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Die äußerliche Anwendung von Cannabis gegen bakterielle Infektionen und Lippenherpes

Die äußerliche Anwendung von Cannabisprodukten ist historisch aus vielen Kulturen überliefert, auch aus dem europäischen Raum. Sie ist allerdings heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Moderne Forschung zeigt, dass THC, aber auch andere, nicht psychotrope Cannabinoide wie Cannabidiol antibakterielle Eigenschaften aufweisen, und dass THC gegen Herpes-Viren helfen kann. Die historisch überlieferte Verwendung von Cannabiszubereitungen bei Infektionen der Haut oder zum Schutz vor Wundinfektionen hat daher eine rationale Grundlage, die auf aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen beruht.
Publiziert am: 01.11.08 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen
In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden Cannabiszubereitungen von einer Gruppe ungarischer Wissenschaftler als antiseptische Substanzen für die Mundhöhle und die Haut sowie als antituberkulöse Substanzen untersucht. Zu dieser Zeit war die Zusammensetzung von Cannabis noch nicht gut erforscht und die festgestellten antibakteriellen Eigenschaften konnten daher nicht auf definierte Inhaltsstoffe zurückgeführt werden. Mitte der 70er Jahre konnte eine andere Arbeitsgruppe nachweisen, dass eine ganze Anzahl von Cannabinoiden in Zellkulturen wirksam gegen Bakterien wie Streptokokken und Staphylokokken war.

Dies galt sowohl für das psychotrope THC als auch für mehrere nicht psychotrope Cannabinoide, die wegen ihrer geringen Nebenwirkungen in einer deutlich höheren Konzentration als THC eingesetzt werden können.
Jüngst haben Wissenschaftler aus Italien und Großbritannien Ergebnisse von Studien veröffentlicht, die auf diesen frühen Resultaten aufbauen. Ihre Motivation ergab sich aus den heute erheblichen Problemen bei der Behandlung von Infektionen mit Bakterien, die eine Resistenz gegen eine Vielzahl von Antibiotika aufweisen. In den letzten 30 Jahren wurde nur eine einzige neue Klasse von Antibiotika in die Therapie eingeführt. Es gibt daher zur Zeit eine intensive Suche nach neuen Antibiotika. Die Forscher haben für ihre Untersuchungen die fünf häufigsten Cannabinoide (THC, Cannabidiol, Cannabigerol, Cannabichromen und Cannabinol) verwendet, die mit einer Reinheit von mehr als 98 Prozent gewonnen werden konnten. Alle Substanzen wiesen eine starke antibakterielle Aktivität auf. Sie war besonders hoch gegen mehrere sehr resistente Staphylokokken-Stämme, darunter ein Stamm, der heute große Probleme in britischen Krankenhäusern bereitet.

Um eine effektive antibiotische Behandlung mit Cannabinoiden durchführen zu können, sind vermutlich recht hohe Blutkonzentrationen erforderlich. Zudem ist unbekannt, in welchem Umfang die Cannabinoide durch Blutbestandteile inaktiviert werden. Die Frage, ob Cannabinoide eines Tages als Antibiotika innerlich eingesetzt werden können, werden daher nur klinische Studien zeigen können. Allerdings gehen die Forscher davon aus, dass zumindest eine äußerliche bzw. örtliche Anwendung zur Reduzierung von resistenten Bakterien-Stämmen auf der Haut vielversprechend erscheint. Zudem könnten Cannabinoidmischungen als preiswerte und biologisch abbaubare antibakterielle Substanzen für Kosmetika und andere Körperpflegemittel Verwendung finden.
Dass Cannabinoide möglicherweise auch innerlich gegen Krankheitserreger eingesetzt werden könnten, zeigt eine Studie von nigerianischen Wissenschaftlern aus dem Jahr 1994. Sie hatten die Wirksamkeit eines wässrigen Extraktes aus Cannabissamen, die vermutlich erheblich mit Cannabinoiden kontaminiert waren, Ratten verabreicht, die mit einer bestimmten Art von Trypanosomen infiziert worden waren. Trypanosomen sind kleine Parasiten, die in Säugetieren und Fischen vorkommen und meistens von Insekten übertragen werden. Die von den afrikanischen Forschern untersuchte Unterart kann bei Menschen die afrikanische Schlafkrankheit verursachen und hat daher eine große medizinische Bedeutung. Die Behandlung der Ratten mit dem Cannabisextrakt heilte die Tiere vollständig. Es ist unklar, warum diese Forschung nicht weiter vorangetrieben wurde, um ein Medikament auf Cannabinoidbasis zur Behandlung der Schlafkrankheit zu entwickeln.
Dass Cannabinoide nicht nur gegen Bakterien und Trypanosomen wirksam sind, zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität von Südflorida in den USA aus dem Jahr 1991. Sie hatten festgestellt, dass THC die Infektiosität des Herpes-simplex-Virus, der für Lippen-Herpesinfektionen verantwortlich ist, in Zellkulturen um bis zu 80 Prozent verringern kann. Die Wirksamkeit von THC gegen Herpes-Viren reduzierte sich erheblich, wenn in die Glasschalen, in denen die Versuche durchgeführt wurden, etwas Blutserum gegeben wurde. Vermutlich wird die Aktivität von THC gegen Herpesviren durch Eiweißstoffe im Blut beeinträchtigt. Daher kommt zur Behandlung des Lippenherpes durch THC vermutlich nur die äußerliche Anwendung in Frage, die nach persönlichen Mitteilungen von Betroffenen tatsächlich sehr erfolgreich durch selbst hergestellte Cannabisextrakte durchgeführt werden kann.


Dr. med. Franjo Grotenhermen ist unter anderem Vorstand Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, ausserdem Editor im Magazin "Cannabis and Cannabinoids. Pharmacology, Toxicology and Therapeutic Potential", welche auf Deutsch, Englischu nd Spanisch erscheinen, sowie "Cannabis, Straßenverkehr und Arbeitswelt", und Autor von "Hanf als Medizin"
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