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Cannabinoide bei posttraumatischer Stressstörung

Kürzlich wurde erstmals eine Studie zur Verwendung eines Cannabinoids bei posttraumatischer Stressstörung veröffentlicht. Das bei 47 kanadischen Patienten, die an Albträumen litten, zum Einsatz gekommene synthetische Cannabinoid Nabilon wirkt ähnlich wie das natürliche Dronabinol (THC) und Cannabis.
Publiziert am: 03.04.09 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen
Als posttraumatische Stressstörung (PTSS) werden charakteristische Symptome nach Exposition mit einem schweren traumatischen Erlebnis bezeichnet, eine direkte persönliche Erfahrung eines Ereignisses mit tatsächlichem Tod oder Todesdrohung, mit einer schweren Verletzung oder einer anderen Bedrohung der körperlichen Integrität einer anderen Person, das Erfahren eines unerwarteten gewaltsamen Todes oder einer schwerwiegenden Schädigung eines Familienmitgliedes oder eines anderen engen Bekannten. Die Reaktion der betroffenen Person muss starke Furcht, Hilflosigkeit oder Horror umfassen. Es gibt viele charakteristische Symptome einer PTSS, wie das Wiedererlebens des ursprünglichen Ereignisses (durch Träume, Albträume und Flashbacks) und Vermeidungsverhalten. Die Erfahrung dieser Symptome führt zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung.
Auch wenn die posttraumatische Stressstörung häufig mit militärischen Einsätzen assoziiert wird, basieren die meisten Fälle auf traumatischen Ereignissen in der Allgemeinbevölkerung. Solche Ereignisse umfassen körperlichen oder sexuellen Missbrauch, Verkehrsunfälle oder Naturkatastrophen und zwischenmenschliche Gewalt.
Es gibt Richtlinien für die Behandlung der PTSS, die empfohlenen Medikamente sind jedoch zum Teil nicht oder nur wenig wirksam, was dazu führen kann, dass einige Patienten ihre schwerwiegenden Symptome, inklusive erheblich beeinträchtigender Albträume jahrelang oder über Jahrzehnte nicht loswerden. Die meisten Patienten nehmen mehr als ein Medikament, wie beispielsweise Antidepressiva und Beruhigungsmittel, ein, sodass Nebenwirkungen häufig sind. Es ist daher wünschenswert, ein Medikament zu haben, das Albträume wirksam bekämpft, positive Wirkungen auf den Schlaf hat und geringe Nebenwirkungen aufweist.
Es ist aus der Grundlagenforschung bekannt, dass THC das Vergessen unangenehmer Erinnerungen bei Mäusen beschleunigt. Daher wurde bereits seit einigen Jahren vermutet, dass Cannabinoide bei posttraumatischen Stressstörungen wirksam sein könnten. Vor einigen Jahren wurde angekündigt, dass eine solche Studie mit THC in Israel durchgeführt werden soll, Ergebnisse wurden jedoch bisher nicht veröffentlicht.
Nun hat ein kanadischer Psychiater, der in seiner spezialisierten Privatklinik 47 Patienten (27 Frauen und 20 Männer) mit PTSS mit Nabilon behandelt hatte, seine Ergebnisse in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Die Teilnehmer waren zwischen 26 und 68 Jahre alt, und die Symptome begannen vor 2 bis 30 Jahren. 18 Teilnehmer litten an den Folgen wiederholter traumatischer Erlebnisse in der Kindheit (sexueller oder körperlicher Missbrauch), 18 litten an einem Trauma aus dem Zivilbereich (Unfall, Vergewaltigung, etc.) und 11 Teilnehmer litten an einem Trauma im Zusammenhang mit militärischen Kampfhandlungen.
Die Teilnehmer begannen, abends eine Stunde vor der Nachtruhe 0,5 mg Nabilon zusätzlich zu ihrer bisherigen Medikation einzunehmen. Das entspricht etwa 5 mg THC. In Abhängigkeit von der Reduzierung der Symptome und den Nebenwirkungen wurde die Dosis dann reduziert oder schrittweise gesteigert. Die durchschnittliche wirksame Dosis lag bei 0,5 mg mit einer Spanne bei verschiedenen Personen von 0,2 bis 4 mg pro Nacht. 72 Prozent der Patienten erlebten durch die Behandlung ein vollständiges Verschwinden der Albträume oder eine befriedigende Reduzierung. Vier Patienten konnten 4 bis 12 Monate nach Beginn der Behandlung Nabilon vollständig absetzen, ohne dass die Albträume zurückkehrten. Bei den anderen Patienten, die versuchsweise das Cannabinoid wieder abgesetzt hatten, kamen die Albträume wieder und verschwanden erneut mit Einnahme von Nabilon. Es trat kein Wirkungsverlust des Medikaments ein, sodass es viele Monate und Jahre wirksam blieb.
In einigen Fällen führte die Behandlung mit dem Cannabinoid zusätzlich zu einer Verbesserung des Schlafes und zu einer Reduzierung der Flashbacks am Tage. Einige Patienten gaben zudem an, dass sie nicht länger unter Nachtschweiß litten. Dreizehn Patienten (28 Prozent) erlebten Nebenwirkungen wie Vergesslichkeit, Schwindelgefühl und Kopfschmerzen, die zum Abbruch der Behandlung führten.
Der Autor folgert aus seinen Beobachtungen, dass das positive Ergebnis bei 34 seiner 47 Patienten andere Ärzte ermutigen sollte, Nabilon ebenfalls bei Patienten mit posttraumatischen Stressstörungen einzusetzen. Es sollte auch die Wirksamkeit bei anderen Angsterkrankungen untersucht werden. Es darf von meiner Seite ergänzt werden, dass auch Dronabinol oder natürliche Ganzpflanzenprodukte vermutlich ähnliche Wirkungen entfalten.


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