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Was zählt, fehlt

Drogen- und Suchtbericht 2008 glänzt durch Verschweigen von Zahlen und Fakten
Publiziert am: 30.05.08 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Michael Knodt
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Auch dieses Jahr nutzt unsere Drogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) die Vorstellung des alljährlich erscheinenden Drogen- und Suchtberichts ausschließlich zur Selbstdarstellung. Besonders das dem Hanf gewidmete Kapitel fällt durch unvollständige und rechnerisch nicht immer nachvollziehbare Aussagen ins Auge:

Anders als die Jahre zuvor wird bei Cannabis, im Gegensatz zu allen anderen erwähnten Substanzen, keine Gesamtkonsumetenzahl angegeben. Das macht die Einschätzung der restlichen Zahlen und Statistiken zum Thema unmöglich. Warum der Bericht dies verschweigt, wird nicht kommentiert.
Im Drogen- und Suchtbericht des vergangenen Jahres hieß es:
“Rund zwei Millionen (...) Menschen konsumieren in Deutschland regelmäßig Cannabis, etwa 400.000 von ihnen weisen einen missbräuchlichen oder abhängigen Konsum auf.“ Dieses Jahr steht dort: „Insgesamt etwa 600.000 Personen in Deutschland zwischen 18 und 64 Jahren missbrauchen Cannabis (380.000) oder sind von Cannabis abhängig (220.000). Damit hat sich die Zahl der Cannabismissbraucher seit 1997 deutlich erhöht.“

Dieses Jahr ist die Zahl der „Cannabis-Abhängigen“ demnach um 50% angestiegen. Auch diese ungewöhliche Ansteig wird nicht kommentiert oder gar einer Gesamtkonsumentenzahl gegenübergestellt. Vermutlich würde die geringe Abhängigkeitsquote einfach nicht in das gewünschte Bild vom besonders gefährlichen Rauschmittel passen. Nach den letzten verfügbaren Angaben der Bundesregierung von 2004 dürfte die Zahl der aktuellen Cannabiskonsumenten in Deutschland, die innerhalb der letzten 12 Monate Cannabis mindestens einmal konsumiert haben, bei etwa vier Millionen liegen. Angenommen, die hohe Zahl von 400.000 Abhängigen und „Missbrauchern“ aus dem Drogenbericht 2007 stimmt, dann heißt das, dass immer noch 90 Prozent der Konsumenten nicht von Abhängigkeit oder Missbrauch betroffen sind. (Quelle: Deutscher Hanfverband)

Liest man aufmerksam weiter, erhärten sich die Zweifel an der Glaubwürdigkeit:

„...die Lebenszeitprävalenz und die 12-Monatsprävalenzraten im Vergleich zu den Zahlen von 2003 in allen Altersgruppen (zum Teil stark) rückläufig sind. Lediglich bei den regelmäßigen Cannabiskonsumierenden ist die Tendenz gleichbleibend.“

Mehr „Cannabismissbraucher und Abhängige“, dafür aber weniger Kiffer und ein allgemeiner Rückgang des Konsums? Wieder ohne eine absolute Zahl von Konsumenten gegenüber zu stellen. Das sprengt die Gesetze der Mathematik.
Auf dieser Grundlage fällt es natürlich leicht, die Zahlen so zu interpretieren, wie es genehm ist. Das macht Frau Bätzing dann auch, indem Sie weiterhin auf abstinenzorientierte und repressive Politik setzt und auch ausschließlich solche Projekte fördert. Projekte mit dem Ansatz zum kontrollierten Konsum oder einer Konsumentensicherheit werden in ihrem Hause klein geredet und nicht gefördert.

Im Kapitel über Cannabis wird das Wort „Todesfall“ nicht einmal erwähnt, bei den legalen Drogen Alkohol und Nikotin spricht der Bericht von insgesamt 182.000 Todesfällen. Trotzdem spricht unsere Drogenbeauftragte von „einer neuen Gefährlichkeit von Cannabis“. Kurz nach Vorstellung des Berichts musste sie im Internetportal www.abgeordnetenwatch.de wiederum einräumen, dass die Existenz von genmanipuliertem Gras eine Erfindung der Boulevardpresse ist.

Natürlich wird auch das Thema, das HanfkonsumentInnen im vergangenen Jahr direkt und unmittelbar betroffen hat, mit keinem Wort erwähnt. Trotz fast zweihundert Bleivergiftungen und einer wahrscheinlich noch viel höheren Dunkelziffer wird auf die gesundheitliche Gefährdung durch Streckmittel nicht eingegangen. Dass diese viel größer ist als die Gefahr, die ein gelegentlicher Cannabiskonsum beinhaltet, will Frau Bätzing nicht wahr haben. Noch immer beantwortet sie jede Frage zu Streckmitteln mit dem Verweis auf die Möglichkeit der Abstinenz. Sie fordert selbst von mündigen Bürgern mit völlig unproblematischen Konsummuster, die mitten im (Berufs- oder Familien)-Leben stehen, völlige Abstinenz.

Mündige HanfliebhaberInnen gibt es in ihren Augen nicht. Die absolute Zahl der Kiffer wird durch Schönreden, Verschweigen oder anderer Interpretationsansätze auch nicht weiter sinken. So kann das nie was werden, ein Dialog sieht anders aus.


Weitere Hindergründe und Analysen:


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