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Wenn THC Krebszellen veranlasst, sich selbst zu verdauen

Eine internationale Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern aus Spanien, Frankreich, Italien und den USA hat jüngst Forschungsergebnisse veröffentlicht, nach denen THC bei Krebszellen eine Autophagie auslösen kann.
Publiziert am: 02.06.09 - Medienformen: Medienform Text

Autor: Dr. med. Franjo Grotenhermen
Die Autophagie (aus dem griechischen wörtlich: „Selbstauffressen“) von Zellen ist ein normaler Prozess, der in einem gesunden Organismus laufend stattfindet, aber auch bei krankhaften Prozessen, wie Infektionen und Krebserkrankungen, eine Rolle spielen kann. So hat die Autophagie eine große Bedeutung bei dem Gleichgewicht zwischen Zellabbau und Zellneubildung eines Organismus. Bei der Autophagie wird ein Teil der Zelle durch eine Zellmembran vom Rest des Zellinhalts abgetrennt. Der Inhalt dieser so genannten Autophagosomen wird mit Hilfe bestimmter Enzyme innerhalb der Zelle abgebaut bzw. verdaut und kann für den Aufbau anderer Strukturen wiederverwertet werden. So werden beispielsweise beim Hungern nicht lebensnotwendige Zellen oder Zellinhalte mittels Autophagie abgebaut und ihre Bestandteile dem Organismus als Ausgangsmaterial für die Aufrechterhaltung lebenswichtiger Funktionen bereitgestellt.
Die aktuelle Forschung mit THC wurde mit verschiedenen Krebszellen und Tieren mit drei unterschiedlichen Krebsarten durchgeführt. Es ist bereits bekannt, dass THC krebshemmende Eigenschaften besitzt. So hatte THC in früheren Tierversuchen zu einer Reduzierung der Masse verschiedener Tumoren bis hin zur vollständigen Heilung geführt. Das Ziel der Untersuchungen war daher ein besseres Verständnis der diesen Wirkungen zu Grunde liegenden Prozesse.
Als erster Schritt wurden mit einem Elektronenmikroskop Zellveränderungen bei einer bestimmten Art von menschlichen Gehirnkrebszellen, so genannten Astrozytomzellen, untersucht, nachdem sie THC ausgesetzt worden waren. Dabei ließen sich die oben erwähnten Autophagosomen nachweisen, also blasenartige Strukturen innerhalb der Zellen, in denen die Zellen einen Teil von sich selbst verdauten. Wurde gleichzeitig mit THC eine Substanz gegeben, die den Cannabinoid-1-Rezeptor blockiert, so waren keine Autophagosomen in den Krebszellen nachweisbar, ein klares Indiz dafür, dass die Autophagie durch Cannabinoide auf einer Aktivierung dieses Cannabinoidrezeptors beruht. Es ist der Cannabinoid-1-Rezeptor, der überwiegend im Gehirn gefunden wird und für die meisten THC-Wirkungen verantwortlich ist, beispielsweise die Steigerung des Appetits, die Entspannung der Muskulatur und die Veränderung der Sinneswahrnehmung nach dem Rauchen von Cannabis.
Zusätzlich zu der Präsenz von Autophagosomen wurde in THC-exponierten Zellen eine Zunahme von Anzeichen einer Stressreaktion anderer Zellbestandteile nachgewiesen. In früheren Studien war festgestellt worden, dass THC Krebszellen tötet, indem es bei ihnen eine Form des programmierten Zelltods auslöst, die so genannte Apoptose. Interessanterweise traten Apoptosen bei Krebszellen nur auf, wenn zuvor eine Autophagie stattgefunden hatte, denn wenn durch bestimmte pharmakologische Manipulationen eine Autophagie verhindert wurde, trat auch keine Apoptose auf. Offenbar führt THC dazu, dass Krebszellen zunächst beginnen, sich teilweise „selbst aufzufressen“, um dann anschließend Selbstmord zu begehen.
Diese zunächst bei Gehirnzellen (Astrozytomzellen) nachgewiesen Vorgänge ließen sich bei mehreren menschlichen Krebszelllinien unterschiedlichen Ursprungs nachweisen, darunter Krebszellen der Bauchspeicheldrüse, der Brust und der Leber. Allerdings löste THC bei gesunden Gehirnzellen weder eine Autophagie noch die beobachtete Stressreaktion aus. Gesunde Zellen sind offenbar nicht durch eine THC-induzierte Autophagie mit anschließendem Selbstmord (Apoptose) bedroht. Danach untersuchte die Arbeitsgruppe die Frage, ob sich die Zellexperimente auf die Situation bei Tieren, die an verschiedenen Krebsarten leiden, übertragen lassen. Tatsächlich fanden sich bei Tieren mit einem Hirntumor (Glioblastom) und zwei weiteren Tumorarten die in Zellexperimenten beobachteten biochemischen Vorgänge der Autophagie.
Die Autoren weisen darauf hin, dass sich die THC-Konzentrationen, die bei ihren umfangreichen Untersuchungen verwendet wurden, in einem Rahmen bewegen, wie sie bei einigen Patienten mit einem äußerst aggressiven Hirntumor (malignes Gliom) in einer kleinen offenen Studie durch eine Gabe von THC direkt an den Tumor erzielt wurde. Bei diesen Patienten wurde durch eine Operation ein kleiner Plastikschlauch direkt an den Tumor gelegt, sodass täglich von außen Dronabinol über diesen kleinen Schlauch direkt an den Tumor gebracht werden konnte. Solche Konzentrationen im Bereich eines Tumors lassen sich leider nicht so einfach durch eine Aufnahme von THC über die Lunge oder den Magendarmtrakt erzielen.

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