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Oans, zwoa, g‘rast
Günther Beckstein torkelt ins Abseits
Publiziert am: 01.10.08 - Medienformen: Medienform Text

Bayern: Mit Bier und ohne Beckstein

„Es ist nicht das Problem, wenn einer eine Maß trinkt oder, wenn er ein paar Stunden da ist, auch zwei... Eine anständige Maß werden wir nicht auf den Index stellen.“ sagte Günther Beckstein anlässlich der bevorstehenden Wies’n Saison auf die Frage, wie es um die Fahrtüchtigkeit von alkoholisierten Festzeltbesuchern stände.
Zwei Maß, also vier „Halbe“ oder ungefähr 100 Gramm reiner Alkohol vor Fahrtantritt? Was würde Herr Beckstein sagen, wenn sein Fahrer, sicher ein gestandenes Mannsbild, sich während einer mehrstündigen Besprechung seines Chefs zwei Liter Bier in den Hals schraubt, um den Landesvater dann ein paar Stunden später zurück in die Staatskanzlei zu fahren? Der bayrische Ministerprädsident war führend in der Diskussion um die Senkung der Promillegrenze, was er privat davon hält, weiß man spätestens jetzt. Streng nach der Devise „Wasser predigen und Weizen saufen“ führt der bayrische Ministerpräsident alle verkehrs- und gesundheitspolitischen Bemühungen seiner Berliner Kollegen ad absurdum, um in Festzelten auf Stimmenfang für die bevorstehende Landtagswahl zu gehen.
Die von Herrn Beckstein empfohlene Menge übersteigt die Empfehlungen der WHO um das vier- bis fünffache und reicht einem nicht dem Suff verfallen Menschen eigentlich für einen ordentlichen Rausch. Konsequent wäre es dann zumindest, den potenziellen Promillefahrern das Tragen einer Augenklappe zu empfehlen, so hat man wenigsten beide Hände am Steuer und muss sich nicht dauernd mit einer Hand das rechte oder linke Auge zuhalten.
Beckstein setzt die CSU- Tradition, lebensgefährendete Alkoholfahrten als Bagatelle abzutun, nahtlos fort. 1983 fuhr der damalige CSU-Generalsekretär und heutige Bahnvorstand Otto Wiesheu im Vollrausch einen Rentner tot. Wiesheu musste trotz den unglaublichen Wertes von 1,75 Promille nie zu einer MPU („Idiotentest“) und wurde später sogar bayrischer Verkehrminister. Der Würzburger Oberbürgermeister Jürgen Weber verliert 1984 seinen Führerschein wegen Alkohol am Steuer, 1984 müssen auch der Landtagsabgeordnete Gustav Matschl sowie Ex-Bundesinnenminister Hermann Höcherl die Pappe zum Trocknen bringen. Der Vize Landrat von Kelheim Hans Kirzinger verursacht im Dezember 1985 mit 1,23 Promille einen Unfall mit einem Toten, der ADAC-Ehrenpräsident Franz Stadler baut mit 1,4 Promille 1989 einen Unfall mit 40.000 DM Sachschaden. Der Programmdirektor des Bayerischen Rundfunks, Wolf Feller, bringt es 1994 mit 2,36 Promille zu zwei Totalschäden. Der Landrat des Landkreises Lindau/Bodensee Manfred Bernhardt gerät 2000 mit 1,8 Promille in eine Alkoholkontrolle.
Alle haben ihre Fahrerlaubnis, mal mit, mal ohne MPU, mittlerweile wieder erhalten. Im Gegensatz hierzu spricht sich genau dieselbe CSU vehement gegen Grenzwerte für Cannabis im Straßenverkehr aus und die dortigen Führerscheinstellen bestellen, entgegen einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, fast jeden aktenkundig gewordenen Hanfkonsumenten zum Idiotentest. Egal, ob eine Drogenfahrt vorlag oder nicht. Positiven Urinproben folgt bei Verkehrskontrollen oft eine Hausdurchsuchung, eine Praxis, die wohl nur vor bayrischen Gerichten zu rechtfertigen ist. Leider führen dieser Druck und die Angst vor zusätzlicher Schikanierung auch dazu, dass sich Betroffene viel zu selten wehren. Hierfür liegen unserer Redaktion zahlreiche Fallbeispiele vor, über die wir regelmäßig berichten.
Der Erfolg dieser „Zero-Tolerance“ Politik ist sehr fragwürdig. Der hohe Verfolgungsdruck führte in der Vergangenheit auch in Bayern nicht dazu, dass die Konsumhäufigkeit zurück ging. Im Gegenteil zeigen sich die „Erfolge“ der Null-Toleranz-Politik wohl am deutlichsten in der Anzahl der Drogentoten. Diese stieg im Jahr 2007 auf 242. Bayern gehört damit zu jenen Länder, die überproportional viele Todesfälle im Zusammenhang mit Drogenkonsum verzeichnen müssen.
Doch auch seine Promillerede konnte Beckstein nicht vor der erlittenen Wahlniederlage bewahren, zu hoffen bleibt, dass er sich nach zwei Frustmaß nicht hinter’s Steuer gesetzt hat.
Das Hanf Journal warnt generell davor, unter dem Einfluss von Drogen, egal welcher, am Verkehr teilzunehmen und hält es da lieber wie der CSU Koallitionspartner in Spe: „Lieber bekifft ficken als besoffen fahren!“, forderten die Jungen Liberalen Schleswig-Holsteins bereits im Jahr 2000.
Michael Knodt
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