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We call it Techno!
DVD-Special
Publiziert am: 04.08.08 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 08august artikel We call it Techno!
Techno hat Deutschland in die Karte der Popkultur eingetragen. Nirgendwo auf der Welt versetzte die elektronische Tanzmusik das Publikum in eine derart ungebrochene Ekstase. Zur Premiere des Dokumentarfilms „We call it Techno!“ von Maren Sextro & Holger Wick zog es mich kürzlich ins Berliner Babylon. 50 Stunden Filmmaterial wurden innerhalb eines Jahres in 110 Minuten gepackt. Neben allerlei interessierten Besuchern gab es mit Protagonisten wie Wolle XDP, Frank Blümel und Cosmic Baby einige bekannte Gesichter zu erblicken. Der Film beschäftigt sich mit der Anfangszeit der Technoszene und zeigt mit all diesen wahnsinnigen Zeitdokumenten, Interviews und Musik sehr authentisch, wie aus einer avantgardistischen Spezialmusik die Ausdrucksform einer gesamten Generation wurde, wie sich die elektronischen Klänge zwischen 1989 und 1993 von einem Geheimwissen in die Universalsprache der deutschen Jugend verwandelten. Ikonen der ersten Stunde wie Tanith, Wolle XDP, Sven Väth, Talla 2XLC, Ata, Cosmic Baby, Mijk van Djk, Elsa for Toys, Mike Ink, Hell, Alex Azary, Armin Johnert und Jürgen Laarmann melden sich zu Wort. Ihre Statements und die Bildern aus den ersten Tagen, als Aktivisten in alten Fabrikhallen ihre Partys schmissen und alte Kellergewölbe gehüllt in Nebel, Licht und bunte Bilder die Disco ablösten, sorgten immer wieder zum „nostalgisch aufstöhnen“ oder schmunzeln. Frank Blümel erwähnte beispielsweise die drei szene-wichtigsten „Posses“ für den Support elektronischer Tanzmusik: „ ... in Mannheim die milk!-Posse, in Frankfurt die Omen-Posse und in Berlin die Dubmission-Posse“ - dazu ein immer noch erstaunter Triple R aus Köln: „Sowas gab’s hier nicht - und das gibt’s bis heute nicht“. Die hundertminütige Reise führt von Frankfurts EBM-Szene in das Berlin unmittelbar nach dem Mauerfall. So wird an den Hochburgen der Bewegung aufgezeigt wie die Evolution dort verlaufen ist. Trotz der Unterschiede zwischen Frankfurt und Berlin hatten beide ihren ganz eigenen und unvergleichlichen Charme – diese Rivalität fand ich immer etwas lächerlich. Es zählte nur die Revolution in der Musik, als mit elektronischen und technischen Mittel ein neuer Sound entstand, der alles Bekannte umkrempelte und den Aufbruch in ein neues Zeitalter einläutete. Alles war im Wandel und niemand wusste, wohin die Reise geht, aber jeder spürte damals diese Energie, ein Teil einer Sache zu sein, die etwas bewegte. Und genau diesen unbeschreiblichen Vibe konnte ich in diesem Film, der ein Bild des Flüchtigen, Spontanen, Unmittelbaren erzeugt, spüren. Gerade das junge Publikum, welches interessiert ist mehr über die Ursprünge zu erfahren, erfährt etwas mehr über die Grundzüge, Ambitionen, Vorstellungen und Energien dieser Musikbewegung. Selbst die schon damals bestehenden Konflikte und Differenzen, die auch heute noch existieren, können so ein wenig nachvollzogen werden. Aus den schwitzenden, schweißüberströmten Gesichtern strahlt die kollektive Vision eines spontaneren, intensiveren, befreiten Lebens. So sei diese DVD jedem ans Herz gelegt, der sich für Musikgeschichte und deren Hintergründe interessiert. Nostalgiker kommen sowieso auf ihre Kosten. Respekt!

www.sensemusic.de
Roland Grieshammer
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