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Rolys Silberscheiben des Monats Februar
Publiziert am: 13.02.09 - Medienformen: Medienform Text

Jimi Tenor & Kabu Kabu: 4th Dimension
(sähkö / puu)

Ausgestattet mit dem bei Finnen nicht unbedingt selten zu findenden, aber umso sympathischeren Sprung in der Schüssel geht er seit Jahren eigene Wege und hat sich als Komponist, Musiker und Arrangeur mehrfach neu erfunden. Als Jimi Tenor sich vor gut zwei Jahren mit dem westafrikanischen Trio Kabu Kabu zusammentat, um mit „Joystone“ ein astreines Afro-Jazz-Album aufzunehmen, war ich schon sehr begeistert. Auch „4th Dimension“ lebt vom Perkussiven und seinen scharfen Bläsersätzen. Dazu kommen hier allerdings noch ausufernde Flötensoli, brachiale Rockgitarren, polyrhythmischer Pygmäen-Jazz und eine Dosis Souljazz. Während im Disco-Hit „Global Party“ Bässe der New Yorker DFA-Schule auf afrikanische Drum-Patterns und Latin-Rhythmen treffen, gibt „Triple Helix“ eine sehr offene Freejazz-Pause, bevor mit funkigen „Grind“ und dem schwer instrumentierten „Mogadishu Ave“ mit verzerrter Gitarre und psychedelischen Synthieeinlagen wieder ordentlich gegroovt werden darf. Auch LoFi-Aufnahmen wie „Mega Roots“ verfügen über unwiderstehliche Rhythmen, und „Me I Say Yes“ besticht mit griffigem Bassriff und stilechtem E-Orgelsolo. Hier wird Sun Ra’s kosmischer Sound mit den erdverbundenen Rhythmen eines Fela Kuti kurz geschlossen. Das Ergebnis ist freier und virtuoser als Fela und groovender als Sun Ra. Ein äusserst ambitioniertes Album für Freunde von funkversprühenden Klängen und so heiss wie die finnische Sauna letzte Woche.
www.myspace.com/myjimitenor
www.jimitenor.com
www.sahkorecordings.de


Harmonic 313:
When Machines Exceed Human Intelligence
(warp records)

Seit 1990 zieht Mark Pritchard der Welt mit seiner ureigenen Version von UK Bass Music bereits in schöner Regelmäßigkeit das Trommelfell über die Ohren. Unter Projektnamen wie Link, Reload, Global Communication, Jedi Knights, Troubleman oder Harmonic 33 hat er in den vergangenen 18 Jahren mit einem immensen Spektrum bahnbrechender Produktionen maßgeblich Einfluss auf die Entwicklung der Elektro-Szene im United Kingdom genommen. Vor allem den wegweisenden Longplayer „7614“, vom Guardian völlig zurecht zum „Album des Jahrzehnts“ gewählt, und seine Glanzlichter unter dem Alter Ego Jedi Knights höre ich heute noch regelmässig. Mit seinem neuesten Solo-Projekt Harmonic 313 ballert Mark hier einem dermassen abgespaced-deepe Basslines vor den Latz, die nach 20 Jahren endlich eine Antwort auf Chuck D’s uralte Frage „Bass! How Low Can You Go?“ liefern. Die 313 im Projektnamen markiert nicht ohne Grund den Area-Code von Detroit, allerdings besitzt das Ganze durch Feature-Gäste wie Phat Kat oder Elzhi (Slum Village) auch noch eine gute Dosis Advanced HipHop und widmet sich voll und ganz der kompletten Range des 80er-Jahre-Elektronik-Sounds. Ich werde schwach bei den Grooves von „Dirtbox“ und „Cyclotron“, „Galag-A“ ist Warp pur, „Battlestar“ kommt wie Rap from outer space, während „Call To Arms“ anmutig schiebt und es bei „Flaash“ Acid tropft. dem verspielten „Don’t Panic“, dem befreienden „Falling Away“ (feat. Steve Spacek) und dem epischen „Quadrant 3“. Superschöne Bassline-Sounds in alter Computer-Romantik … und mein Herz schlägt für „Köln“.
www.myspace.com/markpritchard
www.harmonic313.com
www.warprecords.com


