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Cannabis bei ADHS

Etwa vier Prozent der Jugendlichen leiden an einer ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) oder einer ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung).
Publiziert am: 05.05.08 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen
Bei der Hälfte der Betroffenen bleiben die Symptome auch im Erwachsenenalter bestehen. Damit ist die Erkrankung eine relativ häufige chronische Erkrankung. Menschen mit ADHS sind unfähig, innerlich zur Ruhe zu kommen, und sind ständig in Bewegung. Sie neigen zu plötzlichen Gefühlsausbrüchen und anderen überschießenden emotionalen Reaktionen. Ein bekanntes Medikament zur Behandlung der Erkrankung ist Ritalin, das allerdings nicht immer wirkt oder deutliche Nebenwirkungen verursachen kann.
Einige Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin verwenden erfolgreich Cannabis oder orales THC, um Symptome ihrer ADHS zu lindern. Als ich vor etwa zehn Jahren das erste Mal mit dem Bericht eines 19-jährigen Schülers aus Berlin konfrontiert wurde, er verwende Cannabis zur Linderung seiner Hyperaktivität und habe deshalb jetzt Probleme mit der Leitung seiner Schule, war ich allerdings zunächst skeptisch. Es ging mir ähnlich wie einem Mitarbeiter des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin der Universität Heidelberg, der die Fahreignung eines 28-jährigen Mannes, der an einer ADHS litt, zu begutachten hatte. Dieser Fall wurde im vergangenen Jahr in einer deutschen Fachzeitschrift für Gerichtsmedizin veröffentlicht.
Dem Betroffenen sei der Führerschein entzogen worden, weil er unter dem Einfluss von Cannabis am Straßenverkehr teilgenommen hatte. Zum ersten Gespräch mit dem Psychologen des rechtsmedizinischen Instituts erschien er wie gefordert, ohne vorher Drogen oder Medikamente eingenommen zu haben. Er habe hochgradig gespannt, unruhig und hektisch gewirkt. Mit zunehmender Dauer des Gesprächs, in dem ihm auch die Anforderungen für eine positive Fahreignungsbegutachtung geschildert wurden, nämlich unter anderem die Einstellung seines Cannabiskonsums, hätten die Auffälligkeiten zugenommen und er sei zunehmend aggressiver geworden. Er sei laut geworden und habe betont, dass er Cannabis brauche und dass er seinen Führerschein brauche. Seine Ärztin habe ihm früher einmal THC (Dronabinol) verschrieben, das ihm ebenfalls geholfen habe.
Der Psychologe hat ihm daraufhin das Angebot unterbreitet, sich einem Test seiner Leistungsfähigkeit unter dem Einfluss von THC zu unterziehen. In dem Artikel heißt es dazu: „Dabei bestand die Intention, ihn zu überzeugen, dass er ein Fahrzeug nicht mit der nötigen Sicherheit führen kann. Auf Seiten des Gutachters wurde nicht damit gerechnet, dass er die Leistungskriterien erfüllen könnte, da insbesondere seine Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit massiv gestört schienen.“ Um so überraschter waren die Mitarbeiter des Heidelberger Universitätsinstituts, als der Betroffene beim nächsten Gespräch völlig verändert erschien: „Beim eigentlichen Beratungsgespräch wirkte Herr X grundlegend verändert, als ob er ein anderer Mensch wäre. Er gab an, kein Cannabis mehr zu rauchen, regelmäßig Dronabinol einzunehmen und vor zwei Stunden dieses Medikament eingenommen zu haben. Er wirkte dabei ruhig, aber nicht sediert, geordnet und beherrscht.“
Die bei ihm durchgeführten computergesteuerten Tests zur psychomotorischen Leistungsfähigkeit, die häufig bei Fahreignungsbegutachtungen zum Einsatz kommen, messen Reaktionsgeschwindigkeit, Daueraufmerksamkeit, optische Orientierung, Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Wachheit und geteilte Aufmerksamkeit. Zur Überraschung der Untersucher „erfüllte der Untersuchte nicht nur in allen Funktionsbereichen und Zielvariablen die Mindestanforderungen, sondern er erbrachte durchgängig durchschnittliche bzw. teilweise auch überdurchschnittliche Leistungen“. Eine Blutprobe nach den Tests ergab eine hohe THC-Konzentration. Später gab der Betroffene zu, nicht orales THC, sondern unmittelbar vor dem Test Cannabis geraucht zu haben, da das vom Arzt verschriebene THC zu teuer sei.
Nun sind auch die an dem Fall beteiligten Heidelberger Wissenschaftler der Überzeugung, dass THC bzw. Cannabis Symptome der ADHS bzw. von Hyperaktivitätsstörungen lindern kann. Allerdings ist dieses Wissen bisher noch nicht weit verbreitet. Mitte letzten Jahres hat ein ADHS-Patient aus Schleswig-Holstein seinen Führerschein und dann seine Arbeit, für die er seine Fahrerlaubnis benötigte, verloren, weil in seinem Blut THC nachgewiesen worden war. Er war bisher immer unfallfrei gefahren und hatte ärztlich verordnetes THC eingenommen. Zur Zeit kämpft er mit seinem Anwalt um die Wiedererlangung seines Führerscheins.

Franjo Grotenhermen ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe Cannabis als Medizin
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