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Der Baader Meinhof Komplex
Rolys Silberscheiben des Monats April >> DVD
Publiziert am: 07.04.09 - Medienformen: Medienform Text

Der Baader Meinhof Komplex ist gewissenhafte Aufarbeitung deutscher Geschichte, welche endlich mit der mystifizierten Revolutionsromantik vergangener Produktionen bricht und ein blutiges, zugleich aber auch realistisches Bild des RAF-Terrors zeichnet.
Eichinger hielt sich dabei an das gleichnamige Standardnachschlagewerk zur RAF des ehemaligen „Spiegel“-Chefredakteurs Stefan Aust aus dem Jahr 1985. Als angehender Journalist lernte Aust 1967 die Kolumnistin Ulrike Meinhof beim linken Blatt „Konkret“ kennen. Drei Jahre später ging Meinhof in den Untergrund. Der Buchtitel wurde geprägt von den damals mit den Ermittlungen betrauten Organen, welche die Ermittlungen amtsintern so tauften. Darin steckt allerdings ein Irrtum, da die Führung der ersten Generation der RAF ganz klar Andreas Baader und Gudrun Ensslin ausübten. Regisseur Uli Edel inszeniert die dramatischen Ereignisse, die von der Demo gegen den Schah-Besuch 1967 in West-Berlin über den Stammheimer Prozess von Mai 1975 bis April 1977 bis zum „Deutschen Herbst“ 1977 die Regierung um Helmut Schmidt ins Wanken brachten. Die Geschichte beginnt in einem Idyll und endet in einem Blutbad. Statt einer fiktiven Dramaturgie zu folgen, richtet Eichinger das Drehbuch nach der Chronologie der Ereignisse aus. Einem Puzzle ähnlich, werden so zehn Jahre auf zweieinhalb Stunden verdichtet. Um die zentralen Figuren Baader (Moritz Bleibtreu), Ensslin (Johanna Wokalek) und Meinhof (Martina Gedeck) versammelt Uli Edel die gesamte Prominenz des deutschen Films. Der Fülle an Personen und Aktionen und das hohe Tempo setzen einiges an Hintergrundwissen voraus. Doch von der politischen Situation abgesehen, arbeitet der Film die Jahre von 1967 bis 1977 in erschreckender Perfektion auf. Häufig fängt die Handkamera Bilder ein, die bis ins kleinste Detail mit Fernsehübertragungen und Originalfotos der damaligen Zeit übereinstimmen.
Doch fern vom herkömmlichen Popcorn-Kino ist der teuerste deutsche Film aller Zeiten ein packendes und authentisches Drama, welches seinen Teil dazu beitragen wird, dass die tragischen Ereignisse aus den 70ern nicht in Vergessenheit geraten. Das Ganze ist eine Sause durch zehn Jahre westdeutsche Nachkriegsgeschichte und braucht eine gewisse Zeit, bis sich die vielen Eindrücke gesetzt haben. Ein Schritt in die richtige Richtung ist der Verzicht auf die Glorifizierung der Täter auf jeden Fall. „Ihr kanntet sie nicht. Hört auf sie so zu sehen, wie sie nicht waren.“, faucht Brigitte Mohnhaupt die verbliebenen RAF’ler der zweiten und dritten Generation an. Recht hat sie, denn spätestens nachdem die ersten Sprengsätze detoniert sind und Unschuldige ihr Leben gelassen haben, wird klar: Die RAF war keine Bande linker Revoluzzer, die ein Land verändern wollte. Schnell traten politische Ziele in den Hintergrund und das reine Töten begann, frei von jeglichen Begründungen.
Und genau das vermittelt der Film. Bei offenen Fragen sollte man Aust’s fast 900 Seiten dicken „Baader Meinhof Komplex“ lesen.
www.bmk.film.de
www.constantin-film.de

Roland Grieshammer
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