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Feuer Auf Sabine Bätzing

Bätzings Gedankenwirrwar zu Alkohol und Tabak

Publiziert am: 05.09.08 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Hans Cousto
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, hat ein neues Schulfach „Gesundes Leben“ vorgeschlagen. Darin sollten gesunde Ernährung gelehrt und Drogenmissbrauch bekämpft werden, sagte die SPD-Politikerin der Zeitung „B.Z. am Sonntag“. Bezeichnenderweise sagte sie nicht, dass in dem neuen Schulfach der Nahrungsmittelmissbrauch – also jener Konsum von Nahrungsmitteln, der zu Übergewicht führt – bekämpft werden solle und der Gebrauch von Drogen – also jener Konsum von Drogen, der zu gesunden außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen führt – gelehrt werden solle. Für Bätzing scheint es zu Drogen (außer zur Droge Alkohol) nur negative Attribute zu geben. Die Tatsache, dass durch psychotrop wirkende Substanzen induzierte Rauschzustände und Ekstasen förderlich für die Gesundheit sein können, scheint für Bätzing unvorstellbar zu sein. Ja die Tatsache, dass Rausch und Ekstase für viele Menschen ein Grundbedürfnis ihres Wesens ist, will die Drogenbeauftragte nicht zur Kenntnis nehmen und nicht in ihr fundamentalistisches Konzept integrieren. Doch genau deshalb fruchtet ihr Konzept bei vielen Menschen nicht und die sogenannten „Drogenprobleme“ werden nicht gelöst, sondern nur hin und her geschoben wie Güterwaggons auf einem Rangierbahnhof. Wenn ein neues Schulfach „Gesundes Leben“ einmal eingeführt werden sollte, dann muss auch der Bereich „Rauschkunde“ zum Lehrplan gehören, da viele junge Leute Rauscherfahrungen machen wollen und dafür eine kulturell integrierte respektive integrierbare Anleitung zu Schutz ihrer physischen und psychischen Gesundheit benötigen. Mit irgendwelchen Aktionsplänen zur Bekämpfung des Drogenmissbrauchs – das haben die letzten Jahrzehnte überdeutlich gezeigt – lassen sich die Lust auf Drogen und der Konsum von Drogen kaum eindämmen und somit auch die physische und psychische Gesundheit der Leute nicht schützen. Offenbar hat die Drogenbeauftragte immer noch nicht verstanden, dass nicht die Drogen das Problem sind, sondern die Art und Weise, wie wir (die Gesellschaft) damit umgehen. Aufgrund des Mangels dieser Einsicht plädiert Bätzing immer noch für Bekämpfungspläne statt für mehr Kompetenz und Mündigkeit in Sachen Drogen. Einzige Ausnahme: Alkohol. Nach offiziellen Angaben werden in Deutschland jährlich 20.000 junge Menschen unter 20 Jahre mit Alkoholvergiftung in Krankenhäuser eingeliefert. Das sind mehr als alle jungen und älteren Personen zusammen genommen, die jährlich wegen eines Problems mit Cannabis respektive wegen eines Problems mit der Cannabisprohibition eine Beratungsstelle aufsuchen. Dennoch dürfen auch weiterhin deutsche Sportvereine weiter für Alkohol werben. Ein Werbe- und Sponsoring-Verbot für Alkohol wird es im deutschen Sport auch in Zukunft nicht geben. Darauf verständigten sich Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Deutschen Fußball Liga (DFL) und des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Gesprächen mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing. Zugleich einigten sich die Gesprächsparteien darauf, verstärkt zur Aufklärung und Prävention beizutragen. „Mit dieser Vorgehensweise können wir uns absolut identifizieren, weil sie unseren Statuten und unserer Einstellung entspricht“, sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach vor wenigen Tagen dem Sport-Informations-Dienst (SID). Zudem betonte er, dass sich der DFB vehement gegen ein generelles Werbeverbot wehren würde, „weil dadurch insbesondere tausende Amateurvereine in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht wären“. Wie eine solche Prävention in Kombination mit Alkoholwerbung aussieht, kann man bei vielen alten Aufzeichungen von Fußballspielen sehen: Der Slogan „Keine Macht den Drogen“ zwischen zwei Bierreklamen am Rande des Fußballfeldes – illustrative Dokumente einer zwiespältigen und völlig unglaubwürdigen Drogenpolitik. Bätzing betont immer wieder, dass das Gesetz Erwachsenen nicht das Rauchen verbieten wolle und dass der Staat nur einschreiten könne und müsse, wenn Dritte durch den Konsum von Tabak geschädigt werden. Das sei der Unterschied zum Alkohol. „Wenn ich zu viel trinke, schädige ich keinen neben mir“ sagte Bätzing unlängst in einem Streitgespräch mit Gastwirten (Da raucht‘s: Wirte streiten mit Bätzing; Do, 14. August 2008, Rhein-Zeitung). Auch ohne Drogenbeauftragte zu sein wissen jedoch Tausende von Menschen in diesem Lande, dass durch zu viel Trinken Tausende von Dritten immer wieder geschädigt werden: die Ehefrauen, die von ihren besoffenen Männern geschlagen und verprügelt werden, die verwahrlosten Kinder, die von ihren alkoholisierten Eltern vernachlässigt werden, die Geschädigten, die Opfer von Gewalttaten unter Alkoholeinfluss werden, die Verletzten, die durch alkoholisierte Autofahrern ihre Gesundheit und Lebensqualität verlieren und die Trauernden, die durch solche Autofahrer liebe Mitmenschen verloren haben. Vor diesem Hintergrund ist es wahrlich zynisch, das Werben für Alkohol mit dem Spruch „Wenn ich zu viel trinke, schädige ich keinen neben mir“ zu rechtfertigen. Es sei hier daran erinnert, dass viele Gewalttaten unter dem Einfluss von Alkohol begangen werden und viele Schlägereien mit Personenschäden von der Polizei als Folge eines übermäßigen Konsums von Alkohol eingestuft werden. Es gibt jedoch keine Polzeiberichte, nach denen Gewalttaten oder Schlägereien aufgrund eines übermäßgen Cannabiskonsums zurückzuführen seien. Somit gilt zumindest für die Bereiche Gewalttaten und Schlägereien, dass der Satz „Wenn ich zu viel trinke, schädige ich keinen neben mir“ weit weniger wahr ist als der Satz „Wenn ich zu viel kiffe, schädige ich keinen neben mir“. Nach der Logik von Bätzing gibt es somit keinen vernünftigen Grund, Alkoholwerbung in Sportstadien zu erlauben und Werbung für Rauchwaren wie Tabak, Gras oder Haschisch zu verbieten, da durch den Konsum der letzteren Produkte Dritte weniger geschädigt werden als durch den Konsum von Alkohol. Sabine Bätzing ist in Bezug auf zahlreiche Substanzen eine radikal-fundamentalistische Missionarin in Sachen Abstinenz. Dies gilt jedoch nicht für die Droge Alkohol, die sie selber hin und wieder genießt. Und für Drogen, die man selbst genießt, gelten offenbar andere Grundsätze als für Drogen, die nur andere Menschen genießen – dies ist zumindest bei Personen, die dem Substanzfaschismus frönen, allgemein üblich. Und fundamentalistische Missionare sind in der Politik weit gefährlicher für das Wohl der Gesellschaft und die Freiheit des Einzelnen als Populisten von links und rechts. Dies gilt insbesondere für Missionare, die einen Hang zum Substanzfaschismus haben.
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