Scouting for Girls: Scouting For Girls
(four music)

Wer würde nicht für immer Kind bleiben wollen, um an diesem turbulenten Lebensabschnitt festzuhalten? Scouting For Girls aus London sind drei überzeugte Kindsköpfe, die gleichzeitig aber mit einer erwachsenen, selbstverständlichen Souveränität großartige Indie-Popsongs schreiben. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum hielt sich über 62 Wochen in den britischen Charts und alle vier ausgekoppelten Singles stiegen in die britischen Top 10. Hierzulande sind die Jungs noch ein Geheimtipp, doch mein Herz haben sie mit ihrer charmanten, herzlichen und einfach wundervollen Musik, die die Komplexität erwachsener Beziehungen durch leuchtende, unschuldige Augen betrachtet, schon erobert. Lebhafte, dynamische Piano-Pop-Tracks lassen die Zeit und die Themen von Kindheit und Jugend wieder aufleben: Mädchen (wie die verführerische Verabredung zu einem heimlichen Treffen in „She’s So Lovely“), verspielter Witz („Elvis Ain’t Dead“ ist die Geschichte eines frustrierten Verlassenen, der auf die Rückkehr seiner Geliebten hofft und diese Hoffnung auf die ‚Alles-ist-möglich‘-Einstellung von Elvis-Lebt-Theorien stützt) und Luftschloss-gleiche Kindheitsträume („I Wish I Was James Bond“ beschreibt den festen Glauben von Drummer Pete, eines Tages der neue 007 zu sein). Nach Italien, Spanien, Benelux und mehreren asiatischen Ländern machen sich Scouting For Girls nun auf, auch Deutschland zu erobern. Den Auftakt macht am 8. Februar ein Showcase im Frannz Club in Berlin, und ich freue mich sehr darauf, zu diesen liebevollen, wunderbar melodiösen Songs heimlich mit meiner Freundin rumzuknutschen. Schliesslich sollte man immer den Kontakt zum inneren Kind aufrecht erhalten.
www.myspace.com/scoutingforgirls
www.scoutingforgirls.co.uk
www.fourmusic.com


>> DVD-Digipack:
Camouflage: Live In Dresden
(synthetic symphony)

Im Jahre 1983 ging für Heiko Maile, Oliver Kreyssing und Marcus die musikalische Erfolgsgeschichte los, nun erscheint ein besonderer Leckerbissen für Camouflage-Fans. Meistens ist diese Art der Retro-Maschinerie ja etwas bemitleidenswert, doch in diesem Fall sprechen wir nicht von einem belanglosen „Greatest Hits“-Event. Während ihrer Tour wurde am 30.09.2006 in Dresden eine ansprechende Live-Performance aufgezeichnet, in der „die deutsche Antwort auf Depeche Mode“ ihre Hits mit ausgewählten Highlights abseits der Charts stilvoll ergänzt. Zusätzlich zum fantastischen Fulltime-Konzert gibt es hier im DVD-Digipack eine Tourdoku, eine Unplugged-Version von „Something Wrong“, eine komplette Video-Retrospektive der inzwischen 25jährigen Bandgeschichte in chronologischer Reihenfolge und eine Live-CD mit den 17 besten Songs des Konzertes aus der Dresdner Reithalle. Darüber hinaus traut sich hier eine Band, vier Auftritte aus TV-Shows der 80er noch einmal an die Öffentlichkeit zu bringen. Ein weiteres Bonbon ist eine knapp einstündige Dokumentation über die kurze Camouflage-Tour durch Russland, in der die Bilder für sich sprechen und die sparsam eingesetzten Kommentare sich auf das Wesentliche beschränken. Camouflage setzen sich selbst mit dieser retrospektiv-dokumentarischen Box ein Denkmal. Die Gesamtspielzeit der beiden DVDs beträgt mehr als vier Stunden, dazu kommen noch knappe 80 Minuten Audio-Material. Wer die Bandgeschichte nicht ganz verfolgt hat, der kann sich hier informieren und erlebt gleichzeitig die Entwicklung einer Stilrichtung über 25 Jahre hinweg mit. Meine Hochachtung, Jungs – Moll ist gut!
www.myspace.com/camouflagemusic
www.camouflage-music.com



Roland Grieshammer
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