei den meisten Kapitalverbrechen der Fall ist, sei dahingestellt. Leider können seine Kunden nicht wissen, dass einer der beiden Betreiber eines der größten Growläden in Deutschland versucht hat, auch noch im Big CannaBuisiness mitzuspielen. Wer hinter der Theke steht, sollte keine Angriffsfläche bieten, schon gar nicht, wenn es um den Handel im großen Stil geht. Tut er das doch, sind die Konsequenzen weitreichend und schädigen Dritte. So wie in diesem Fall. Mit 200 km/h auf der Überholspur und sich wundern, wenn es beim Unfall richtig kracht und andere bluten. Ein solches Handeln ist grob fahrlässig, da es die ohnehin schon bestehenden rechtlichen Probleme anderer Growshops in Zukunft noch verstärken würde und den Läden, die auf den Online-Handel angewiesen sind, die Existenzgrundlage nehmen könnte. Sollten die Betreiber wegen Anstiftung oder Beihilfe verurteilt werden, würden die Konsequenzen wahrscheinlich alle Kollegen in Deutschland betreffen. Ganz zu schweigen von den Konsequenzen, die die Kunden des Aachener Ladens zu befürchten haben. Ebenso ist so etwas ein Traumpass für die Prohibitionisten Fraktion: RTL, SAT 1, Die WELT, SPIEGEL-Online und sämtliche Pressesprecher der Polizei waren ganz high ob des Riesenschlags gegen die Drogenszene. Aus den Durchsuchungsanträgen der Staatsanwaltschaften lässt sich entnehmen, dass in Aachen telefonisch über Hanfanbau beraten wurde. Natürlich ist der Verkauf des Equipments legal, so lange der Verkäufer die Ware nicht mit dem Ziel des Hanfanbaus verkauft. Nicht erst, wenn der Freund und Helfer schon des Öfteren zu Besuch war und einen Inhaber „auf dem Kieker“ hat, muss diese goldene Regel strikt eingehalten werden. Mittlerweile warnt besagter Shop auf seiner Webseite potentielle Kunden, dass der e-mail Verkehr überwacht werde. Die Inhaber haben sich sicherlich nicht so verhalten, wie es ihre Kunden von ihnen erwartet hätten, Diskretion sieht ein wenig anders aus. Das ändert aber nichts daran, dass ihr Sortiment ausschließlich aus legalen Waren besteht und die einem der Inhaber zur Last gelegten Delikte kein Grund sein können, eine deutschlandweite Konsumentenjagd zu eröffnen. Auch der momentan allein verantwortliche Besitzer hat sich nichts zu Schulden kommen lassen, was ein solch massives Vorgehen gegen ihn oder gar seine Kunden rechtfertigen könnte.
Die „Aktion Sativa“ sollte dem Gesetzgeber vielmehr als Anlass dienen, über eine Entkriminalisierung des Kleinstanbaus zum Eigenbedarf nachzudenken, da hierbei auch den Verantwortlichen klar geworden sein muss, wie die Uhren in Deutschland im Jahre 2008 ticken. Kleinbauern passen nicht ins kriminelle Milieu, schaden niemanden und werden trotzdem wie Schwerverbrecher behandelt. Gib mir fünf.
Es wird Zeit.
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