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Über die Schutzfunktion des Cannabinoidsystems

Das körpereigene Cannabinoidsystem hat vielfältige natürliche Aufgaben. Die wichtigste Gemeinsamkeit ist ein Schutz des Organismus vor Überaktivität und Überlastung und damit die Aufrechterhaltung eines gesunden Gleichgewichts des Körpers. Dieses gesunde Gleichgewicht eines Organismus wird Homöostase genannt.
Publiziert am: 02.05.09 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen
Das Cannabinoidsystem besteht aus Cannabinoidrezeptoren, Endocannabinoiden (körpereigenen Cannabinoiden) sowie Eiweißstoffen, die für die Regulierung der Konzentration der Endocannabinoide verantwortlich sind. Sowohl die Konzentrationen der Endocannabinoide als auch der Cannabinoidrezeptoren unterliegen deutlichen Veränderungen in Abhängigkeit von natürlichen oder krankhaften Reizen. Es handelt sich um ein sehr dynamisches System. Man darf sich also nicht vorstellen, dass die Zahl der Cannabinoidrezeptoren unveränderlich ist. Nicht nur ihre Zahl, sondern auch ihre Ansprechbarkeit auf Endocannabinoide und auf von außen zugeführte Cannabinoide wie THC können sich stark verändern.
Diese Veränderungsfähigkeit des Cannabinoidsystems wurde bisher am deutlichsten im Gehirn und Rückenmark nachgewiesen, wo es Prozesse kontrolliert, die beispielsweise für Reaktionen auf chronischen Stress und auf mögliche schädliche Reize für das Nervensystem, wie etwa Nervenentzündungen, zuständig sind. Es kontrolliert jedoch auch normale Denkprozesse und Emotionen sowie krankhafte Störungen dieser geistigen Aktivitäten. Auch im übrigen Organismus passt sich das Cannabinoidsystem an veränderte Situationen an. Beispielsweise wurde festgestellt, dass hungernde im Vergleich zu satten Ratten im Darm eine um das Mehrfache erhöhte Konzentration von Endocannabinoiden aufweisen, oder dass bei chronischen Darmentzündungen die Zahl der Cannabinoidrezeptoren im Darm erhöht ist. Durch die erhöhte Zahl der Rezeptoren haben Endocannabinoide eine größere Wirkungsmöglichkeit. Es handelt sich also um einen Versuch des Körpers, sich gegen die Entzündung zu wehren.

Wie kann man sich die Wirkungsweise des Cannabinoidsystems, beispielsweise in einer Stresssituation, konkret vorstellen? Am besten schaut man sich dazu die Verbindungsstelle zwischen zwei Nervenzellen aus der Nähe an. Solche Verbindungsstellen werden Synapsen und der kleine Zwischenraum zwischen den beiden Nervenzellen wird synaptischer Spalt genannt. Man schätzt, dass das Gehirn eines Erwachsenen 100 bis 500 Billionen Synapsen aufweist, und Cannabinoidrezeptoren zählen zu den häufigsten Rezeptoren im Gehirn. Eine Erregung wird über eine Nervenfaser der einen Nervenzelle (Nerv 1) bis zu dieser Verbindungsstelle geleitet. An der Verbindungsstelle entscheidet sich nun, wie stark oder schwach die Erregung auf die nächste Nervenzelle (Nerv 2) überspringt und dann weitergeleitet wird. Nerv 1 gibt dazu eine der Erregung entsprechende Menge eines Botenstoffs in den synaptischer Spalt ab. Zu den Botenstoffen im Gehirn zählen unter anderen Glutamat, Gamma-Aminobuttersäure, Dopamin und Serotonin. Wird die Erregung sehr stark auf Nerv 2 übergeleitet, so werden auf dieser Seite des synaptischen Spalts Endocannabinoide freigesetzt. Die Endocannabinoide aktivieren Cannabinoidrezeptoren auf der Seite des synaptischen Spalts von Nerv 1. Diese Aktivierung der Cannabinoidrezeptoren hat eine hemmende Wirkung auf die weitere Freisetzung von Botenstoffen, so dass die zukünftige Weiterleitung der Erregung von Nerv 1 über diese Verbindungsstelle zum Nerv 2 abgeschwächt wird. Die Freisetzung von Endocannabinoiden geschieht also auf Abruf. Sie werden bei Bedarf freigesetzt und wirken nur Sekunden bis wenige Minuten, bevor sie wieder abgebaut oder in die Nervenzellen aufgenommen wurden.
Jeder tierische oder menschliche Organismus kennt normale Situationen von vermehrter Aktivität und Stress, und es gibt Systeme, die dazu verwendet werden. Am bekanntesten ist die Freisetzung von Adrenalin bei Angst und Wut. Das körpereigene Cannabinoidsystem ist dagegen ein System, das den Organismus wieder auf seinen normalen Betrieb heruntersteuert. Dieses System übt daher eine allgemeine Schutzfunktion vor Überlastung aus.
Diese Funktion des endogenen Cannabinoidsystems ist dafür verantwortlich, dass eine Aktivierung von Cannabinoidrezeptoren durch THC so vielfältige medizinische Wirkungen bei krankhaften Zuständen entfaltet. THC imitiert und verstärkt viele Wirkungen von Endocannabinoiden, wie die Hemmung von Schmerzen, die Linderung von Übelkeit, die Entspannung einer verkrampften Muskulatur, die Verhinderung eines epileptischen Anfalls oder einer Migräneattacke, die Reduzierung eines erhöhten Augeninnendrucks und die Lösung eines Asthmaanfalls. Allen diesen Wirkungen ist gemeinsam, dass das Cannabinoidsystem eine zu starke und damit schädliche Aktivität ausgleichen und wieder auf ein erträgliches Maß reduzieren möchte.



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